Motorrad-Checkliste für Offroad-Touren & Reisen
Das brauchst du unbedingt im losen Gelände!
Das Abenteuer ruft nach Dir, doch du hast dich noch nie auf eine Tour abseits der befestigten Wege getraut und weißt nicht, was du für eine erfolgreiche Offroad-Reise brauchst? Dann wird Dir diese Checkliste weiterhelfen!
Bevor wir zur Checkliste kommen, braucht es noch eine schnelle Konkretisierung der Begrifflichkeiten. "Offroad" ist nämlich nicht gleich Offroad! Manche Fahrer sind schon auf breiten, perfekt präparierten Schotterautobahnen "offroad" unterwegs, andere verstehen den Begriff buchstäblicher und sprechen erst von "Offroad", wenn sie sich abseits jeglicher Pfade querfeldein durchs Gemüse schlagen. Beides hat seine Berechtigung, doch ich gehe hier davon aus, dass wenn für dich nur das Verlassen aller Wege zählt, du schon mehrere Offroad-Touren auf dem Kerbholz hast und dich entsprechend auskennst. Dieser Bericht richtet sich eher an Offroad-Neulinge, die sich in leichtes bis mittelschweres Gelände begeben möchten.
Der richtige Motorrad-Reifen für deine Offroad-Tour
Wichtiger noch als potente Fahrwerke, Offroad-spezifisches Zubehör und eigentlich alle anderen Bauteile am Motorrad, ist meiner Meinung nach die Wahl des richtigen Offroad-Reifens. Zumindest leichtes Gelände kann so ziemlich jedes Motorrad befahren, solange es die passenden Pneus aufgezogen hat. Was sind die besten Reifen? Dafür musst du dir selbst zuerst überlegen, welche Arten von Untergrund du unter die Räder bekommen wirst. 90/10-Reifen bieten leichte Offroad-Performance mit gleichzeitig viel Grip am Asphalt. Ab da werden die Pneus immer gröber für den losen Untergrund und laufen dafür aber auch der Straße weniger rund. 50/50 Reifen sind für den gemischten Einsatz entwickelt und bieten viel Offroad-Performance, mit eingeschränkten Fahreigenschaften am Asphalt. Der richtige Schlappen für deinen Einsatzzweck verbessert deine Tour immens und wird dir, gerade wenn du auf losem Untergrund noch nicht sehr sattelfest bist, auch deutlich mehr Selbstsicherheit geben. Aufgrund ihrer Wichtigkeit ist die Reifenwahl fast schon eine eigene Wissenschaft an sich, weshalb sich für einen allgemeinen Übersicht unsere Motorradreifen Empfehlungen anbieten. Wer mehr an den Details und Unterschieden zu verschiedenen Offroad-Reifen interessiert ist, dem empfehle ich die Reiseenduro Reifenempfehlung fürs Gelände von NastyNils.
Speichenfelgen und Reparatur-Set sind ein MUSS auf Offroad-Touren!
Der Reifen ist aber erst der Anfang! Der beste Stollen-Pneu nutzt nur wenig, wenn du ihn auf starre Gussfelgen aufziehst und dir diese dann auf steinigem Untergrund krumm und eckig fährst. Hier spreche ich aus Erfahrung, denn unser 1000PS-Team musste diese schmerzhafte Erkenntnis auf der Bosnia Rally 2023 mit der Harley-Davidson Pan America machen. Selbst für Touren im leichtesten Gelände würde ich nicht auf Gussfelgen vertrauen. Denn ein größere Stein, der dem aufmerksamen Auge entgangen ist, reicht aus und schon sieht die Felge im schlimmsten Fall aus wie Pac-Man. Hat man dann auch noch schlauchlose Reifen aufgezogen, kann man sich schon nach dem nächsten Nottransporter umsehen. Speichenfelgen nehmen auf sie einwirkende Kräfte viel besser auf und verteilen sie auf das ganze Rad, weshalb verbeulte Felgenränder wesentlich seltener auftreten.
