Bilder: Werksbesuch Akrapovic
Zu Besuch bei einem faszinierenden Unternehmen! Wir kaum eine andere Marke dominiert Akrapovic den Markt, in welchem das Unternehmen seit 20 Jahren aktiv ist. Erfolge im Rennsport aber auch faszinierende Leistung, Design, Sound und Qualität haben die Marke erfolgreich gemacht. Wer oder was steckt hinter dem Erfolg? NastyNils besuchte als einer der ersten Journalisten überhaupt das neue Werk in Slowenien. Auch Igor Akrapovic nahm sich Zeit und sprach über Erfolge, Herausforderungen und Trends.
Im Akrapovic Werk in Slowenien wurde in den letzten Jahren immer wieder erweitert und modernisiert. Der Auspuffhersteller schwimmt auf einer sagenhaften Erfolgswelle.
Immer wieder kam es vor, dass Akrapovic bei besonders gefragten Modellen erst nach langen Wartezeiten liefern konnte. Dadurch eröffnete man auch eigentlich schwächeren Marken die Möglichkeit Umsätze zu machen.
2015 wurde dann der große Schritt gesetzt und der Umzug in einer neues Werk wurde umgesetzt. Dadurch wurde erstmal alles schlimmer. Die Produktion konnte viel zu lange nicht auf vollen Touren laufen und Kunden mussten teilweise sehr lange auf ihre Bestellungen warten.
Doch beim Rundgang durch das neue Werk wurde klar, dass nun ausreichend Platz vorhanden ist. Marcus Pohl, verantwortlich für Akrapovic in Österreich, war sichtlich stolz und erleichtert.
Beim Rundgang durch die Firma begeisterten uns natürlich die gewaltigen Hightech Maschinen.
Überraschend war aber, dass auch jetzt noch sehr viele Arbeitsschritte manuell durchgeführt werden müssen. Wir besuchten das Werk zuletzt vor 10 Jahren. Seit damals wurde zwar vieles anders, aber es arbeiten mehr Menschen als je zuvor bei Akrapovic. Im Moment sind es über 800 Männer und Frauen an 2 Standorten in Slowenien.
Einen Teil des Wachstums verzeichnet Akrapovic natürlich durch das Engagement im Autosegment.
Dort punktet Akrapovic durch die bekannten Features: Leistung, Sound und Design. Doch Autofreaks schätzen vor allem den Gewichtsvorteil der neuen Anlegen. 20-30 Kilo kann eine Akrapovic Titananlage gegenüber der Serienanlage einsparen.
Beim persönlichen Gespräch erzählte Igor Akrapovic stolz von der Saison 1998. Damals waren alle 4 japanischen Superbike Werksteams mit Akrapovic unterwegs. Der slowenische Hersteller war DER Garant für ein Plus an Leistung bei Sportmotorrädern. Die sportlichen Erfolge waren immer schon ein wichtiger Antrieb für die Marke. Doch starkes Wachstum verzeichnete Akrapovic auch in Segmenten abseits der Rennstrecke.
Quasi ein "Heimspiel" ist diese Anlage. Sie führt Akrapovic zurück zu den Wurzeln. Igor Akrapovic erzählte freudenstrahlend von seinen Fahrten mit der alten Kawasaki Mach 3 in den guten alten Zeiten. 1996 dann war es Kawasaki welches als erstes Werk auf Akrapovic als Lieferant fürs Werksteam setzte. Und diese Auspuffanlage macht die Slowenen besonders stolz.
Die komplett aus Titan gefertigte Anlage schmückt den Überflieger der Saison: Die Kawasaki Ninja H2 R. Im Serienzustand hat das Motorrad ja quasi keinen Endtopf montiert. Der Sound ist infernalisch, doch selbst für viele Rennstrecken einfach zu laut. Akrapovic entwickelte also erstmals in der Firmengeschichte eine Auspuffanlage welche deutlich leiser ist als die Serienanlage.
