Motorradfahren lernen - alles richtig einschätzen!
Ein Fehler könnte schon einer zu viel sein. Wie vermeidest du ihn
Am Motorrad musst du viel wissen oder zumindest richtig einschätzen. Wie viele verschiedene Faktoren du richtig einschätzen musst und was passiert, wenn du einen Fehler machst, darum geht es hier.

Wir wollen dir den Spaß am Motorrad sicher nicht verderben. Trotzdem scheint uns wichtig zu betonen: eine Fehleinschätzung kann dramatische Folgen haben. Was du alles beachten und richtig einschätzen musst, das ist eine ganze Menge. Deshalb ist Motorradfahren zwar schwierig, aber, wenn du es beherrscht, herrlich! Kurze Einführung: Was musst du unterwegs richtig einschätzen und was passiert, wenn du das nicht kannst? Und noch viel wichtiger: wie lernst du, deine Einschätzungen zu verbessern.
Eine einfache Liste: Was musst du denn mindestens alles einschätzen?
- Die Straße: Wie griffig ist sie? Wie verunreinigt ist sie? Wie eben ist sie? Wie geht es weiter?
- Den Straßenverlauf: Wie eng ist die Kurve? Hängt sie nach innen oder nach außen? Bergab oder bergauf? Verändert sich der Radius? Ändern sich die Gripverhältnisse? Ändert sich die Fahrebene?
- Dich selbst: Was kannst du? Wie fit und aufmerksam bist du? Wie geht es dir genau jetzt?
- Dein Motorrad: Wie bremst es? Wie beschleunigt es? Wie schräg kann es fahren? Wie wendig ist es?
- Die Performance deiner Reifen: Letztendlich: was bringen sie auf den Boden? Abhängig von: Luftdruck, Temperatur, Profil, Dimension, Gummimischung, Bauart, Alter. Und: Wie gut passen sie zum aktuellen Untergrund?
- Die Geschwindigkeit: Welche Geschwindigkeit passt hier? Welche Geschwindigkeit hast du derzeit?
- Distanzen, Platz: Wie viel Platz (als Reserve) hast du? Wie viel Platz bis zum Bremspunkt ist das wirklich? Wie viel Abstand zum vorderen Fahrzeug hast du?
- Wie sind die Umgebungsbedingungen? Welche Temperatur hat die Luft, die Straße? Woher kommt der Wind wie stark?
- Die anderen (Verkehrsteilnehmer): Was macht der da vorne in den nächsten Sekunden? Sieht der dich?
Die Straße. beginnen wir mit: Wie griffig ist sie?
Ein wesentlicher Faktor, was du beim Motorradfahren auf den nächsten Metern rein physikalisch machen kannst (das ist eine unveränderbare Rahmenbedingung!), bestimmt vor allem die sogenannte Deckschicht der Straße und deren Griffigkeitseigenschaften. Es gibt unterschiedlich Asphaltarten, deren Griffigkeit richtig einzuschätzen schon einmal viel Erfahrung braucht.
Alle Berichte der umfassenden Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS:
Produkttipps
Nicht jede Straße ist asphaltiert
Manche Stellen sind betoniert, manche aus Holz (bei Brücken im Kurvenland oder bei Baugrubenabdeckungen), manche haben Kopfsteinpflaster, manche haben viele Bodenmarkierungen (besonders Zebrastreifen sind bei Regen eine großflächige Herausforderung, weil wesentlich rutschiger), es gibt Bitumenausbesserungen, Kanaldeckel, metallische Dehnfugen, (Straßenbahn-)Schienen, großflächige Stahlplatten über Baugruben, Viehgitter (in Österreich Weiderost genannt, in der Schweiz Bovi-Stop), es gibt Straßensanierungsbereiche, wo der Straßenerhalter einfach darauf wartet, dass die Verkehrsteilnehmer (also vorwiegend Autos) die circa 6 cm hohe Deckschicht Streusplit in die Asphaltschicht nach und nach eindrücken, durch Befahrung quasi einarbeiten. Und es gibt auch nichtasphaltierte Feld- und Forstwege. Es gibt also auch im infrastrukturell gut versorgten Europa viele Arten von Straßenoberflächen, deren Griffigkeit du richtig einschätzen musst. Denn, überschätzt du den Grip, kannst du nicht so hohe Kurvengeschwindigkeiten fahren, kannst du nicht so viel beschleunigen (was ohne Traktionskontrolle zum Problem werden kann) und du brauchst längere Bremswege und das Ergebnis ist dasselbe wie bei einer nicht optimalen Bremsung!

Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech als 1000PS-Partner!
Ein großes Projekt verlangt nach großen Partnern - weshalb wir uns entschieden, für unsere Berichteserie Motorradfahren lernen mit hochwertigen Herstellern wie Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech zusammen zu arbeiten. Für einen feinen Querschnitt durch die aktuellen Motorradkategorien haben wir von Honda eine einsteigerfreundliche CB500 Hornet, eine sportliche CBR650R sogar mit E-Clutch (muss man mal probiert haben!) und als Referenz für das Adventure-Segment eine CRF1100L Africa Twin Adventure Sports mit elektronisch verstellbarem Fahrwerk gewählt. Bestückt wurden alle Bikes mit Taschen oder Tankrucksäcken von SW-Motech, damit wir diverse Utensilien, die wir bei unseren Fotofahrten brauchten, gut verstauen konnten. Da wir natürlich nicht wussten, wie das Wetter wird, vertrauten wir bei der Kleidung auf Highend-Ware von Stadler Bekleidung, die dank GoreTex-Material und innovativen SASS-Belüftungsöffnungen sowohl bei nasskaltem als auch bei heißem Wetter ausgezeichnet funktionieren. Schließlich wollten wir auch bei den Reifen nichts dem Zufall überlassen, für unsere Vorführ-Fahrten wurden auf allen drei Maschinen Qualitäts-Pneus von Metzeler aufgezogen. Und ja, richtig vermutet, natürlich hat mit allen vier Herstellern alles problemlos funktioniert!
Die Straße: Wie verunreinigt ist sie?
Wir wollen jetzt gar nicht über Schnee, Hagelkörner oder Eis reden, auch in der Motorradsaison liegt einiges auf der Straße. Und das beeinflusst die Griffigkeit, in den allermeisten Fällen zum Schlechteren. Also Regenwasser oder feuchte Stellen aus der Nacht sowie vom Nebel (vor allem in Waldgegenden) können einfach vorkommen. Nasse Oberflächen sind natürlich rutschiger. Nur so viel: bei nassen Oberflächen erkennt man etwa rutschige Dieselpfützen viel schwerer und nicht jede Oberfläche wird nass um den gleichen Grad rutschiger!
Du wirst aber auch auf andere Verunreinigungen treffen
Herausgegriffen seien: zerdrücktes Obst, Getreidekörner, nasses Laub/Nadelgut, Blütenstaub, Sand, Streusplit, Felsen, Öl, schlickiges Kühlwasser, oder größere Hindernisse, etwa tote Tiere, verlorene Kfz-Teile (Auspuff, Reifenteile), Unrat (eine Plastiktüte ist nicht griffig: zwei Schichten Kunststoff aneinander sind eigentlich wie Eis!), Kuhfladen (oder andere frische Viehexkremente), Tannenzapfen usw. All das bestimmt, was möglich ist, beziehungsweise welche Linie du wählen musst!
Die Straße: Wie eben ist sie? Wie verläuft sie?
Und dann ist da noch (neben Oberflächengriffigkeit und Verschmutzung) die Straßenanlage. Du musst nämlich auch neben dem Straßenverlauf vieles richtig einschätzen! Etwa, ob die Straße bergab oder bergauf geht, ob sie sich nach rechts oder links neigt, ob die Straße komplett eben - das wäre der Idealfall - angelegt wurde oder ob sie Wellen (Hebungen, Senkungen) beziehungsweise Risse hat. Auch Schlaglöcher oder größere Abrisskanten kommen vor. All das bestimmt deine Linienwahl und wie sehr du beschleunigen oder bremsen und wie schräg, also wie schnell, du hier fahren kannst. Unebenheiten und Neigungen haben beim Befahren großen Einfluss auf den Anpressdruck, auch das musst du beachten, weil das bestimmt, was (rein physikalisch) möglich ist!
