Motorradfahren lernen - wie bedient man ein Motorrad richtig?

Lenker, Kupplung, Bremse, Gas und Schaltung

Wie bedient man ein Motorrad oder einen Roller eigentlich richtig? Was ist wo? Was ist dabei zu beachten? Das solltest du wissen, bevor du dein Fahrzeug in Betrieb nimmst!

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Es geht um die Bedienelemente am Motorrad und wie man sie auf die individuellen Bedürfnisse optimal einstellt. Damit all deine Gliedmaßen dein Fahrzeug sicher kontrollieren können.

Der Lenker - gibt nicht nur die Richtung vor!

Klar ist: mit dem Lenker kannst du lenken. Darüber hinaus sind die meisten Bedienelemente darauf versammelt. Natürlich gibt es verschiedene Arten von Lenkern. Sie unterscheiden sich vor allem in Breite, Wirkungsweise und Schwenkbereich. Je breiter ein Lenker ist, desto leichter kannst du die Kreiselkräfte bändigen, desto leichter fällt es dir also, eine Kurve einzuleiten. Du brauchst aber natürlich im Stau auch mehr Platz, wenn du dich zwischen den Kolonnen nach vorne schwindeln willst. Die Position des Lenkers, im Besonderen der Lenkachse, hat wesentlichen Einfluss darauf, was dann passiert, wenn du lenkst. Ohne da jetzt in technischen Details sich zu verlieren: Es gibt Lenker, die wollen schon bei geringer Schräglage bei geringen Geschwindigkeiten unbedingt nach innen lenken und es gibt Lenker, die biegen auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten schnell in die Richtung, in die du willst.

Bei der Wahl des ersten Motorrads sollte die Zugänglichkeit im Vordergrund stehen

Kannst du mit deinen Körpermaßen, in einer halbwegs komfortablen Sitzposition, den kompletten Lenkereinschlag herbeiführen, ohne dass sich deine Schultern, dein Oberkörper dabei viel bewegen müssen und ohne, dass dabei irgendwas (vielleicht dein Knie) im Weg ist? Es gibt weit nach hinten gekröpfte Lenker (Schubkarrenlenker), wo eine ganze Menge Bewegung in den Oberkörper kommt und es gibt wenig gekröpfte Lenker mit dem Drehpunkt nur kurz vor den Lenkerenden, wo die Schultern des Motorradfahrers sich wenig bewegen müssen beim Lenken.

Produkttipps

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Ein großes Projekt verlangt nach großen Partnern - weshalb wir uns entschieden, für unsere Berichteserie Motorradfahren lernen mit hochwertigen Herstellern wie Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech zusammen zu arbeiten. Für einen feinen Querschnitt durch die aktuellen Motorradkategorien haben wir von Honda eine einsteigerfreundliche CB500 Hornet, eine sportliche CBR650R sogar mit E-Clutch (muss man mal probiert haben!) und als Referenz für das Adventure-Segment eine CRF1100L Africa Twin Adventure Sports mit elektronisch verstellbarem Fahrwerk gewählt. Bestückt wurden alle Bikes mit Taschen oder Tankrucksäcken von SW-Motech, damit wir diverse Utensilien, die wir bei unseren Fotofahrten brauchten, gut verstauen konnten. Da wir natürlich nicht wussten, wie das Wetter wird, vertrauten wir bei der Kleidung auf Highend-Ware von Stadler Bekleidung, die dank GoreTex-Material und innovativen SASS-Belüftungsöffnungen sowohl bei nasskaltem als auch bei heißem Wetter ausgezeichnet funktionieren. Schließlich wollten wir auch bei den Reifen nichts dem Zufall überlassen, für unsere Vorführ-Fahrten wurden auf allen drei Maschinen Qualitäts-Pneus von Metzeler aufgezogen. Und ja, richtig vermutet, natürlich hat mit allen vier Herstellern alles problemlos funktioniert!