Ganz nebenbei schafften die Gurus von Akrapovic ein Kunststück. Die ohnehin schon unpackbar kräftige Ninja H2 R wurde um 14 dB leiser, legte aber um fast 2PS und 2 Nm zu.
Bei der Produktion startet Akrapovic quasi von Null. Es werden also keine fertigen Titan Rohre gekauft, sondern Akrapovic setzt mehrere Schritte davor an. Titan eignet sich eigentlich überhaupt nicht zur Produktion von Auspuffanlagen. Das Material ist sehr spröde, lässt sich kaum biegen und oxidiert beim Schweißen. Akrapovic arbeitet intensiv mit den Lieferanten zusammen um dann spezielle Legierungen für die Auspuffproduktion EXKLUSIV verwenden zu können.
Geliefert bekomt Akrapovic dann Platten und Bänder. Daraus werden die teilweise sehr komplexen Auspuffanlagen gefertigt. Aufgrund der hohen Affinität von Titan zu den atmosphärischen Gasen Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff scheiden sämtliche Schweißverfahren aus, bei denen das schmelzflüssige Metall mit einem dieser Elemente in Kontakt kommen kann und somit eine Versprödung des Werkstoffes zur Folge hätte.
Die Titanbänder werden in dieser Maschine in mehreren Walzvorgängen zu einem Rohr geformt und am Ende wird das Rohr dann verschweißt. Beim Schweißen wird die Schweißnaht mit dem Edelgas "Argon" umhüllt um eine Versprödung zu verhindern.
Das Endprodukt vom ersten Arbeitsschritt sind dann hochwertige Rohre aus Titanlegierungen. Diese Rohre produziert Akrapovic in den gewünschten Wandstärken und Durchmessern.
Der nächste Arbeitsschritt klingt einfach, ist aber eine der größten Herausforderungen. Das eigentlich spröde Material Titan wird gebogen. Aus diesen scheinbar wahllos geformten Rohren entstehen dann Auspuffanlagen für verschiedene Motorräder.
Aus den einzelnen Elementen werden komplette Anlagen erzeugt. Titan zu schweißen ist nicht einfach. Die Schweißer/innen bei Akrapovic benötigen mindestens ein Jahr Übung um wirklich produktiv arbeiten zu können
Bei den riesigen Mengen an Auspuffanlagen welche in der Fabrik an jeder Ecke rumstehen fragt man sich wie es da jemals zu Lieferengpässen kommen soll. Hier ein Stapel Boxer-Endtöpfe für BMW Modelle. Akrapovic produziert ca. 100.000 Anlagen / Jahr.
Kleiner Arbeitsschritt, große Wirkung. Das Akrapovic Logo wird hier mit einem Laser in den Titan-Endtopf "geschrieben".
Eine eigene Abteilung in der Firma stellt die Carbon Produktion dar.
Bei diesem wunderbaren Teil kann es sich natürlich nur um ein Produkt für ein italienisches Fabrikat handeln. Es wird mal einen Alfa Romeo noch schöner machen.
Teile aus Carbon lassen sich auch in einer kleinen Bastelgarage produzieren. Doch bei Akrapovic produziert man auf einem besonders exklusiven Niveau.
Kaum zu glauben was hier für ein Aufwand betrieben wird. Die fertig laminierten Carbonteile werden in Folie gepackt, dann werden sie in einem riesigen Backofen, genannt Autoklaven, gebacken. Während des Backvorgangs wird in den Folien ein Unterdruck erzeugt um kleine Luftbläschen aus den Carbonbauteilen zu saugen.
Der Akrapovic Prüfstand ist hart im Nehmen. Bis zu 1.500 PS, auch verteilt auf 4 Räder, kann der Prüfstand im exakt klimatisierten Raum verkraften, messen und verifizieren.
