Die richtige Bremstechnik am Motorrad

Motorradfahren lernen - wie bremst du mit dem Motorrad richtig?

Bremsen. Genau das ist auf dem Motorrad nicht so einfach wie im Auto. 1.) hast du zwei Bremsen und 2.) kann viel mehr schief gehen, wenn du falsch bremst. Deshalb solltest du das Bremsen richtig gut können!

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Wir besprechen das Thema so früh, weil wir der Meinung sind: Bevor man losfährt, sollte man vielleicht wissen, wie man wieder stehenbleiben kann. Und bei Notsituationen sollte man das vielleicht auch im Stress möglichst gut können. Deshalb spielt die richtige Bremstechnik beim Motorradfahren eine so große Rolle. Also: Wie bremst du richtig? Was musst du beachten? Was darf auf keinen Fall passieren? Und wie kannst du deine Bremsleistung verbessern?

Langsamer werden und Bremsen ist nicht dasselbe. Worüber reden wir?

Wenn du vom Gas gehst, wirst du auch langsamer. Das Thema Motorschleppmoment spielt zwar beim Motorradfahren auch eine Rolle, aber darum geht es hier jetzt nicht. Erwähnt sei aber, dass du die Geschwindigkeit beim Motorradfahren ständig den Gegebenheiten anpassen musst und zum langsamer Werden hast du Bremsen. Zwei Bremsen, die du (das ist auch gesetzlich so geregelt) unabhängig voneinander bedienst.

Die Vorderradbremse und die Hinterradbremse. Was ist zu beachten?

Der Einfachheit halber nehmen wir an: Du willst an einem bestimmten vor dir liegenden Punkt eine bestimmte Geschwindigkeit haben. Derzeit bist du drüber, also schneller, wie machst du das jetzt? Ok, du weißt, dass du mit der rechten Hand die Vorderradbremse und mit dem rechten Fuß die Hinterradbremse betätigen musst. Außer du hast einen Roller, dann wirst du mit der linken Hand dein Hinterrad bremsen.

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Vorne kannst du mehr bremsen, aber es ist auch gefährlicher. Hinten kannst du weniger bremsen, dafür ist es geradeaus nicht gefährlich

Warum ist das so? Der Grund dafür ist, dass sich beim Bremsen das Gewicht nach vorne verlagert. Das ist ein wesentlicher Punkt, weil dadurch bestimmt wird, wie viel Bremskraft dein Vorderreifen und dein Hinterreifen übertragen können, man sagt auch auf den Boden bringt also, wie viel du bremsen kannst, ohne dass der Reifen wegrutscht, weil er zum Beispiel blockiert, also stehenbleibt, sich nicht mehr dreht, weil zu viel gebremst wurde. Und er sollte nicht wegrutschen. Du bekommst dann große Probleme, es kommt oft zum Sturz.

Motorradfahren lernen - die Vorderradbremse
Beim harten Bremsen taucht vor allem bei Reiseenduros die Front stark ein.

Du darfst auf keinen Fall mehr bremsen, als der Reifen erlaubt!

Und wie viel Bremsung ein Reifen erlaubt, ist nicht nur von seiner Dimension, seinem Profil, seiner Gummimischung, seinem Luftdruck und seiner Temperatur sowie von der Beschaffenheit der Straße, auf der gebremst wird, abhängig. Es kommt auch darauf an, wie viel der Reifen auf den Boden gedrückt wird. Je mehr er auf den Boden gepresst wird, desto mehr kann er gebremst werden. Und genau dieser Anpressdruck verändert sich ständig, besonders beim Bremsen.

Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech als 1000PS-Partner!

