Bridgestone BT020 Test in Sardinien
Bridgestone hat den erfolgreichen BT020 nochmal verbessert und nennt den Reifen jetzt BT-020 NT (NT steht für New Technology). Ich kann mich noch genau an die Naked-Bike und Sporttourer Reifen vor 5-6 Jahren erinnern. Das waren damals doch immer so steinharte Gummibrocken die null Grip hatten, und die den Sporttourer immer in einen Harakiri Tourer verwandelten. Doch dann kam der BT 020 von Bridgestone. 8.000 Kilometer und mehr mit Reifen welche echt guten Grip bieten. Das nenne ich Fortschritt. Die alten Bikerhaudegen haben mir damals erklärt solchen Grip hattest weitere 2-3 Jahre zuvor nur mit Racing-Slicks. Echt irre wie da die Entwicklung weitergeht. Und wie man sieht legen sich die Entwickler nicht auf die Faule haut, sondern forschen und verbessern ständig weiter. Sehr brav. |
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Beim ersten
Briefing in Sardinien bekommen die anwesenden Journalisten von den
Bridgestone Leuten harte Fakten auf die Leinwand projiziert. Die wichtigsten
Eckdaten der Unterweisung: Key Features New BT020
Gut zu wissen. Soweit ich gesehen habe führt die Teststrecke morgen auch über ein Autobahnstück. Dort werde ich die verbesserte Stabilität (Punkt 1) zu schätzen wissen. Der verbesserte Grip (Punkt 2) sowie verbessertes Handling (Punkt 3) werden sich in den winkeligen Küstenstraßen von Sardinien sicherlich nicht negativ auswirken. Die erhöhte Kilometerlaufleistung ist mir auf Testmotorrädern ehrlich gesagt herzlich egal, ich freue mich aber wenn hier Kosten gespart werden können. Besonders amüsant fand ich dann die Zwischenfrage des griechischen Kollegen bei der Routenbesprechung für die morgige Tour. "Was bedeuten diese AMBULANCE - Hinweise auf der Tourenkarte", wollte er wissen. Diese Frage wurde mit lautem Gelächter, besonders aus der Ecke der italienischen Testfahrer beantwortet. |
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Der schwierige Beginn des Reifentests stellt die Wahl der geeigneten Waffe dar. Gilt es doch den Brückensteiner Harry ordentlich herzubrennen und den anwesenden Japanern von Bridgestone zu zeigen, dass NastyNils sehr wohl die Grenzen des neuen Wunderreifens aufzeigen kann. Mal sehen was hier so alles zur Auswahl steht. Kawa ZRX Kettenhund, Honda VFR, Fazer 1000, Monster 1000, Bandit 1200, Triumph Sprint, Ducati ST4 und ST4S. Jetzt habe ich die Qual der Wahl. Im Geiste blättere ich den 1000PS-Motorradkatalog durch und suche das stärkste Bike. Die Wahl fällt somit vorerst auf die Fazer 1000. 143 PS sollten reichen um für Furore zu sorgen und den Reifen ordentlich in die Knie zu zwingen. |
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Die ersten Kilometer begannen etwas vorsichtig. Harry auf der Monster 1000, der Grungeman vom Reitwagen auf dem Kettenhund und ich auf der Fazer zückeln durch die ersten Kurven nach dem Hotel. Doch dann erscheint die erste lange Gerade vor dem Visier. Der Gasgriff der Fazer wird in Position gebracht und das Getriebe wird von 1-6 durchgeschalten. Sehr fein. Ein Blick in den Rückspiegel lässt noch in winzigen Details den Hrn. Brückensteiner in erbärmlich kauernder Position auf der Monster erkennen. 1:0 für mich. Zum Thema Hochgeschwindigkeitsstabilität vom BT020 kann ich an dieser Stelle zumindest nix negatives anmerken. Meine Aufmerksamkeit galt in diesem Moment nämlich dem plötzlich erscheinenden 3-Rad-Mopperl das mit einem 40er aus dem Feldweg biegt. Somit hätten wir ein Bremstest auch hinter uns gebracht. Bestnote für Bremse und Reifen. |
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Die lange Gerade verwandelt sich plötzlich in äußerst selektives Winkelwerk. Mir kommt vor hier, hat ein Kommissär vom Skiverband einen Slalomhang in die wunderschöne Landschaft von Sardinien gesteckt. Die Kurven nehmen einfach kein Ende. Flotte Links-Rechts Kombinationen. Dann wieder lange Rechts Kurven gefolgt von einem engen Linksknick. Herrlich. Bei all der Euphorie über Grip und Kurven hab ich ganz auf den Rückspiegel vergessen. Der Brückensteiner klebt mit seiner Monster 1000 ganz grausam nah am Hinterrad und macht unangenehmen Druck von hinten. Das darf doch nicht wahr sein. Aus dem rechtschaffenen Bürger Hr. Harald Brückensteiner wurde ein unglaublicher Gasgriffmelker der hier allen Ernstes zum Überholen ansetzt. Und trotz eifriger Gegenwehr hat er die quirlige Monster auf den Auspuff gesetzt und unter leicht metallischen Quietschen an mir vorbeimanövriert. Welch erbärmliche Niederlage. Zum Thema BT020 Grip kann ich dem Prospekterl nur Recht geben. Der Reifen verdient den Namen SPORT-Tourer zu Recht. |
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Ich suchte die
Fehler natürlich sofort am Motorrad und kam zu der Ansicht in dem engen
Winkelwerk muß ich sofort auf die Monster 1000 umsteigen. Dann kann ich die
