Rallye Dakar 2024 - Halbzeit beim knallharten Abenteuer

Monsteretappe: Zwei Tage Vollgas ohne Unterstützung!

Es war die Rally Dakar 2024 bisher alles andere als ein Honigschlecken und es ist keinesfalls zu erwarten, dass sie nach dem Ruhetag am Samstag auch wirklich ruhig weitergehen wird. Dennoch ist die sechste Etappe, die sich über 48 Stunden von Donnerstag auf Freitag erstreckt, mit einer Sonderprüfung über unfassbare 626 Kilometer als einer der Höhepunkte anzusehen!

von vauli am 12.01.2024

Etappe 5 - die Ruhe vor dem Sturm?

Wer dachte, dass die 5. Etappe nur eine einfache Übung vor der Marathon-Etappe über 48 Stunden von Donnerstag auf Freitag wäre, hat sich gewaltig geschnitten. Denn vor allem unter den Top-Fahrern ist das Niveau extrem dicht und daher hat kein einziger Fahrer die Option, gemütlich auf Sicherheit zu fahren. Dementsprechend knapp fallen die Zeiten beim ersten Checkpoint nach 39 Kilometern aus. Der als erster gestartete Spanier Nacho Cornejo auf Honda führt zwar, die besseren Zeiten fahren dahinter aber der Amerikaner Ricky Brabec auf seiner Honda, der Argentinier Luciano Benavides auf Husquarna, der Franzose Adrien van Beveren auf Honda, der Spanier Joan Barreda und Ross Branch aus Botswana auf ihren indischen Hero-Rallybikes - wobei zwischen Brabec und Branch gerade mal 43 Sekunden verstreichen. Doch auch der Australier Toby Price auf seiner KTM und der Chilene Pablo Quintanilla auf seiner Honda liefern niedrige Zeiten ab und fahren auf siegfähigem Level. Am Ende geht der Tagessieg an Quintanilla vor van Beveren, beide auf Honda, und Toby Price auf der besten KTM. Im Gesamtklassement übernimmt wieder Ross Branch (Hero) die Führung vor Nacho Cornejo (Honda), Ricky Brabec (Honda), Adrien van Beveren (Honda) und Kevin Benavides (KTM). Erfreuliche Neuigkeiten gibt es wieder vom Österreicher Tobis Ebster zu berichten, durch den Sieg der 5. Etappe in der Original by Motul-Klasse verbessert er sich auf den 26. Gesamtrang.

Etappe 6 - alles neu bei der Dakar!

Härteste Rallye der Welt hin oder her, für noch mehr Spannung bei der heurigen Ausgabe der Dakar ließen sich die Verantwortlichen etwas ganz Besonderes einfallen: Bei der 6. Etappe müssen alle Piloten ohne Support zwischen den Etappen durchkommen, also 48 Stunden ohne Unterstützung und acht Stunden die Konzentration auf Anschlag! Deadline ist am Donnerstag um 16 Uhr, um diese Zeit müssen alle Fahrer das nächstgelegene Biwak ansteuern, um die Nacht dort zu verbringen. Schon das Startprozedere deutet auf die Besonderheit dieser 48 Stunden-Tortur hin, die Top-Fahrer werden nämlich in umgekehrter Reihenfolge auf die Strecke geschickt - als erster geht also Joan Barreda, der am Vortag zwei Stürze verkraften musste, ins Rennen. Erst als 15. müssen Toby Price, als 16. Adrien van Beveren und als 17. der Vortagessieger Pablo Quintanilla auf die Piste.

Drama bei der Dakar 2024 - eine Lapalie beendet Quintanillas Rennen!

Dass es nicht von Vorteil ist, als Erster zu starten, muss Joan Barreda auch schon sehr bald spüren, bei der ersten Zwischenstation hat der Spanier bereits 6 Minuten verloren, obwohl er 56 Sekunden Bonuszeit angesammelt hat. Weit besser läuft es da schon für Ricky Brabec, der aktuell die beste Zeit fährt, für Adrien van Beveren, der ihm dicht auf den Fersen ist und für Pablo Quintanilla als der Pilot mit der drittbesten Zeit. Quintanillas Glück nimmt aber nach knapp 200 Kilometern ein jähes Ende - nur 10 Kilometer vor dem folgenden Tankstopp geht ihm der Sprit aus! Die besondere Herausforderung dieser 6. Etappe ist es nämlich, alle Bedingungen in den weichen und schwierig zu befahrenden Sanddünen richtig zu bewerten, um den passenden Kompromiss zwischen Angreifen und Abwarten zu finden, damit eben auch genügend Sprit bis zum nächsten Tankstopp übrig bleibt. Quintanilla bekommt nach über einer Stunde zwar wieder Treibstoff, die Chancen auf einen Sieg der Dakar 2024 scheinen aber ausgeträumt. Natürlich besonders ärgerlich, wenn es nicht einmal ein Defekt ist, sondern eine Lapalie wie ein paar Tropfen Treibstoff.