Ein großes Projekt verlangt nach großen Partnern - weshalb wir uns entschieden, für unsere Berichteserie Motorradfahren lernen mit hochwertigen Herstellern wie Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech zusammen zu arbeiten. Für einen feinen Querschnitt durch die aktuellen Motorradkategorien haben wir von Honda eine einsteigerfreundliche CB500 Hornet, eine sportliche CBR650R sogar mit E-Clutch (muss man mal probiert haben!) und als Referenz für das Adventure-Segment eine CRF1100L Africa Twin Adventure Sports mit elektronisch verstellbarem Fahrwerk gewählt. Bestückt wurden alle Bikes mit Taschen oder Tankrucksäcken von SW-Motech, damit wir diverse Utensilien, die wir bei unseren Fotofahrten brauchten, gut verstauen konnten. Da wir natürlich nicht wussten, wie das Wetter wird, vertrauten wir bei der Kleidung auf Highend-Ware von Stadler Bekleidung, die dank GoreTex-Material und innovativen SASS-Belüftungsöffnungen sowohl bei nasskaltem als auch bei heißem Wetter ausgezeichnet funktionieren. Schließlich wollten wir auch bei den Reifen nichts dem Zufall überlassen, für unsere Vorführ-Fahrten wurden auf allen drei Maschinen Qualitäts-Pneus von Metzeler aufgezogen. Und ja, richtig vermutet, natürlich hat mit allen vier Herstellern alles problemlos funktioniert!

Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech
Honda, Metzeler, Stadler und SW-Motech als 1000PS-Partner

Wir sprechen von Anpressdruck und Achslastverteilung

Im Stillstand drücken ungefähr 50% des Gewichts von Fahrer und Motorrad den Vorderreifen auf den Boden und die andere 50% den Hinterreifen. Bremst du jetzt, verlagert sich das Gewicht nach vorne und du kannst vorne immer mehr und hinten immer weniger bremsen. Eine physikalisch optimale Bremsung wäre also: Bei Bremsbeginn beide Bremsen gleich viel aktivieren, danach sukzessive vorne immer mehr und gleichzeitig hinten immer weniger zu bremsen. Extremsituation wäre der sogenannte Stoppie, also wenn das Hinterrad aufsteigt und gar nicht mehr bremsen kann. Das wäre dann: Achslastverteilung 100% des Anpressrucks vorne und 0% hinten. Zu diesem fahrdynamischen Zustand kann es bei extremen Notbremsungen kommen. Um dabei einen Überschlag zu verhindern, musst du unbedingt die Vorderradbremse lösen!

Was bedeutet das aber für dich beim normalen bremsen?

Da du mit wenig Erfahrung und wenig Übung diese Grenze, ab der dein Reifen wegrutschen würde, nicht genau kennst, empfiehlt es sich, eine Bremsmethode zu wählen, die dich erst gar nicht in die Nähe dieses Grenzbereichs bringt. Das heißt etwa für Anfänger, dass zunächst viel vorsichtiger gefahren werden muss, also vorausschauender und langsamer, da der Bremsweg in dieser Lernphase weit länger ist als der physikalisch machbare Bremsweg. Die weitere Herausforderung ist ja auch, dass man niemals über das Limit bremsen darf, wie soll man also diesen Grenzbereich je kennenlernen? Und was macht man bis dahin?

Verbessere deine Bremstechnik! Die sichere Methode

Um den Zusammenhang zwischen Bremshebelbetätigung und Verzögerung als etwas ganz Selbstverständliches zu begreifen, musst du viel üben. Es gibt eben nicht nur Null und Eins, also gar nicht bremsen und voll bremsen. Dazwischen kann man viele Zwischenstufen über den Bremshebel dosieren. Wenn es dein Bremshebel erlaub, versuche es mit zwei Fingern.

Der Leitsatz heißt: beginne weich zu bremsen, besonders vorne!

Erstens lernst du so den sogenannten Druckpunkt kennen, also die Bremshebelstellung, ab der zu bremsen begonnen wird (man sagt auch die Bremse wirksam wird), und zweitens wird auch dein Hirn trainiert. Es lernt, wie sich der Gegendruck der Bremshebelfeder in den Fingern anfühlt und es lernt, wie sich die Verzögerung im Kopf anfühlt. Dort liegen (vereinfacht) die meisten kinetischen Sensoren. Gemeint ist, dass du ja beim Bremsen nicht auf den Tachometer schauen solltest, sondern auf die Straße. Wie viel du also langsamer wirst, wenn du so oder so viel den Hebel ziehst, das spürt dein Gehirn und deine Körperteile nur dadurch, wie viel beim Bremsen sie nach vorne wollen. Steigere langsam die Bremsleistung und trainiere diese Erfahrung. Bremse vorne immer progressiv. Also weich beginnen und dann kontrolliert den Vorderradbremshebel immer mehr ziehen!

