Warum Enduro-Fahren glücklicher macht als die Rennstrecke

Enduro oder Rennstrecke? Hier liegt das echte Glück!

Motorradfahren kann Adrenalin und Glücksgefühle bedeuten. Doch warum bleibt auf der Rennstrecke oft ein Hauch von Unzufriedenheit, während Enduro-Touren wahre Freude bringen? NastyNils erklärt, warum das Abenteuer abseits der Stoppuhr noch erfüllender ist.

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Motorradfahren ist für viele ein Hobby, für manche eine Leidenschaft und für einige wenige eine Lebenseinstellung. Als Redakteur bei 1000PS.at habe ich das Privileg, mein Motorradfahren in all seinen Facetten voll auszuleben. Dabei geht es nicht nur um das Ausprobieren neuer Modelle, sondern vor allem um die Möglichkeit, das Fahren in allen erdenklichen Bereichen zu erleben von der Rennstrecke bis zu anspruchsvollen Enduro-Trails. In diesem Bericht möchte ich meine Gedanken und Gefühle teilen, warum mich das Enduro-Fahren glücklich macht und wieso das Fahren auf der Rennstrecke manchmal ein Gefühl der Unzufriedenheit hinterlässt.

Die Faszination der Rennstrecke – immer an der Grenze

Motorradfahren auf der Rennstrecke hat mich seit meiner Jugend fasziniert. Schon vor meiner Zeit bei 1000PS zog es mich auf den Asphalt, um mich mit anderen Fahrerinnen und Fahrern zu messen, an meine Grenzen zu gehen und sie mit jedem neuen Setup, jedem technischen Update und jedem Rundenkilometer weiter hinauszuschieben. Auf der Rennstrecke dreht sich alles um Perfektion: die perfekte Linie, der optimale Bremspunkt, das Ausnutzen der Reifenhaftung bis an den Rand der Physik. In jungen Jahren, als ich noch im Yamaha R6 Cup oder im Kawasaki Cup antrat, faszinierte mich vor allem der sportliche Wettkampf: das direkte Duell, das Überholen, das Beweisen des eigenen Könnens gegen gleichgesinnte Konkurrenten. Die Freude lag im Gewinnen, im Besiegen, aber auch im Besiegtwerden denn beides treibt einen an, immer besser zu werden. Besonders intensiv war dieses Gefühl bei den Naked Bike Rennen im Rahmen der Berger Race Days. Dort fuhr ich mehrere Saisonen mit einer Suzuki GSR 600 und einer KTM 690 Duke. Die Leistungswerte dieser Naked Bikes sind vergleichsweise niedrig, aber gerade das machte es so spannend. Der Windschatten spielte eine größere Rolle, das Leistungsniveau der Maschinen war ähnlich und die Felder extrem dicht beisammen. Es war ein wilder Tanz, eine permanente Jagd nach der Lücke, immer auf der Suche nach dem entscheidenden Vorteil in der letzten Kurve vor der Start-Ziel-Geraden. Ich erinnere mich besonders an einen speziellen Moment: Mein Sieg bei einem der Berger Race Days in der Limited Klasse, also bis 600 ccm. Das ist der einzige Pokal, den ich mir aus all meinen Rennjahren behalten habe. Ich war stolz auf den Erfolg, aber selbst dieses Erfolgserlebnis hatte immer einen Haken die Uhr tickte weiter. Denn selbst wenn man eine neue Bestzeit fährt, bleibt immer das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Als ich das erste Mal eine 2.01 am Pannonia Ring fuhr, war ich zunächst begeistert. Doch dann kam sofort die Frage: Wie geil muss es erst sein, eine 2.00 zu fahren? Und schon war die Unzufriedenheit wieder da.

2.01 am Pannoniaring mit der Suzuki GSX-R 1000 im Jahr 2013
2.01 am Pannoniaring mit der Suzuki GSX-R 1000 im Jahr 2013
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Der ständige Begleiter: die Uhr als Schiedsrichter

Die Stoppuhr ist auf der Rennstrecke der ständige Begleiter. Sie entscheidet darüber, ob man einen guten oder schlechten Tag hatte. Sie zwingt dich in einen ewigen Wettkampf, nicht nur mit deinen Konkurrenten, sondern auch mit dir selbst. Jede Verbesserung ist nur eine Zwischenetappe auf dem Weg zu einer neuen, härteren Challenge. Diese rastlose Jagd nach der perfekten Runde hinterlässt, egal wie gut man war, am Ende fast immer einen schalen Beigeschmack. Selbst eine persönliche Bestzeit kann dieses Gefühl der Unvollkommenheit nicht vertreiben. Der Rennsport fordert dich bis ins Mark, und genau das ist es, was mich trotz allem so fasziniert: die Mischung aus Adrenalin, Geschwindigkeit und Präzision. Mittlerweile habe ich gelernt, auch das reine Fahren zu genießen ganz ohne Zeitdruck. Doch sobald ich wieder auf die Uhr blicke, ist es da, das Gefühl der Unzufriedenheit. Motorsport bleibt immer auch ein Kampf gegen die eigene Unzulänglichkeit. Die Uhr ist gnadenlos und lässt keinen Raum für das eigentliche Erlebnis. Deshalb empfinde ich auf der Rennstrecke selten echtes Glück immer steht die Leistung im Vordergrund, immer gibt es noch etwas zu verbessern.

