Royal Enfield Bullet 500 (2009 bis 2020) Gebrauchtberatung

Das Retro Bike im Gebraucht Check

Die Royal Enfield Bullet 500 ist ein Klassiker mit nostalgischem Charme und einfachem Einzylinder-Motor. Doch lohnt sie sich als Gebrauchtkauf? Wir zeigen Stärken, Schwächen und worauf Käufer achten sollten.

Historie der Royal Enfield Bullet 500

Die Royal Enfield Bullet 500 ist eines der ältesten, kontinuierlich produzierten Motorradmodelle der Welt. Ihre Wurzeln reichen bis in die 1930er-Jahre zurück, wir fokussieren uns jedoch auf die letzten Baureihen ab 2009, da diese am deutschsprachigen Markt am häufigsten vertreten sind. Mit der Einführung des Unit Construction Engine (UCE) im Jahr 2009 leitete Royal Enfield eine neue Ära für die Bullet 500 ein. Während frühere Modelle mit separatem Getriebegehäuse und Vergaser betrieben wurden, brachte die UCE-Generation eine modernere Konstruktion, die dennoch den klassischen Charakter des Motorrads bewahrte. Die simple Konstruktion, die luftgekühlte Technik und die minimalistische Elektronik machten sie zu einer der letzten echten Old-School-Motorräder auf dem Markt. Die Produktion lief bis zum Jahr 2020, ehe die Euro-5-Vorschriften das Ende der Maschine besiegelten und sich Royal Enfield auf die Zweizylinder Modelle Interceptor 650 und Continental GT konzentrierte.

Royal Enfield Bullet 500 Modellvarianten

Die Bullet 500 wurde in mehreren Varianten angeboten, die sich hauptsächlich durch Optik und Ausstattung unterschieden. Die Bullet 500 Standard, die von 2009 bis 2020 produziert wurde, war die schlichteste und ursprünglichste Version. Sie kam in klassischen Lackierungen wie Schwarz, Grün oder Silber und verzichtete auf überflüssigen Schnickschnack. Die Umstellung auf ABS und eine hintere Scheibenbremse erfolgte erst 2018.

Eine der beliebtesten Varianten war die Bullet 500 Classic, die einen stärkeren Retro-Look bot. Besonders die Modelle mit Chromtank (Classic Chrome) oder die Militär-inspirierten Versionen wie Battle Green oder Desert Storm erfreuten sich großer Beliebtheit. Später folgte auch die Stealth Black, die mit mattschwarzem Tank und schwarzen Motordeckeln eine modernere Optik mit klassischer Technik kombinierte. Technisch entsprach die Classic-Variante der Standard-Bullet, bot aber teilweise eine andere Sitzbank und mehr optische Details.

Eine Sonderrolle nahm die Bullet 500 Trials (20192020) ein. Inspiriert von den Royal Enfield Trial-Bikes der 1950er-Jahre, hatte dieses Modell einen hochgelegten Auspuff, Stollenreifen und eine verstärkte Kotflügelhalterung, um leichten Offroad-Einsatz zu ermöglichen. Die Trials-Version wurde jedoch nur kurz produziert und ist heute eine echte Rarität auf dem Gebrauchtmarkt.

Produkttipps

Gebrauchtpreise und aktuelle Marktlage

Den großen kommerziellen Erfolg feierte Royal Enfield in Europa erst mit der Einführung der 650er Twins und den Himalayan Modellen. Dafür fristete die Marke noch eher ein Nischendasein auf unserem Markt. Dementsprechend selten sind jene Exemplare vor der Zeit des Erfolgs. Das gilt auch für die Bullet 500, von der nur eine erlesene Auswahl am Gebrauchtmarkt erhältlich ist. Aktuelle Durchschnittspreise lauten wie folgt:

LandPreis
DeutschlandAb 2.995 €
ÖsterreichAb 3.990 €
SchweizAb 4.900 CHF

Durchschnittspreis zum Stand März 2025

Stets aktuelle Durchschnittspreise findet ihr hier: Royal Enfield Bullet 500 Preise.

Interview mit Experten von DeusMoto

Für die Expertise zu den wahren Problemen der Royal Enfield Bullet 500 sprechen wir mit Benjamin Zehner, Mechaniker bei der Werkstatt DeusMoto. Hier wird nicht nur mit mehreren Marken gehandelt, die Werkstatt ist im Osten Österreichs auch für das umfassende Wissen für Umbauten, Restaurierungen und Oldtimer bekannt.

Benjamin 'Benni' Zehner - unser Ansprechpartner und Experte.
Benjamin 'Benni' Zehner - unser Ansprechpartner und Experte.

Wie sieht es denn mit der Bullet 500 aus? Ist das Motorrad zuverlässig, kann man sowas noch kaufen?

Bei denen hast du kürzere Serviceintervalle, da musst du alle 6.000 Kilometer einen Service machen. Würde ich auch empfehlen, weil da kommen jedes Mal ordentliche Späne raus. Beim Gebrauchtkauf muss man auf jeden Fall auch in den Tank schauen, weil die Tanks rosten extrem gerne. Die sind nämlich nicht beschichtet und gerade wenn das Motorrad längere Zeit mit halb vollem Tank rumsteht, rostet die andere Hälfte dann gerne von innen durch.

Und das hat dann wahrscheinlich Folgen für die Kraftstoffversorgung?