Motorradfahren lernen - die richtige Bedienung des Bremshebels
Bei den meisten Motorradfahrern hat sich (dank der immer besser werdenden Bremsanlagen) das Bremsen mit zwei Fingern eingebürgert - vorausgesetzt, die Kraft reicht aus. Falls nicht, muss man natürlich drei oder gar vier Finger nutzen.

Nachdem du beide Bremsen getrennt voneinander kennengelernt hast: Die progressive Bremsmethode der Vorderradbremse

Bald kannst du beide Bremsen miteinander verwenden. Die Grundregel dabei: hinten zart mitbremsen, 99% der Konzentration liegen auf der Vorderradbremse und deren progressiver Betätigung. Das sollte alles mit möglichst wenig Aufwand, komplett ohne Stress gelingen. Du solltest während des Bremsens auch darauf achten, dass dein Motorrad möglichst nicht zur Seite kippt, auch das braucht Übung. Schließlich musst du ja das alles in Zusammenhang setzen können mit deiner Umgebung. Lerne die Distanzen einzuschätzen, die du brauchst, um aus gewissen Geschwindigkeiten bis zum Stillstand zu kommen. Bedenke, dass du die Griffigkeit der Straße dabei auch einschätzen musst. Das zu späte Setzen des Bremsbeginns hat gefährliche Folgen. Da darf man sich nicht irren! Das Bremsen muss die natürlichste Sache der Welt sein. Auch ohne Nachdenken müssen du und dein Körper in Stresssituationen wissen, wie das geht. Bremse nie zu viel, vermeide Stress!

Was ist so schlimm, wenn der Reifen beim Bremsen wegrutscht?

Lassen wir die Kirche im Dorf. Natürlich ist es bei geringen Geschwindigkeiten kein Problem, etwa mit dem Fahrrad das Hinterrad auf einer Sandstraße blockieren zu lassen. Das zu üben macht sogar Spaß. Am Motorrad sind allerdings größere Massen unterwegs und man ist in der Regel in höheren Geschwindigkeitsbereichen. Selbst wenn nur das Hinterrad blockiert, kann das in Kurven zu einem seitlichen Wegrutschen und zum Sturz führen, wenn man die Bremse nicht rechtzeitig löst. Bei höheren Geschwindigkeiten kann das sogar auf geraden Strecken problematisch werden. Beim Vorderradrutscher (weil vorne zu viel gebremst wurde) ist es auch auf geraden Strecken ein großes Problem und sollte unbedingt vermieden werden! In der Kurve sowieso, da haben nur sehr erfahrene Reiter die Reflexe, um so etwas abzufangen. Ein überbremstes und wegrutschendes Vorderrad ist die häufigste Sturzursache!

Wie soll ich denn üben, wenn ich den Grenzbereich nicht kenne?

Wenn du diesen Grenzbereich kennenlernen möchtest, dann suche dir eine Stelle aus, wo du Platz hast, einen Feldweg wo du alleine bist oder einen leeren Parkplatz etwa! Den Hinterradrutscher beginne vorerst auf der Geraden zu kontrollieren. Du kannst dann vorsichtig die Schräglage erhöhen. Achte aber immer darauf, dass alles kontrolliert abläuft!