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Die Kupplung. DIE ERSTE KONTROLLE des Vortriebs

Sie wird mittels Handhebel am linken Lenkerende bedient. Wie bei Autos mit Schaltgetriebe reguliert die Kupplung auch bei Motorrädern den Kraftschluss zwischen Motor und Antriebsrad, also dem Hinterrad. Beim dosierten Einkuppeln kontrollierst du also, wie viel Kraft vom laufenden Motor an das Hinterrad weitergegeben wird. Deshalb ist ein absolut unaufwendiges und präzises Bedienen der Kupplung sehr wichtig, nicht nur beim Losfahren. Für alle, die das noch nie gesehen haben: Ziehst du den Kupplungshebel mit der linken Hand zu dir, sollte komplett ausgekuppelt sein, also nichts vom Motor gelangt zum Hinterrad. Löst du dann den Kupplungshebel immer mehr, lässt ihn also mit den Fingern immer mehr nach vorne, wird eingekuppelt. Je mehr nach vorne, desto mehr Kraft vom Motor gelangt ans Hinterrad.

Motorradfahren lernen - Die Kupplung am Motorrad Beispiel Honda
Beim dosierten Einkuppeln kontrollierst du, wie viel Kraft vom laufenden Motor an das Hinterrad weitergegeben wird.

Das Ziehen der Kupplung ist also die schnellste Möglichkeit, den Schub am Hinterrad zu beenden

Da es eine wesentliche Rolle spielt, wie viel Schub- oder Schleppmoment am Hinterrad ankommt, ist eine kontrollierte Bedienung der Kupplung das Um und Auf, denn die Umsetzung deiner Arbeits-Aufträge an den Motor (über die Gasgriffstellung) erfolgen zeitverzögert und nicht immer in so fein dosierbarer Form, wie über die Kupplung. Den Kupplungshebel solltest du dir so einstellen (lassen), dass ein müheloses Dosieren der Kupplung mit zwei Fingern möglich ist. Bei sogenannten Seilzugkupplungen geht das relativ einfach über Einstellschrauben im Bereich des oberen Endes vom sogenannten Bowdenzugschutzschlauch. Bei hydraulischen Kupplungen ist das komplizierter und du solltest dir da von jemandem helfen lassen, der sich auskennt oder entsprechende Reparaturunterlagen befolgen. Bei Rollern ist statt des Kupplungshebels hier meist der Hinterradbremshebel.

Die Vorderradbremse. Ist sie immer rechts?

In den letzten drei Jahrzehnten ist die Vorderradbremse bei neuen Motorrädern und Rollern, die in der EU verkauft wurden und heute noch werden, serienmäßig immer am rechten Lenkerholm mittels Handbremshebel zu bedienen. Abweichungen davon gibt es bei ganz wenigen Elektrorollern und bei Oldtimern beziehungsweise möglicherweise umgebauten Gebrauchtfahrzeugen. Für die Einstellung dieses Handhebels der so wichtigen und effektiven Vorderradbremse gilt sinngemäß dasselbe, wie für den Kupplungshebel. Du solltest auch den Handbremshebel so einstellen können, dass ein müheloses Dosieren über den gesamten Wirkungsbereich mit zwei Fingern möglich ist.

Motorradfahren lernen - Die Vorderradbremse Beispiel Honda
Man sollte den Handbremshebel so einstellen können, dass ein müheloses Dosieren über den gesamten Wirkungsbereich mit zwei Fingern möglich ist.

Die Hinterradbremse. Fuß- oder Handhebel?

Noch einmal deutlich formuliert: Heute hat ein Motorrad rechts Fußbremshebel für die Bedienung der Hinterradbremse und ein Roller links einen Handhebel am Lenker. Ausnahmen findet man ganz selten. Englische Oldtimer haben den Fußbremshebel manchmal links, wenige aktuelle Elektroroller den Hinterradhandbremshebel am rechten Lenkerholm. Es gibt auch wenige Roller, die einen Fußbremshebel rechts am Trittbrett haben, das funktioniert dann ähnlich einem Auto.