Der Straßenverlauf. Besonders bei Kurven: Radius? Hängend nach innen oder nach außen?
In Verbindung mit den bisher genannten Faktoren spielt dann der Kurvenverlauf eine wesentliche Rolle. Also grundsätzlich einmal der Radius der Kurve, denn der bestimmt die Fliehkräfte, also, welche Schräglage du fahren musst und auch (rein physikalisch) kannst. Du musst also einschätzen, wie eng ist die Kurve, wie geht sie weiter (verändert sich der Kurvenradius oder bleibt er gleich?) und neigt sich die Kurve nach innen oder nach außen?

Besonders in kurvenbedingten Schräglagen sind Änderungen der Fahrlinie, der Griffigkeit und des Anpressdrucks (durch Hebungen/Senkungen in Fahrtrichtung) problematisch, da die übertragbaren Seitenführungskräfte von vielen Faktoren abhängen. Das ist zu berücksichtigen und das musst du richtig einschätzen!
Schätz dich richtig ein! Was kannst du? Und zwar genau jetzt?
Wie fit bist du? Wie schnell reagierst du? Wie erfahren bist du, um die Rahmenbedingungen richtig einzuschätzen? Wie präzise können deine Sinnesorgane die vorhandenen Informationen lesen? Wie schnell kann dein Hirn all das richtig berechnen, übersetzen und als Entscheidungsgrundlage dir zur Verfügung stellen? Wie schnell und präzise kannst du die nötigen Aktionen umsetzen? Das klingt alles sehr abstrakt. Es bedeutet aber, dass du beim Motorradfahren dich immer selbst beobachten musst und dich selbst richtig einschätzen musst, denn wenn du glaubst, du kannst das und du kannst es aber nicht, dann hast du ein Problem! Deine Fitness und deine Performance bei der Bewältigung der vielen Herausforderungen beim Motorradfahren hängt vor allem von zwei Faktoren ab: Wie entspannt bist du jetzt? Und wie erfahren bist du generell?
Selbsteinschätzung 1: Wie entspannt bist du?
Mach es dir leichter, check deinen Ist-Status! Achte immer darauf, dass du voll bei der Sache (beim Motorradfahren) bist und dich dabei NICHTS stört! Keine flatternden Bekleidungs- oder Ausrüstungsteile, kein Hunger, kein Durst, keine Müdigkeit, keine unangenehme Körpertemperatur, keine Ablenkung (Sorgen? Interessante Bilder abseits der Straße…?), keine Erschöpfung, kein Stress! Und immer: Wozu bist du rein körperlich genau jetzt in der Lage?
Selbsteinschätzung 2: Wie erfahren bist du?
Nachher ist man immer klüger, aber beim Motorradfahren kann das schon zu spät sein. Vergleiche dich jetzt nicht mit anderen, sondern wisse vorher schon selbst, was du kannst und was du nicht kannst! Du musst dein Fahrkönnen und deine Einschätzungsgabe vorher wissen, damit du in der plötzlich sich ergebenden Situation nicht überfordert bist, meistens, weil du zu schnell in diese Situation gefahren bist! Deine Fahrgeschwindigkeit spielt also dabei eine nie zu unterschätzende Rolle! Und die bestimmst du! Vorher! Was du kannst, erfährst du durch objektive Bewertung der Profis zum Beispiel bei entsprechenden Fahrtechnik-Trainings.
Dein Motorrad: Wie bremst es? Wie beschleunigt es? Wie schräg kann es fahren?
Motorräder haben auf Grund ihrer Bauart, ihrer gewählten Einstellungen und ihres technischen Zustands unterschiedlichste Eigenschaften und bestimmen somit wesentlich mit: was geht und was geht nicht? Die drei Faktoren oder Grundsatzfragen des Titels seien an dieser Stelle erwähnt:
Wie gut kann dein Motorrad bremsen?