12 Fahrer schaffen es zum Biwak bei Kilometer 513

Nach etwas mehr als 300 Kilometern führt immer noch Brabec knapp 20 Sekunden vor van Beveren, Dritter ist mit mehr als 2 Minuten und 30 Sekunden Rückstand Toby Price. Am zweiten Tankstopp, nach fast 400 km der Sonderetappe, zeigt aber Adrien van Beveren mit der besten Zeit auf und liegt 12 Sekunden vor Ricky Brabec. Toby Price rangiert weiterhin auf dem dritten Platz, mehr als 1 Minute und 30 Sekunden vor seinem Landsmann Daniel Sanders. Der zweite Tankstopp bietet den Fahrern auch die Gelegenheit, die 6. Etappe ein wenig zu analysieren - laut Luciano Benavides ist es eine vor allem körperlich sehr anspruchsvolle Etappe. Wie bereits erwähnt ist um 16 Uhr Feierabend und die Fahrer müssen ein Biwak ansteuern. Den Wegpunkt E haben die 12 Faher Luciano und Kevin Benavides, Nacho Cornejo, Adrien Van Beveren, Toby Price, Joan Barreda, Ross Branch, Ricky Brabec, Štefan Svitko, Daniel Sanders, Antonio Maio und Martin Michek passiert, weshalb sie die einzigen Fahrer sind, für die es am Folgetag von Biwak F aus nach 513 km weiter geht. Im Gesamtklassement übernimmt nun Brabec die Führung vor Ross Branch.

Der zweite Tag der Monsteretappe - ein Kinderspiel?

Die Behauptung, der zweite Teil der Monsteretappe am Freitag über nur 112 Kilometer sei ein Kinderspiel, wäre für jeden Unbeteiligten wohl vermessen, für die Top-Piloten bei der Dakar 2024 ist sie aber tatsächlich keine Hexerei und es gibt auch keine großen Überraschungen. Adrien van Beveren hat beim letzten Checkpoint vor dem Ziel nach insgesamt 556 Kilometern immer noch die Führung inne, 2 Minuten und 45 Sekunden vor Ricky Brabec und Toby Price. Gesamt liegt aber immer noch Brabec vor Ross Branch und Nacho Cornejo. Van Beveren kann seinen Vorsprung schließlich bis ins Ziel halten und siegt vor Toby Price, Ricky Brabec, Daniel Sanders, Ross Branch, Luciano und Kevin Benavides, Stefan Svitko sowie Nacho Cornejo. Falls sich nun jemand wundert, warum ich Pablo Quintanilla nicht erwähnt habe - den Chilenen ereilt leider ein weiterer, glücklicherweise nicht verletzungsbedingter Ausfall. Quintanilla hatte bereits am Vortag mit technischen Problemen an seiner Honda zu kämpfen und brachte die Maschine am heutigen Tag nicht mehr in Schwung. Das Gesamtklassement sieht also vor dem wohlverdienten Ruhetag den Amerikaner Ricky Brabec auf Honda vor dem Hero-Piloten Ross Branch aus Botswana, dem Sieger der 6. Etappe, Adrien van Beveren aus Frankreich auf Honda, dem Spanier Nacho Cornejo ebenfalls auf Honda, Toby Price auf KTM, Kevin Benavides auch auf KTM und Daniel Sanders auf Gasgas. Äußerst erfreulich läuft die Dakar 2024 nach wie vor auch für Tobias Ebster, der Zillertaler liegt nach der anspruchsvollen 6. Etappe auf dem respektablen 21. Platz der Gesamtwertung! Nach der eintägigen Erholungspause morgen Samstag geht es am Sonntag spannend weiter mit der 7. Etappe.

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