Genau. Die haben dann oft das Problem, dass die Benzinpumpe kaputt geht. Da ist es dann meistens besser, gleich einen neuen Tank zu kaufen, weil der Rost sich komplett ausbreitet. Aber die Tanks gibt es noch von Enfield zu kaufen und kosten etwa 300 Euro.

Das heißt, selbst für das ältere Modell hat KSR noch Teile?

Ja, von den älteren Modellen gibt es noch einiges, aber bei bestimmten Farben wird es schon schwierig. Ein Kabelstrang ist zum Beispiel noch erhältlich, wir haben erst kürzlich einen für einen Kunden besorgt. Aber es wird halt auch schon schwieriger. Die Ersatzteilversorgung wird schlechter.

Kann man an der Bullet 500 viel selbst schrauben oder ist das zu schwierig?

Der Ölwechsel ist komplizierter als bei anderen Modellen.

Wieso?

Du hast drei Ablassschrauben, dann musst du aufpassen, wo du das Öl einfüllst. Und mit der Ölmenge musst du auch genau vorgehen, weil das Motorrad so eine Art Semi-Trockensumpfschmierung hat. Da musst du wissen, wie viel Öl du wirklich nachfüllst. Vielleicht auch mal Probefahren und dann noch einmal den Ölstand kontrollieren.

Also lieber zum Experten bringen?

Ja. Aber der Vorteil ist, dass du bei diesen Modellen keine Ventile einstellen musst, weil sie hydraulische Ventilstößel haben. Das heißt, du musst einfach nur alle 6.000 Kilometer den Ölwechsel machen, dann läuft sie zuverlässig.

Gab es über die Baujahre hinweg Unterschiede? Gibt es eine Empfehlung, ab welchem Modelljahr man eine Bullet 500 kaufen sollte?

Ja, die letzten Modelle würde ich auf jeden Fall empfehlen. Das waren die Euro-4-Modelle. Die waren dann schon moderner. Es war ein Schritt weg von der reinen Manufakturproduktion hin zu einer etwas saubereren Fertigung.

Gibt es sinnvolle Upgrades oder Zubehör für die Bullet 500?

Eigentlich nichts, was besonders heraussticht. Man kann sie optisch aufwerten, indem man beispielsweise schöne Ledertaschen montiert.

Und die Bremsen bleiben, wie sie sind?

Ja, die Bremsen sind halt nicht besonders gut, aber das ist eben der Charakter dieser Motorräder.

Noch eine Frage zur Langzeitlagerung. Wenn das Motorrad länger steht und dann wieder in Betrieb genommen wird - gibt es da etwas, worauf man besonders achten sollte?

Ja, unbedingt! Wenn man eine Bullet 500 gebraucht kauft, sollte man sie im Stand ein paar Minuten laufen lassen und in den Motor hineinhören. Wenn eine Bullet länger gestanden ist, kann es sein, dass der Fliehkraft-Automatik-Deko festgeht - das hatten wir schon zwei Mal. Dieser Deko kann sich bei etwas mehr Drehzahl lösen und abreißen. Dann klappert der Motor extrem laut, weil sich dadurch das Ventilspiel unkontrolliert vergrößert.

Kann man das verhindern?

Ja, indem man das Motorrad regelmäßig anstartet, selbst wenn man es nicht fährt.

Alternativen zur Royal Enfield Bullet 500

Royal Enfield Classic 500: Die Classic 500 ist die engste Verwandte der Bullet 500 und teilt sich Motor und Technik mit ihr. Sie bietet jedoch eine nostalgischere Optik mit mehr Chrom, einer optionalen Einzelsitzbank und verschiedenen Farbvarianten wie "Battle Green" oder "Chrome".

Royal Enfield Bullet 350 / Classic 350: Die Bullet 350 und ihre Technikschwester Classic 350 sind eine moderne Interpretation eines klassischen Einzylinders und punkten mit zuverlässiger Technik, vibrationsärmerem Motor und besserer Verarbeitung. Sie haben weniger Leistung als die Bullet 500, fahren sich aber angenehmer und sind alltagstauglicher.

Royal Enfield Classic 350.
Royal Enfield Classic 350.

Moto Guzzi V7: Die Moto Guzzi V7 kombiniert klassischen Stil mit italienischer Raffinesse und einem charakterstarken V2-Motor. Sie bietet eine bessere Bremsanlage, moderne Elektronik (ABS, Traktionskontrolle) und deutlich mehr Leistung als die Bullet 500, bleibt aber dem Retro-Charme treu.

Für wen ist die Bullet 500?

Die Royal Enfield Bullet 500 ist das perfekte Motorrad für Puristen, die den Charme eines klassischen, mechanisch einfachen Einzylinders genießen wollen. Sie richtet sich an Fahrer, die entschleunigtes Fahren und den authentischen Charakter eines luftgekühlten Langhubmotors schätzen. Wer gerne selbst Hand anlegt, wird die überschaubare Technik und die einfache Wartung zu schätzen wissen sofern man die kürzeren Serviceintervalle beachtet. Die Bullet 500 ist weniger für Vielfahrer oder dynamische Fahrer geeignet, sondern für Motorradliebhaber, die Oldschool-Charme, minimalistische Technik und mechanische Ehrlichkeit suchen. Besonders geeignet ist sie für entspannte Landstraßenausfahrten oder als stilvolle Zweitmaschine mit viel Retro-Flair.

Bericht vom 05.03.2025 | 9.632 Aufrufe

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