Das hängt von der Bremsanlage (besonders ältere Modelle und Motorräder mit kleinerer Motorleistung haben mitunter leistungsschwächere Bremsanlagen), aber meistens viel mehr von deinen Reifen, vom technischen Zustand aller Komponenten, von elektronischen Helferlein und von der Geometrie deines Motorrads (besonders Radstand und Höhe des Schwerpunkts) ab. Du musst unbedingt vorher wissen, wie viel und wie kontrolliert dein Motorrad verzögern kann, denn das bestimmt viele Entscheidungen während der Fahrt: Wo beginnst du zu bremsen? Wie weit musst du vorausschauen? Wie schnell kannst du fahren um noch rechtzeitig anzuhalten/abzubremsen/deine Linie zu korrigieren, wenn du das musst?
Wie gut kann dein Motorrad beschleunigen?
Das zu wissen ist nicht nur beim Überholen wichtig. Bei ungeübten Fahrern kann bergauf besonders in Schräglage eine zu geringe beziehungsweise eine unerwartet späte Beschleunigung zum Absterben des Motors oder zum nach-innen-Kippen des Motorrads führen. Ebenso sind unkontrollierte (weil du sie nicht kennst und nicht vorwegnimmst) Linienkorrekturen während der Kurvenfahrt über das Verändern der Geschwindigkeit (in diesem Fall über das Gasgeben) problematisch und können zum Wegrutschen beziehungsweise zu ungewollten Fahrlinien führen. Du musst die Charakteristik deines Motors, wie sehr und wie plötzlich er beschleunigt, kennen! Außerdem musst du wissen, wie viel dieser Beschleunigung dein Reifen und dein Motorrad auf den Boden bringen können!
Wie wendig ist dein Motorrad?
Das richtig einzuschätzen ist besonders beim Kurvenfahren wichtig. Nicht jedes Motorrad lenkt gleich ein. Das Thema ist höchst komplex, man kann da nicht 100%-Aussagen treffen. Es hängt von vielen Faktoren ab, Herausgegriffen seien: Gewicht, Schwerpunkt, Radstand, Reifen und Fahrwerksgeometrie. Vielleicht erklärt anhand von zwei Extrembeispielen: Eine voll beladenes (Gesamtgewicht: vielleicht 400 Kilogramm) Touring- oder Choppermodell mit langem Radstand wird die Fahrtrichtung nicht so schnell ändern können wie ein sportliches 125 Kubik-Modell mit schmalen Reifen und einem Gesamtgewicht von unter 200 kg. Das spielt bei Wechselkurven aber und dann bei Notmanövern eine große Rolle. Du musst die Agilität deines Motorrads kennen und auch, wie schräg es fahren kann! Am Parkplatz und bei anderen engen Wendesituationen musst du deinen physikalisch möglichen Wendekreis kennen!

Was können deine Reifen?
Deine Reifen. Man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen, dass sie die einzige Verbindung zwischen Motorrad und Straße sind, also zwischen: Was willst du machen und was geht? Wie gut deine Reifen deine Wünsche umsetzen können, ist nicht nur von Größe und Art deiner Wünsche, vom Anpressdruck und von den Eigenschaften des Straßenfleckerls abhängig, es ist in ganz entscheidendem Maße von deinen Reifen abhängig. Ganz viele Faktoren bestimmen, wie gut dein Reifen deine Wünsche auf den Boden bringt. Herausgegriffen seien: Dimension, Profil, Art, Gummimischung, Luftdruck, Alter, Temperatur. Weil das alles sehr verschiedene und umfangreiche Themen sind: Es ist sozusagen überlebenswichtig, dass du die Performance deines Reifens in jeder Situation richtig einschätzt! Denn wenn ein Reifen rutscht, kannst du wirklich große Probleme bekommen, die auch in einem folgenreichen Sturz enden können!
Einschätzung der richtigen Geschwindigkeit?