Passendes Werkzeug als Lebensretter auf der Motorrad-Offroad-Reise
Selbst bei bester Vorbereitung und den richtigen Reifen und Felgen gehören Reifenpannen bei abenteuerlichen Touren leider dazu. Da man dann tendenziell auf eher abgelegenen Strecken unterwegs ist und Hilfe mitunter auch länger auf sich warten lässt, sollte man als Offroad-Pilot schon selber in der Lage sein, sich um Reifenpannen zu kümmern. Wie man so einen Motorradreifen richtig tauscht, das erfährst du hier. Das Um und Auf beim selbstständigen Schrauben ist ein zum Motorrad passendes Werkzeug. Heutzutage ist bei modernen Motorrädern das Bordwerkzeug meist leider eher dürftig. Gleichzeitig braucht es bei großen Reiseenduros oft außergewöhnliche Dimensionen oder gar Spezialwerkzeug an gewissen Stellen, wie z.B. zum Lösen der Radachsen. Vergewissere dich deshalb unbedingt vor der Reise, dass du für alle relevanten Stellen, wie Radachsen, Kettenspanner, Kupplung, Hebeleien, Luftfilter und Verkleidungsschrauben, auch die passenden Tools mit dabei hast. Auch Ersatzteile, wie ein Reserve-Bremshebel oder Seilzüge für Gas und Kupplung, sind keine schlechte Idee.
Schütze dein Motorrad auf Offroad-Touren
Was leider ebenfalls zum Offroadfahren dazugehört, sind Stürze. Das müssen zwar keine spektakulären Überschläge wie bei der Dakar Rallye sein, doch zumindest Umfaller bei langsamen Geschwindigkeiten oder im Stand sind keine Seltenheit. Damit aus einem harmlosen Hoppala kein teuerer Schaden entsteht, sollte das Motorrad leichte Bodenkontakte wegstecken können. Fährt man robuste Sportenduros oder Dual-Sport-Motorräder, dann ist das schon ab Werk der Fall. Auf größeren, schwereren Maschinen lohnt sich aber die Investition in Schutzmaßnahmen. Eine Motorschutzplatte ist ein Muss, denn nur so können die empfindlichen Krümmer und der Motor effektiv geschützt werden. Zusätzlich würde ich auch noch robuste Handguards, Motorschutzbügel und einen Kühlerschutz verbauen. Große Tankschutzbügel sind auch eine Option und können sich bei Stahltanks mit schönen Lackierungen auszahlen, doch hier beginnt das Dilemma mit dem Fahrzeuggewicht. Je mehr stählerne Sturzbügel das Zweirad zieren, desto schwerer und unhandlicher wird die Maschine im groben Gelände, womit man sich gerade als Anfänger schwer tut. Hier musst du selbst abschätzen, wie anspruchsvoll die Tour wird, wie viel deine Maschine aushält, wie viel Gewicht du durch die Gegend kutschieren möchtest und wie groß die Wahrscheinlichkeit für Bodenkontakte ist.
Fühl dich wohl auf deinem Motorrad - Die richtige Ergonomie
Was verhindert ebenjene Missgeschicke, verbessert die Fahrdynamik und erhöht dein Vertrauen in das Motorrad? Eine korrekte Ergonomie. Auf der Offroad-Tour, auch wenn sie softer ausfällt, willst du das Motorrad stehend steuern. Damit das gelingt, sollte die Geometrie deines Fahrzeugs möglichst gut auf deine Statur abgestimmt sein. Fußrasten gehören vielleicht nach hinten verlegt, der Lenker nach vorne gedreht oder erhöht, die Lenkerarmaturen neu positioniert, oder die Sitzbank verstellt. Die perfekte Adjustierung wirst du sicher erst nach einigen Touren finden, aber auch im Stillstand lässt sich einiges korrigieren. Stehst du neutral am Motorrad, die Knie minimal angewinkelt und greifst mit ausgestreckten, leicht abgewinkelten Ellbögen zum Lenker, sollte sich dein Rücken nicht zu sehr nach vorne Strecken oder krümmen müssen und dein Kopf nicht zu stark im Nacken liegen. Gerade bei längeren Touren ohne technisches Gelände bevorzuge ich eine "touristische" Stehposition, wo ich auf ebener Fläche sehr aufrecht und entspannt bleibe. Die Hardenduro-Stehposition mit tiefem Lenker, aufgestellten Ellbögen und nach vorne geneigtem Oberkörper gibt zwar mehr Kontrolle über das Motorrad, ist aber auf Dauer schon recht anstrengend. Probiere dich durch und finde selbst deinen Sweetspot.