Enduro-Fahren – das Gefühl, Grenzen zu überwinden

Ganz anders fühlt es sich an, wenn ich auf der Enduro unterwegs bin. Für mich war Enduro-Fahren nie eine Disziplin, in der ich schnell sein wollte. Es ging nicht um die Stoppuhr, nicht um die Konkurrenz, sondern um das Bezwingen des Geländes, um das Schaffen von etwas, das zuerst unmöglich erscheint. Enduro-Fahren hat für mich viel mit mentaler Stärke zu tun. Egal wie lange es dauert, egal wie steil der Hang ist oder wie tief der Schlamm am Ende eines langen Tages gibt es immer dieses unglaubliche Gefühl, es geschafft zu haben. Mein erstes wirklich intensives Erlebnis dieser Art hatte ich beim Six Days Crazy Job in Bulgarien, einem Rennen, das sich über eine ganze Woche erstreckt. Dort bin ich einfach ruhig und gleichmäßig gefahren, nie zu schnell, aber immer konstant. Ich begann als 25., kämpfte mich jeden Tag ein wenig weiter nach vorne und stand am Ende auf Platz 2. Das war kein Triumph der Geschwindigkeit, sondern ein Triumph der Ausdauer und Zähigkeit. Solche Momente machen mich glücklich, denn sie zeigen mir, dass ich durch mentale Stärke, Beharrlichkeit und den Willen zum Durchhalten mehr erreichen kann als durch pures Talent oder Geschwindigkeit.

Jeder Steilhang eine neue Herausforderung! Faszination Enduro!
Jeder Steilhang eine neue Herausforderung! Faszination Enduro!

Beispiele aus der letzten Reise nach Utah: Glücksgefühle auf zwei Rädern

Meine letzte Enduro-Tour durch Utah war der perfekte Beweis für die Glücksmomente, die das Enduro-Fahren auslösen kann. Über zehn Tage hinweg fuhren wir durch eine der vielfältigsten und beeindruckendsten Landschaften der USA, von weiten Wüsten bis zu tiefen Canyons. Jede Etappe bot neue Herausforderungen, aber auch unvergessliche Erlebnisse, die mir gezeigt haben, warum ich Enduro-Fahren liebe.

Gleich am ersten Tag der Reise erlebte ich das, was Enduro-Fahren für mich ausmacht: das Gefühl der Freiheit. In der Knolls Recreation Area mit ihren endlosen Sanddünen und weiten Salzflächen breitete sich vor mir eine Landschaft aus, die ein tiefes Glücksgefühl hervorrief. Hier war es die Weite, das Gefühl, dass der Horizont nirgendwo endet und jede Kurve ein neues Abenteuer verspricht. Es war die perfekte Einstimmung auf die kommenden Tage, bei denen jeder Kilometer das Gefühl der Freiheit verstärkte.

Grenzenlose Möglichkeiten - Im Sattel einer Enduro liegt dir die Welt zu Füßen!
Grenzenlose Möglichkeiten - Im Sattel einer Enduro liegt dir die Welt zu Füßen!

Slickrock Trail in Moab

Der Slickrock Trail in Moab gehört zu den legendären Routen für Offroad-Enthusiasten, und das aus gutem Grund. Das Fahren auf dem griffigen Sandstein ermöglichte Fahrmanöver, die ich sonst nirgendwo so leicht umsetzen konnte. Es fühlte sich an wie eine Achterbahnfahrt, bei der das Motorrad perfekt auf den Felsen klebte und ich Kurven fahren konnte, die normalerweise unmöglich wären. Die Mischung aus technischer Herausforderung und reiner Fahrfreude zauberte jedem Fahrer ein breites Grinsen ins Gesicht. Hier trafen sich Herausforderung und Glück auf perfekte Weise.