Entscheidend ist, dass auch der Hinterradbremshebel eingestellt werden muss

Und zwar so, dass die Dosierung über den gesamten Wirkungsbereich mühelos erfolgen kann. Bei Rollern gilt dasselbe, wie für die Vorderradbremse, bei Motorrädern sollte man sich Stellung und Druckpunkt des Hinterradbremshebels so einstellen lassen, dass er zu Fußhaltung und Schuhgröße der reitenden Person passt. Besonders wichtig ist das bei Motorrädern, die offroad auch im Stehen geritten werden. Auch wenn du mit deinen Stiefeln am Fußraster stehst, solltest du ohne störende Bewegung den Fußbremshebel über den gesamten Dosierbereich bedienen können. Vorsicht! Der (in der Regel nicht einklappbare, also nicht nachgebende) Fußbremshebel sollte in extremen Schräglagen nicht als erster Teil aufsetzen, sondern die einklappbaren Fahrer-Fußrasten!

Motorradfahren lernen - Die Hinterradbremse Beispiel Honda
Auch wenn du mit deinen Stiefeln am Fußraster stehst, solltest du ohne störende Bewegung den Fußbremshebel über den gesamten Dosierbereich bedienen können.

Der Schalthebel. Funktioniert der immer gleich?

Wenn auf einem Motorrad ein Fußschalthebel montiert ist, dann funktioniert er in der Regel so: Aus der Leerlaufstellung legst du den ersten Gang ein, indem du den Hebel entschlossen mit dem Fuß nach unten bewegst (bei sperrig arbeitenden Getrieben könnte man auch sagen trittst). Ab nun gilt eine einfache Regel: Willst du einen Gang höher schalten, bewegst (reißt) du den Hebel (mit gezogener Kupplung selbstverständlich, wie beim Auto!) nach oben, wenn du einen Gang runter schalten willst, trittst du den Hebel nach unten. Du kannst in einer Bewegung immer nur die nächste Schaltstufe wechseln.

Du willst etwa nach dem Stehenbleiben wieder in den Leerlauf?

Der Leerlauf liegt sozusagen zwischen erstem und zweitem Gang. Je nach Getriebe braucht das mehr oder weniger Gespür, wie du da mit der Fußspitze aus dem ersten Gang den Schalthebel behutsam nach oben ziehst. Auf deinem Display ganz in der Nähe des Tachometers muss das, meist mit einem grünen N, angezeigt werden, wenn der Leerlauf wirklich eingelegt ist. Das ist eine wichtige Information, denn erst jetzt kannst du im Stand die Kupplung auslassen. Einige Ausnahmen von dieser Systematik fallen uns ein. Oldtimer aus England haben manchmal den Fußschalthebel rechts. Für die Rennstrecke optimierte Geräte haben manchmal eine umgedrehte Rennschaltung, also alles umgekehrt, erste rauf, alle anderen Gänge runter. Und Automatikroller und -motorräder haben manchmal gar keinen Fußschalthebel, sondern gar nichts oder kleine Schaltknöpfe oder -wippen (+ und -) irgendwo, meist am linken Lenker.

Motorradfahren lernen - Der Schalthebel Beispiel Honda
Willst du einen Gang höher schalten, reißt du den Schalthebel nach oben, wenn du einen Gang runter schalten willst, trittst du den Hebel nach unten.

Der Gasgriff

Die Steuerung des Reaktors am rechten Lenkerholm. Wenn die Kupplung regelt, wie viel Leistung ankommt, dann regelt der Gasgriff, wie viel Leistung zur Verfügung steht. Für alle, die das noch nie gesehen haben: Hält man den Gasgriff und dreht man sein rechtes Handgelenk nach unten, dann wird Gas gegeben. Es braucht bei Anfängern doch einige Übung, diese Feinmotorik zu beherrschen. Schon die Änderung der Gasgriffstellung um nur ein Grad kann wesentlich andere Drehzahlen vom Motor liefern lassen.

Manche Gasgriffe haben, wenn man über die Stellung null (das wäre Standgasdrehzahl, eine Rückzugsfeder bringt den Gasgriff immer in diese Position, wenn man ihn mit der Hand auslässt), weiter drüber dreht, also das Handgelenk nach oben dreht, eine Deaktivierung des Tempomaten zur Folge. Wenige Elektromodelle haben obendrein noch eine negative Gasgriffstellungsfunktion. Dreht man bei diesen Fahrzeugtypen den Gasgriff (ist ja eigentlich ein E-Power-Controller) in die negative Richtung (so, wie beim beschriebenen Tempomatdeaktivieren) so rekuperiert so ein Fahrzeug mehr Strom und bremst weich ab. Man kann also mit so einem Gasgriff aktiv verzögern.