Sowohl bei den Autos als auch bei den Motorrädern gibt es 2 verschiedene Entwicklungsarten. Variante 1: Akrapovic wird mit einem fertigen Produkt (Auto oder Motorrad) konfrontiert. Die Techniker entwickeln dann auf Basis ihrer Erfahrungen einen ersten Prototypen und messen diesen dann am Prüfstand. Danach folgen weitere Verbesserungen bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist.
Variante 2: Akrapovic bekommt einen Auftrag von einem Fahrzeughersteller für ein neues Modell den Auspuff zu entwickeln. Dann muss Akrapovic auf Basis von 3D-CAD Zeichnungen den passenden Auspuff entwickeln. Monate später kommt es dann zum ersten praktischen Test am Prüfstand.
Bei unserem Besuch im Werk wurden leider keine GT3s oder H2 Rs getestet sondern "nur" ein Roller. Doch Akrapovic geht auch hier mit der gleichen Akribie ans Werk wie bei den großen Motorrädern.
Ein wesentliches Qualitätskriterium ist natürlich die Leistungskurve und das Ansprechverhalten. Aber auch die Passgenauigkeit der Anlagen zeichnet Akrapovic aus. Die Motorräder werden in einem aufwendigen Verfahrgen Dreidimensional vermessen.
Was bei Motorrädern schon komplex ist, wird bei Autos richtig aufwendig. Mit dieser 3D-Kamera lassen sich Autos komplett digitalisieren. Das Auto steht dann als 3D Modell im CAD System von Akrapovic zur Verfügung.
Im Labor von Akrapovic werden für Stichproben produzierte Auspuffanlagen vom Fließband genommen, zersägt und penibel geprüft. Schweißnähte kommen unters Mikro und Bauteile werden auf Härte und Zugfestigkeit geprüft.
Woran erkennt man gute Unternehmer? Wenn Sie über Herausforderungen, Probleme und Misserfolge genauso offen sprechen wie über die positiven Meilensteine. Bei Akrapovic ging es seit Jahren nur Bergauf und die Story der Firma ist sagenhaft. Doch beim Gespräch mit 1000PS sprach Igor Akrapovic von sich aus das Thema "Lieferschwierigkeiten 2015" an. Sein Feuer lodert wie bei einem euphorischem Jungunternehmer und er brennt schon richtig darauf das neue Werk voll in Betrieb zu sehen.
In der "Hall of Fame" finden sich einige erfolgreiche Racingprojekte von Akrapovic. Hr. Akrapovic erzählte von intensiven Saison. Am härtesten soll das Jahr 2002 gewesen sein. Damals tobte in der Superbike WM ein spannender Zweikampf zwischen Colin Edwards auf Honda und Troy Bayliss auf Ducati.
Akrapovic lieferte damals insgesamt 48 verschiedene Varianten an Auspuffanlagen für die VTR SP-2 zu Honda. Er erinnert sich auch noch an e-Mails welche am Neujahrstag um 4 Uhr morgens aus der Honda Rennsport Abteilung abgeschickt worden sein. Sein Statement: "Wenn Honda in einer Serie WIRKLICH gewinnen möchte, dann sind sie schier unschlagbar!"
Bravomaxa vom Reitwagen und Marcus Pohl von Akrapovic waren bei der Werksbesichtigung mit dabei. Manche Aggregate waren besonders interessant. Der KTM MotoGP Motor zum Beispiel oder der Aprilia 3-Zylinder.
Lange vertraute Ducati auf einen anderen Auspuffhersteller. Doch seit 2015 setzen auch die Italiener auf Auspuffanlagen aus Slowenien.
Bei Akrapovic betonte man, dass sie niemals ihren Aufkleber auf Motorräder platzieren würden wo nicht ihre Auspuffanlage montiert ist. Man könnte meinen das sei selbstverständlich. Doch es gab und gibt Teams welche zwar Akrapovic einsetzen aber die Sponsorkohle von anderen Herstellern abgreifen. Bei Biaggis RSV4 war jedenfalls alles klar: Akrapovic!
Galerie von: 1000PS Internet GmbH
hochgeladen am 24.09.2015