Schon vor dem Lesen seien drei Punkte unterstrichen! 1.) Die Anpassung der Geschwindigkeit auf die jeweilige Situation ist eine große Aufgabe, die komplex zu rechnen aber unumgänglich ist. 2.) Du musst immer wissen, welche Geschwindigkeit ist hier richtig und welche hast du? 3.) Wenn du dich nur geringfügig irrst, hat das mitunter große, meist negative Folgen!
Übe daher mit den entsprechenden Reserven, deine Geschwindigkeit korrekt zu bestimmen!
Wie schnell ist hier angebracht und wie schnell bist du? Unterschätze niemals die falsche Wahl der Geschwindigkeit. Neben anderen Fehleinschätzungen ist die falsche Geschwindigkeit beim Motorradfahren Unfallursache Nummer eins! Habe Geduld mit dir, auch dafür wurde dein Hirn nicht gebaut, es braucht viel Training!
Distanzen, Platz? Die räumliche Einschätzung
In der Bewegung auf einem Motorrad ist das richtige Einschätzen der räumlichen Umgebung ganz wesentlich. Auch bei 100 km/h musst du wissen, wie weit ist die Kurve entfern? Beim Lernen musst du immer wissen, wie viel Platz ist da, wenn ich einen Fehler mache? Wenn man sich beim seitlichen Abstand um 10 cm irrt, das kann sich wohl jeder vorstellen, was da passieren kann. Du landest im wesentlich rutschigeren Bankett oder definitiv noch schlimmer: dein Lenker oder Helm wird etwa vom entgegenkommenden Fahrzeug erfasst und die Folgen dieser Kollision willst du dir nicht ausmalen! Dein Auge und dein Hirn müssen die vorhandenen Räume richtig einschätzen, sonst kann Böses passieren! Übe das Umrechnen der optischen Informationen in eine passende Entscheidungsgrundlage für deine weiteren Aktionen ständig! Habe Geduld mit dir, auch dafür wurde dein Hirn nicht gebaut, es braucht viel Training!
Wie sind die Umgebungsbedingungen? Welche Temperatur hat die Luft, die Straße? Woher kommt der Wind wie stark?
Neben dem Einfluss, den solche Faktoren auf dein Wohlbefinden (Stresslevel!) haben, seien hier kurz noch einige Punkte besprochen: Wenn es kalt ist, beeinflusst das nicht nur, ob die Feuchtigkeit auf einer Brücke zur Eisbildung führen könnte, es beeinflusst auch die Temperatur des Asphalts. Entgegen weit verbreiteter Meinung hat trockener, kalter Asphalt zwar nicht wesentlich abweichende Griffigkeitseigenschaften als warmer, aber: Dein Reifen wird definitiv nicht so (schnell) warm, wie bei sommerlichen Temperaturen! Und das hat wesentlichen Einfluss, denn dein Reifen funktioniert in einem bauartbestimmten Temperaturfenster gut, außerhalb nicht so gut. Du musst also immer richtig einschätzen: Was bedeutet das, wenn es kalt, feucht oder windig ist für deine Reifentemperatur?
Die anderen (Verkehrsteilnehmer): Was macht der da vorne in den nächsten Sekunden? Sieht der dich?
Viel mehr als beim Autofahren müssen Motorradfahrer darauf achten, was rundherum passiert. Zunächst einmal die anderen Verkehrsteilnehmer: Weil es im Spitalsbett nach dem Unfall dann fast egal ist, wer Vorrang hatte, müssen Motorradfahrer die Fehler der anderen ausgleichen. Das geht nur, wenn du viel mehr als beim Autofahren, die Aktionen der anderen antizipierst, also vorwegnimmst.