Motorradfahren lernen - der Gasgriff Beispiel Honda
Schon die Änderung der Gasgriffstellung um nur ein Grad kann wesentlich andere Drehzahlen vom Motor liefern lassen.

Was ist sonst noch am Lenker?

Wir haben jetzt die für die Kontrolle des Fahrbetriebs unbedingt notwendigen Bedienelemente besprochen. Natürlich finden sich darüber hinaus vor allem am Lenker noch allerhand andere Bedienelemente und Anzeigen. Bei mechanischen Zündschlüsseln meist ein Zündschloss.

Am rechten Lenker

Ganz sicher gibt es irgendwo in Daumennähe einen Startknopf. Bei Motorrädern einen sogenannten Notaus-Schalter (dieser ermöglicht in Notfällen unabhängig von der Zündschlüsselstellung die sofortige Unterbrechung der Zündung). Und natürlich wie besprochen Gasgriff und Vorderradbremse.

Am linken Lenker

Dort befindet sich meist der Bedienhebel für den Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker), für die Beleuchtungsanlage (etwa: Begrenzungslicht/Tagfahrlicht, Abblendlicht, Fernlicht) und für die Hupe. Und natürlich der Kupplungshebel und bei Rollern der Hinterradbremshebel. Je nach Ausstattung und Modell bringen Hersteller auch andere Bedienelemente irgendwo am Lenker unter. Vom Tempomatregler über Fahrmodiwahlknöpfe, über Heizgriffregler bis zu sehr komplizierten Knöpfen, kleinen joy-sticks oder Wahlrädern, die die Navigation in umfangreichen Untermenüs ermöglichen. Gesetzlich vorgeschrieben bei Neufahrzeugen ist seit langem zumindest die Geschwindigkeitsanzeige, die Anzeige der Beleuchtungseinstellung, die Kontrollleuchte für die ABS-Funktion (so vorhanden), einige Fehlerkontrollleuchten sowie die besprochene Leerlaufkontrolllampe. Bei älteren Modellen findet man direkt am/beim Display select-Buttons (für die Wahl, was im Display angezeigt werden soll) oder reset-Buttons, wo man zum Beispiel den Tripkilometerstand auf null stellen kann. Es gibt natürlich mittlerweile umfangreiche färbige Displays, die allerhand Informationen liefern. Das geht bis zu der Möglichkeit, die Navigationshilfe externer Geräte einzuspielen. Manche Displays haben sogar Touch-Screen-Funktion.

Motorradfahren lernen - TFT-Display Beispiel Honda
Mittlerweile gibt es bei Motorrädern umfangreiche Farb-Displays, die allerhand Informationen liefern. Das geht bis zu der Möglichkeit, die Navigationshilfe externer Geräte einzuspielen. Das Display der Honda Africa Twin hat sogar Touch-Screen-Funktion.

Nachschlagewerk: So geht das! Wie man was findet

Auch wenn das 1000PS Nachschlagewerk nicht auf einmal sondern bis Ende des Jahres immer weiter ergänzend erscheint, ist es am Ende eine große, einem Lexikon ähnliche, Database, in der man nach Kapiteln und Absätzen geordnet auf die häufigsten Fragen, die in den 1000PS-Foren in den letzten Jahren gestellt wurden, eine Antwort findet.

Die umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS im Überblick:

Entdecke unsere umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS, in der wir alle Aspekte des Motorradfahrens behandeln. Von der Wahl des richtigen Motorrads, über die korrekte Bedienung von Kupplung und Bremsen, bis hin zur optimalen Körperposition und Kurventechnik. Wir zeigen dir, wie du moderne Fahrassistenzsysteme nutzt, bei Nacht oder auf nasser Fahrbahn sicher fährst und sogar wie du Notmanöver meisterst. Egal ob du Anfänger bist oder deine Fähigkeiten verbessern möchtest, unsere Serie bietet wertvolle Tipps und Ratschläge für jeden Fahrer. Tauche ein in die Welt des Motorradfahrens mit 1000PS!

Bericht vom 11.07.2024 | 15.150 Aufrufe

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