Schütze auch dich selbst - Die richtige Ausrüstung für Offroadfahrten mit dem Motorrad
Nicht nur dein Motorrad sollte im losen Gelände geschützt sein, sondern auch du. Dabei will ich mich weniger über die Schutzausrüstung auslassen, denn hier kann dich jeder professionelle Mitarbeiter eines Bekleidungsgeschäfts besser beraten. Einen einzigen Tipp habe ich für Touren, wo das Wetter auch mal stark variieren kann: Mach es wie Oger - oder Zwiebeln - und nutze viele Schichten.
Was ich auch zu "Selbstschutz" zähle und eigentlich ein banales, dennoch oft vergessenes Thema ist die Selbstversorgung. Ausreichend Wasser und Snacks mitzunehmen ist bei Offroad-Abenteuern ein absolutes Muss. Dehydration und Hunger senken unsere Leistungsfähigkeit dramatisch und am Motorrad im Gemüse ist häufig ein Sturz die Folge. Offroadfahren ist oft auch deutlich energieraubender, als die typische Straßentour und so braucht der Körper noch mehr Zufuhr. Selbst wenn eigentlich eine entspannte Route geplant ist, empfehle ich die Mitnahme von Essen. Sonst geht es dir so wie meinem Kollegen Schaaf und mir, als wir in Nordgriechenland in einem verlassenen Tal stecken blieben, nichts zu futtern mithatten und bis zu unserer Rettung am Folgetag 30 Stunden lang ohne Essen auskommen mussten.
Navigation auf der Offroad-Motorradtour
Du und dein Motorrad sind nun Offroad-ready, doch damit ihr zu zweit auch ans Ziel kommt, braucht es noch ein Navigationssystem. Endlose Möglichkeiten gibt es hier und ob du schlussendlich zur Papierkarte, dem Smartphone, oder High-End-Gerät greifst, hängt von deinen Präferenzen ab. Wirklich wichtig ist aber, dass du mit deiner Art der Navigation gut vertraut bist, vor allem bei Reisen in abgelegene Gebiete. Ich selbst habe schon verschiedenste Methoden probiert, außer der Oldschool-Methode mit Papierkarten. Hier sind verknappt meine Erfahrungen: High-Tech-Navis, wie z.B. das von uns getestete Garmin zumo XT2, bieten eine Vielzahl an Features und Funktionen, die aber nur etwas bringen, wenn man sie auch nutzt. Gleichzeitig muss man sich mit diesen komplexen Geräten wesentlich mehr auseinandersetzen, um sie vollends zu verstehen. Ich baue mir für Offroad-Touren meine Routen über das Programm Garmin Basecamp am Computer selbst, oder ziehe mir GPX-Dateien aus dem Internet. Bei beiden Methoden wird schlussendlich nur eine kleine Routen-Datei an das Navigationsgerät geschickt. Um dem rosa Strich zu folgen, brauche ich keine hunderten Zusatzfunktionen, weshalb ich wieder auf kleinere, simplere Navis umgestiegen bin. In Abwesenheit eines riesigen, hochauflösenden Displays hält auf den kleinen Geräten auch der Akku wesentlich länger und es gibt weniger Kompatibilitätsprobleme zwischen Navi und Computer, als bei den modernen Software-Versionen der Top-Navis. Für detailliertes Kartenmaterial nutze ich meist die kostenlosen Karten von OpenTopoMaps. Mit dem Smartphone navigiere ich per Quadlock-Moto-Halterung eigentlich nur auf kurzen Strecken und in der Stadt. Offroad gibt es mit Steinschlägen, übermäßigem Staub, Stürzen und starken Vibrationen für meinen Geschmack zu viele Risikoquellen für mein Haupthandy. Manche Piloten haben ein eigenes Navigations-Smartphone, das dann auch etwas in Mitleidenschaft gezogen werden darf, doch bis dato vertraue ich lieber auf dezidierte Navigationsgeräte.
Checkliste für Offroad-Abenteuer mit dem Motorrad
Mit dieser allgemeinen Checkliste solltest du die wichtigsten Bereiche abgedeckt haben, wobei es natürlich noch eine Unzahl an weiteren Tipps und nützlichen Dingen gibt. Das persönliche Gepäck habe ich komplett ausgelassen, auch die Offroad-taugliche Modifikation des Motorrads kann Bücher füllen und es gibt zahlreiche kleine Gadgets und Zubehör, die dir das Leben im losen Gelände leichter machen können. Ab einem gewissen Punkt gilt "Learning by doing", also nur keine Scheu und ab ins Abenteuer!