Daher müssen Motorradfahrer in komplexen Situationen oft sechs Sekunden vorausschauend fahren…
…und vorher schon wissen, was all diese Verkehrsteilnehmer machen werden. Ein entsprechendes Anpassen der Geschwindigkeit und des Aufmerksamkeitsgrades ist unbedingt notwendig. Dieser sechste Sinn, also das Vorwegnehmen braucht viel Übung und Erfahrung mit solchen Situationen. Ja wir müssen sogar einen Schritt weiter gehen. Wir sollten nämlich immer wissen, ob die anderen uns und unsere geplanten Aktionen checken, ob sie uns sehen. Daher: Fahre defensiv! Lerne, die Aktionen der anderen vorweg zu nehmen! Halte Reserven bereit, wenn die anderen einen Fehler machen! Sei bei unübersichtlichen Situationen, beim Passieren von Bussen oder LKWs oder von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen sowie Weidevieh besonders vorsichtig! Sieht mich der andere? Habe immer Reserven, sollte ein entgegenkommendes Fahrzeug die Kurve schneiden und verbotener Weise auf deinem Fahrstreifen dir entgegen kommen! Das Fahren auf halbe Sicht bietet dabei eine Annäherung an eine sicherheitsbietende Fahrweise.
Ist ja eine ganze Menge, die man da richtig einschätzen muss!
Du musst all diese Faktoren für die Wahl deiner Geschwindigkeit und Linie berücksichtigen! Das ist die Herausforderung beim Motorradfahren. Denn wenn du dich einmal irrst, kann es ganz böse ausgehen!
Wie machst du das? Wie stemmst du diese große Herausforderung?
Beim Motorradfahren sollte einerseits das Bewusstsein mitfahren, dass du dich eigentlich nie verschätzen darfst. Und andererseits, dass das Beherrschen all dieser komplexen und vielfältigen Faktoren gute Motorradfahrende auszeichnet und das Fahren dann unbeschreiblich positiv erlebt werden kann. Stolz und Glücksgefühle werden dich durchfluten, wenn du das beherrschst und bestenfalls kommst du in den sogenannten Flow, also diesen Zustand, wo du niemals unterfordert und niemals überfordert bist, sondern einfach nur das tust, was du kannst und dabei unglaublich Schönes erlebst. Aber das braucht Übung und Zeit!
Sag dir unterwegs immer die drei Prinzipien vor: Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle!
Du musst wissen, was du tun kannst und da darf nichts passieren, das du nicht in der Hand hast! Du bestimmst, was passiert und du bestimmst, wie! Wenn andere Faktoren bestimmen, wie schnell auf welcher Linie du unterwegs bist: Achtung! So darf es nicht sein! Der Faktor der Selbstbestimmung ist beim Motorradfahren Segen und Fluch. Ja, es ist herrlich, wenn du für all deine Aktionen selbst verantwortlich bist, aber du musst halt auch mit den Konsequenzen leben. Und die können beim Motorradfahren bitter sein. Wisse bescheid! Übe und lass dir von denen, die´s können helfen! Zum Beispiel bei einem Fahrtechniktraining.
Nachschlagewerk: So geht das! Wie man was findet
Auch wenn das 1000PS Nachschlagewerk nicht auf einmal sondern bis Ende des Jahres immer weiter ergänzend erscheint, ist es am Ende eine große, einem Lexikon ähnliche, Database, in der man nach Kapiteln und Absätzen geordnet auf die häufigsten Fragen, die in den 1000PS-Foren in den letzten Jahren gestellt wurden, eine Antwort findet.
Die umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS im Überblick:
Entdecke unsere umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS, in der wir alle Aspekte des Motorradfahrens behandeln. Von der Wahl des richtigen Motorrads, über die korrekte Bedienung von Kupplung und Bremsen, bis hin zur optimalen Körperposition und Kurventechnik. Wir zeigen dir, wie du moderne Fahrassistenzsysteme nutzt, bei Nacht oder auf nasser Fahrbahn sicher fährst und sogar wie du Notmanöver meisterst. Egal ob du Anfänger bist oder deine Fähigkeiten verbessern möchtest, unsere Serie bietet wertvolle Tipps und Ratschläge für jeden Fahrer. Tauche ein in die Welt des Motorradfahrens mit 1000PS!
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Bericht vom 19.06.2024 | 7.426 Aufrufe