von Gott gewollte Reihung der Fahrer sicherlich wieder herstellen. Ich hatte Recht. Die Monster 1000 fühlte sich auf dem sardinischen Asphalt sehr wohl. Das Motorrad fährt sich hier handlich wie ein Moped und ich kann mit meiner schlampigen Fahrweise auch ungestüm in die Kurve reinbremsen. Der Vorderreifen bewegt sich steht's auf der sicheren Seite und ich hab sofort Vertrauen gefunden. |
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Tolle Führung und
guter Grip auch beim harten Bremsen in die Kurve rein bietet der neue
Battlax. Beim frühen Rausbeschleunigen gibt es aber keine spektakulären
Slides. Im beherzten NastyNils Fahrstil ist leider nur stabiles,
kontrolliertes rausbeschleunigen aus den Ecken möglich. Das liegt entweder
an meiner zu lahmen Gashand oder an dieser 3D-CTDM Technik von Bridgestone. Hier fühlten sich die japanischen Entwickler wohl ganz in ihrem Element und haben tüchtig am Supercomputer gewerkt. Heraus kam eine in 3D entwickelte Kontur die bei hohen Schräglagen (also in meinem Fall einmal alle 300km) eine zum alten BT020 wesentlich vergrößerte Auflagefläche bewirkt. |
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In meinen Augen ist es bei Reifentests sehr wichtig, einen klitzekleinen Burn-Out hinzulegen. Bridgestone zahlt die Rechnung und ich bin in dieser Hinsicht ein echter Gummi-Fetischist. Wer liebt ihn nicht - den Geruch nach verbrannten Gummi der unter dem mächtig donnernden Motorrad hervorquillt. Herrlich. Die anwesenden Ingenieure fanden solche aufopfernde Feldversuche natürlich nicht so toll. Ich mach das doch nur im Dienste der Wissenschaft. Kann ja sein, dass der neue Reifen in Sachen Burn-Out Performance zu wünschen übrig lässt. Da muß man um alle Bedenken zu verwerfen, wohl oder übel den Reifen mal kurz wimmern lassen. |
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Nach der kurzen Burn-Out Pause gab es noch ein heftiges Handgemenge um die Monster 1000. Dieses Motorrad war für uns alle im Winkelwerk der Insel die beste Wahl. Da ich als Verlierer herausging und auf keinen Fall die schwere Bayrische erben wollte stieg ich freiwillig wieder auf die Fazer 1000 um. Es galt dann auf den wenigen längeren Geraden die Meter gut zu machen die ich in den zahlreichen Kurven auf Harry mit der Monster verliere. Bridgestone verspricht beim neuen BT020 NT auch deutlich verbesserten Wet-Grip. Ich hatte zum Glück keine Möglichkeit diesen Reifen auf nasser Fahrbahn zu testen, aber der "Shit-Grip" war ausgezeichnet. Auf einigen Streckenabschnitten verwandelten die blökenden Schafherden die Fahrbahn in eine Fäkalien-Sonderprüfung. Ich hab selten so laut "SCHIIIITTT" in den Helm gebrüllt, wie bei der recht flotten Linkskurve mit plötzlich auftauchenden braunen Fleck von den wolligen Biestern. Zum Glück hatte der Reifen immer noch mehr Reserven als ich und konnte bei NastyNils Schräglagen-Maximum noch weiter umlegen. Das gab mir sehr zu denken. Da liegen scheinbar massiv ungenützte Schräglagen Reserven brach. |
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Die Mittagsrast an der herrlichen Küste war eine willkommene Gasgriffpause. Bisher ist mir die herrliche Landschaft noch gar nicht aufgefallen. Diese Insel scheint vom Gott der Motorradfahrer in das Mittelmeer gesetzt worden zu sein. Sehr aufmerksam beobachtete ich das Mittagsmahl vom Brückensteiner. Während ich mich in Enthaltsamkeit übte und 2 Gänge ausließ hat er bei allen Tellern mit Wohllust zugriffen. Tintenfischringe, Garnelen, Pasta, Reis, Salat und wieder Tintenfischringe zauberten ein zufriedenes Lächeln in sein Gesicht und ein hämisches Grinsen in meines. Die nächste Kurve kommt bestimmt und beim Anbremsen wird er die Tintenfischringerl aus seinem Visier kratzen können. Ich freute mich schon auf die Wahl der Waffen und musste wieder mal grindiges Gerangel um die Monster erkennen. Ich jedoch hab hoch gepokert und auf die doch recht sportliche VFR 800 gesetzt. Mal sehen ob ich da im Winkelwerk ein Leiberl gegen Hrn. Brückensteiner auf der Ducati ST4 habe. |
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Das nun kommende
Winkelwerk stellte in Sachen Kurven alles bisherige in den Schatten. 1
Stunde lang nix als Kurven. Es folgte ein "Vorsicht 2km kurvenreiche
Strasse"- Schild dem nächsten. Die hätten gleich ein "90km kurvenreiche
Strasse"-Schild montieren können. Auch auf der VFR zeigten sich die
Bridgestone Pneus von ihrer besten Seite. Sehr handlich zu fahren und Grip
ohne Ende waren auf dieser Sektion der Tour besonders wichtig. Der Reifen
ist auch bei nicht ganz so perfekter Strasse ein stabiler und ruhiger
Begleiter. Da wird dem Fahrwerk scheinbar schon viel Arbeit abgenommen. Der
Druck vom Brückensteiner im Nacken machte leider auch schweres Andrücken in
bucklerten Kurven notwendig. War aber trotz verbissenen und schlampigen
Fahrstils kein Problem.
