Aprilia SXV 450
APRILIA SXV 450 |
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Zweizylinder sind in. Seit KTM den
eierlegenden Wollmilchsau-Motor LC8 herausgebracht hat, sind Dinge möglich
über die wir vor einigen Jahren noch milde gelächelt hätten. Hardenduros und
Supermotos müssen jetzt nicht mehr mit einem mageren Zylinder ihr Leben
fristen, sie schöpfen jetzt volle Kraft aus zwei Brennräumen. Konkurrenz
haben die Orangen in dem Sektor bisher genau 0. Wir befinden uns im Jahr 2006 n. Chr.
Die ganze Zweizylinder-Supermotowelt ist von den Mattighofenern besetzt. Die
ganze? Nein, ausgerechnet aus Italien kommt Widerstand gegen die orange 950
SM. Mit einem komplett anderen Konzept erweitert die Aprilia SXV 450 die
Supermoto-Zweizylinderklasse und es wird sofort klar, wie todernst sies
auf der Rennstrecke meint. Mit fahrfertigen 131kg, ultraschlanker Statur und
bärenstarkem V2 ist sie für die schnellen Kartstrecken dieses Universums
quasi geboren. Von der Optik darf ich erst gar nicht anfangen zu schreiben
so aufregend, kompromisslos, ungewöhnlich und grandios ist sie. |
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Wäre die SXV nicht so mächtig gut zu
fahren, ich hätte sie mir am liebsten ins Wohnzimmer zwischen offenen Kamin
und Diwan gestellt. An den Stahl-/Aluminium Rahmen möchte ich mich in heißen
Sommernächten kuscheln und die einzigartigen Mini-Sidepipes unterm
Heckkotflügel haben mehr erotische Anziehung wie Angelina Jolie, Jessica
Simpson und JLo zusammen. |
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Für den SXV-Test brauchen wir nen brutalen Schinder. Um 9985 Euronen muss sie sogar dich überleben. Vernichte auf der Piste jeden, der dir vors Vorderrad kommt. Und leg dich nicht auf dabei. Hätte Nils meine vor allem im letzten Punkt für mich fast unmögliche - Mission nicht so eindeutig definiert, ich wäre mit der SXV für einen romantischen Urlaub nach Nizza abgeposcht. Stattdessen glühe ich mit ihr frühmorgens in Richtung Pannonien. Okay, es gibt vielleicht Kartstrecken wie Greinbach, die dem 55PS-Motor mehr entgegenkommen. Aber die Aussicht auf eine hausgemachte Krautsuppe und Schomlauer Nockerln zieht mich immer magisch in Richtung aufgehender Sonne. Schon kurz nach dem Druck auf den E-Starter schießt mir ein Wort durch den Kopf: Mörderisch! Mit dem kernigem Sound eines zu schnell laufenden Presslufthammers brüllt der Löwe auf der Seitenverkleidung seine Angriffslust in den Äther. Aber es kommt noch besser: Bei jedem Umnieten nach dem Kurvenscheitel schiebt das Herz der SXV mit infernalischem Sound unaufhaltsam und brutal nach vorne. Die Geraden werden schneller gefressen als die Tapas bei den Pressebuffets von NastyNils und das heißt was! Wenn der digitale Multifunktionstacho
6000 Umdrehungen anzeigt, heißt es festhalten bis die Fingergelenke weiß
hervortreten und aus dem tränenden Augenwinkel eine fünfstellige Drehzahl zu
erkennen ist. |
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Unvorstellbar, wie die SXV 450 mit optionalem Racing-Auspuff (und dann 60
PS) durch Raum und Zeit schießen muss übers Schwestermodell mit 550 Kubik
will ich da erst gar nicht nachdenken. |
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Einige Runden Eingewöhnungszeit verlangt die elektronische Einspritzung. Man braucht ein sensibles Händchen und eine saubere Kurventechnik, um immer schön flüssig um die Radien zu kommen sonst rächt sich der italienische Löwe mit mahnendem Schieberuckeln. Ich bin ungefähr so feinfühlig wie ein Elefant zur Brunftzeit und Linien finde ich gerade mal auf kariertem Papier - man kann sich mein anfängliches Herumhoppeln vorstellen… Wie erwartet kommt die SXV 450 in pannonischen Kartgefilden streckenbedingt nur selten in den brutalen Drehzahlbereich, aber auch ohne Herumorgeln zieht sie flott ihre Bahn. Die Sitzposition ist bequem, dank der schmalen aber trotzdem nicht Potenz schädigenden - Sitzbank hat man die Aprilia SXV auch in haarigen Situationen bestens unter Kontrolle. Das Fahrwerk ist hart aber gerecht und bietet selbst versierten Driftern noch genug Reserven. Dazu trägt auch der breite 180er Hinterreifen bei wendiger wird die ohnehin eher für schnelle, weite Kurse ausgelegte Aprilia durch den Dunlop D208 aber auch nicht gerade. Man hat zwar keine gröberen Probleme beim Ecken kratzen, hat aber immer das Gefühl mit einem Einzylinder schon mal schneller und schräger durch den Radius gepfiffen zu sein. Eine absolute Wucht ist die 32cm-Vierkolbenbremse an der Front. In meiner morgendlichen Trance wäre ich bei der ersten roten Ampel fast mit einem eleganten Handstand über den Lenker gegangen, so irre beißen die Beläge in die Eisenscheibe. Hat man sich daran gewöhnt, will man keinen softeren Anker mehr. Fazit: Ein von Gott gesandtes Eisen
mit hohem Spaß- und astronomischem Stylefaktor. Das Potenzial und das breite
Drehzahlband des Zweizylinders können Hobby-Supermotisti wie ich zwar nicht
einmal ansatzweise ausnutzen es schadet aber auch nicht. Und vor dem
Eissalon macht die Aprilia SXV 450 so oder so Eindruck. Eines ist sie aber
bestimmt nicht: gemütliche Straßensupermoto für die Runde nach Feierabend.
Dazu hat sie zu viele racingorientierte Löwen-Gene in sich und jagt damit in
einem komplett anderen Revier als die KTM 950 Supermoto. |
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Bericht vom 04.07.2006 | 71.274 Aufrufe