Griffige Felsen! Die Region Moab gilt als Paradies für Offroad Freaks
Griffige Felsen! Die Region Moab gilt als Paradies für Offroad Freaks

Die Aufstiege auf den „Top of the World“

Ein weiteres Highlight der Reise war der Aufstieg auf den Top of the World in St. George. Es war eine anstrengende Fahrt durch schwieriges Gelände, aber als wir oben ankamen und die atemberaubende Aussicht über die Dünenlandschaft im Sand Valley sahen, war die Euphorie grenzenlos. Der Moment, auf dem Gipfel zu stehen und zu wissen, dass man sich den Weg dorthin hart erarbeitet hat, war pure Glückseligkeit. Es war die Belohnung für all das Kämpfen durch Steilhänge und felsige Pfade, und es fühlte sich an, als hätte man die Welt bezwungen.

Oben angekommen! Am Ende gibt es jede Menge Glückshormone!
Oben angekommen! Am Ende gibt es jede Menge Glückshormone!

Gooseberry Mesa und der entspannte Tag

Nach all den intensiven Tagen war der entspannte Trail um Gooseberry Mesa eine willkommene Abwechslung. Die spektakulären Ausblicke auf den Zion Nationalpark und die ruhige Atmosphäre des Tages brachten eine Ruhe und Zufriedenheit, die das Glücksgefühl noch einmal verstärkten. Es war ein Tag zum Genießen, zum Innehalten und zur Reflektion, warum ich dieses Hobby so sehr liebe. Manchmal ist es eben nicht die technische Herausforderung, sondern die pure Schönheit der Umgebung, die das Herz aufgehen lässt.

Einfach nur Genießen! Wunderbare Ausblicke beim Endurofahren!
Einfach nur Genießen! Wunderbare Ausblicke beim Endurofahren!

Nach einem langen Tag auf dem Motorrad gab es nichts Schöneres, als in der klaren Bergluft des Bryce Canyon zu stehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Die Ruhe, die frische Luft und der unglaubliche Ausblick sorgten für ein tiefes Glücksgefühl. Diese Momente, wenn man einfach nur dasteht und die Schönheit der Natur in sich aufnimmt, weit weg von allem Trubel und Lärm, sind unbezahlbar.

Die Vielfalt der Landschaften und die besondere Atmosphäre der Tour

Was die Tour durch Utah so besonders gemacht hat, war die Vielfalt der Landschaften, die wir durchquert haben. Von endlosen Sanddünen und weiten Salzflächen über griffige Slickrock-Passagen bis hin zu tiefen Canyons und dichten Wäldern jeder Tag brachte neue Herausforderungen und neue Glücksmomente. Auch das Gemeinschaftsgefühl trug viel zum Erlebnis bei. Trotz der teils extremen Bedingungen halfen wir uns gegenseitig, teilten Erfolgserlebnisse und genossen die gemeinsamen Abendessen im Diner. Diese Kameradschaft, dieses Miteinander, machte das Abenteuer noch schöner.

Fazit: Warum Enduro-Fahren wirklich glücklich macht

Am Ende des Tages gibt es für mich einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Rennstrecken- und dem Enduro-Fahren. Auf der Rennstrecke bleibt fast immer ein Gefühl der Unzufriedenheit, selbst wenn man eine Bestzeit fährt. Denn die Uhr ist unbarmherzig, und man fragt sich stets: Wie hätte ich noch schneller sein können? Beim Enduro-Fahren hingegen sammle ich Glücksmomente echte, unvergängliche Glücksmomente. Hier ist es nicht die Stoppuhr, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern die eigene mentale Stärke und die Fähigkeit, sich durchzubeißen. Rennstreckenfahrten sind faszinierend, technisch anspruchsvoll und lassen einen besser werden. Doch sie lassen mich selten wirklich zufrieden zurück. Das Enduro-Fahren hingegen hat für mich einen besonderen Platz in meinem Herzen, denn es zeigt mir immer wieder, dass es am Ende des Tages nicht um Geschwindigkeit geht, sondern um das Überwinden der eigenen Grenzen und um die Momente, in denen man sich selbst überrascht. Und genau das macht mich wirklich glücklich.

Doch klarerweise empfinden Menschen unterschiedlich. Bei unseren 1000PS Bridgestone Trackdays fahren auf der Rennstrecke Teilnehmer die früher Rennen im Offroad Bereich gefahren sind. Enduromeisterschaften mit Richtzeiten und Sonderprüfungszeiten. Sie genießen nun umgekehrt die Freiheit auf der Rennstrecke. Hier fahren sie einfach zum Spaß im Kreis und haben Freude mit ihren Kumpels. Sie konnten nicht verstehen, dass ich es genau andersrum empfinde. Insofern mein wichtiger Tipp am Ende der langen Geschichte. Probiert unterschiedliche Motorrad Disziplinen aus. Da ist bestimmt etwas für euch dabei das euch glücklich macht!

Bericht vom 29.12.2024 | 17.315 Aufrufe

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