Der neue Bridgestone Pneu verfügt über einen Mono Spiral Stahlgürtel der gegenüber einem herkömmlichen Multi-Cross Gürtel wesentlich leichter ist. Diese Bauweise minimiert auch Hitzeentwicklung innerhalb des Reifens und gewährleistet eine hohe Eigendämpfung. |
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Der Stahlcord
wiederum besteht aus 5 einzelnen Stahlfäden die in einem Gummimantel
eingeschlossen sind. Diese Konstruktion verhindert die Oxidation des
Stahlcords und macht den Stahlgürtel wesentlich flexibler.
Doch all die guten technischen Errungenschaften des Reifens reichten nicht aus um die Tintenfischringe in Harrys Magen in Zaum zu halten. Das harte Ankern in die Kurve forderte Tribut, und der Brückensteiner wimmerte mit grünlichem Touch im Gesicht um eine etwas gemächlichere Fahrweise zurück ins Hotel. |
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Wenn die Kilometerlaufleistung vom neuen Battlax zumindest gleich gut geblieben ist, können BT020 Fahrer zufrieden sein. Laut Prospekt wurde die Kilometerleistung des Reifens sogar noch weiter gesteigert. Sind echte Streber diese Bridgestone Ingenieure. Das sind diese Sorte Typen, welche in der Schule immer in der ersten Reihe gesessen sind. Sie wollten nicht nur einen Einser haben, nein es war Punktemaximum notwendig, um zufrieden die Arbeit entgegen zu nehmen. Überflüssig zu erwähnen, dass diese Art von Streber in der Schule den Test auch immer als erstes abgegeben haben. Genau solche Typen entwickeln nun Reifen. Die Reifen müssen mehr Grip bieten, Handling muß verbessert werden, Hochgeschwindigkeits-Stabilität muß auch noch bei Geschwindigkeiten gegeben sein, in die normale Schönwetterfahrer höchstens im Falle eines Klippensturzes vorstoßen. Das ganze ist dann noch mit höherer Kilometerleistung garniert und in 2-3 Jahren ist diese Art von Reifen wieder altes Klumpert. Dann kommt nämlich die nächste Entwicklung. Noch besser, noch ausgereifter. Römisch Eins. Setzen. |
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Ich habe den Reifen auf einer 1000er Fazer, einer 1000er Monster, einer Ducati ST4 und einer VFR 800 ausprobiert. Hat überall gepasst. Also ich würde sagen der Reifen deckt den ganzen Bereich Naked Bike, Sporttourer und teilweise auch Supersport perfekt ab. Die italienischen Kollegen nahmen sich eine R1150 GS zur Brust und haben ganz normal die Alu-Möpse angestreift. Scheinbar funktioniert der Reifen auch auf den ganz schweren Tourern. Mit der 12er Bandit hat ein italienischer Schreiberling dann aber übetrieben. Gabelbruch und Milzriss waren die Folge. Kerzengerade in die Pampa bestraften den Übermut des Kollegen. Gute Besserungen an dieser Stelle. |
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Der neue
Bridgestone Battlax BT020 ist in folgenden Dimensionen erhältlich:
Den passenden Reifenhändler findet man auf der Bridgestone Webseite. Dort finden sich unter Händler die Liste der Bridgestone Bikers Friend's. Das sind Leute die den Reifen fachgerecht montieren und die Bedeutung des Grips zu schätzen wissen. |
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Allen reiselustigen Bikern kann ich den Süden Sardiniens sehr ans Herz legen. Die Strassen sind meistens in bester Verfassung. Extrem wenig Verkehr bei mächtig vielen Kurven machen echt glücklich. Muß man gesehen haben |
Bericht vom 28.04.2003 | 17.536 Aufrufe