Den Grenzbereich des Vorderreifens kannst du mit entsprechender Übung auch erfahren

Tipp: Rolle auf einem nicht so griffigen Untergrund mit Schrittgeschwindigkeit, nimm vielleicht die Beine rechts und links zum Stabilisieren bereits von den Fußrasten. Wenn du jetzt eine Schreckbremsung simulierend plötzlich die Vorderradbremse ziehst, musst du dir schon vorher vorgenommen haben, die Bremse kurz (Zehntelsekunden) nachher wieder zu lösen. Wenn du das ein paar Mal machst, bekommst du ein Gefühl dafür, ab welcher Bremsleistung der Reifen wegrutscht. Du lernst damit außerdem die Erfahrung, dass der stillstehende Reifen seitlich wegrutscht, sobald er sich wieder dreht, stabilisiert er die Front. Aber Vorsicht! Was du da lernst, gilt nur auf diesem Untergrund bei dieser Geschwindigkeit. Du kannst diese Erfahrung also nicht eins zu eins auf das Fahren im Straßenbereich umsetzen! Es gilt noch immer: Das Blockieren eines Reifens ist auf der öffentlichen Straße unbedingt zu vermeiden!

Und in der Kurve, wie bremse ich da?

Wie bereits besprochen sollte in der Kurve speziell der Vorderreifen auf den ersten Lernkilometern auf gar keinen Fall wegrutschen. Außerdem kannst du in der Kurve oft viel weniger bremsen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du bei Kurvenfahrten dir mehr Reserven durch vorausschauendes Fahren oder geringere Geschwindigkeit bereit hältst. Trotzdem wirst du auch in Kurven manchmal bremsen müssen. Es gilt grundsätzlich dasselbe wie auf einer Geraden, nur dass du noch weicher, noch kontrollierter bremsen können musst. Außerdem haben viele Fahrwerksgeometrien ein sogenanntes Aufstellmoment. Lerne es kennen und damit umgehen. Überhaupt ist das Verändern der Geschwindigkeit in der Kurve eine weitere Aufgabe, die das Hirn und dein Körper lange üben müssen.

Motorradfahren lernen - richtig bremsen in der Kurve
Natürlich kann auch in Kurven Bremsenergie übertragen werden - aber der Grenzbereich ist klein!

Next Level: Notbremsen

Nachdem hier einmal die Grundlagen des Bremsens besprochen wurden, kannst du darauf aufbauend deine Bremstechnik weiter verbessern. In verschiedensten Spezialsituationen sind da noch eine Menge weiterer Punkte zu beachten und zu beherrschen. Der nächste Schritt ist sicher das Beherrschen einer Notbremsung, wo es wirklich darauf ankommt, einen möglichst kurzen Bremsweg sicher zu realisieren. Danach folgen fortgeschrittene Bremsstrategien für verschiedene Fahrsituationen, also das Bremsen in Kurven, bergab, auf rutschigem Untergrund sowie Bremsen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bremssysteme CBS, ABS und Kurven-ABS. Wähle deine Geschwindigkeiten in jedem Fall stets mit Reserven, da du noch nicht optimal bremsen kannst und länger als die physikalisch mit Übungen machbare Strecke brauchst um deine langsamere Zielgeschwindigkeit, möglichst schon auf der Geraden, zu erreichen!

Nachschlagewerk: So geht das! Wie man was findet

Auch wenn das 1000PS Nachschlagewerk nicht auf einmal sondern bis Ende des Jahres immer weiter ergänzend erscheint, ist es am Ende eine große, einem Lexikon ähnliche, Database, in der man nach Kapiteln und Absätzen geordnet auf die häufigsten Fragen, die in den 1000PS-Foren in den letzten Jahren gestellt wurden, eine Antwort findet.

Die umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS im Überblick:

Entdecke unsere umfassende Serie "Motorradfahren lernen" auf 1000PS, in der wir alle Aspekte des Motorradfahrens behandeln. Von der Wahl des richtigen Motorrads, über die korrekte Bedienung von Kupplung und Bremsen, bis hin zur optimalen Körperposition und Kurventechnik. Wir zeigen dir, wie du moderne Fahrassistenzsysteme nutzt, bei Nacht oder auf nasser Fahrbahn sicher fährst und sogar wie du Notmanöver meisterst. Egal ob du Anfänger bist oder deine Fähigkeiten verbessern möchtest, unsere Serie bietet wertvolle Tipps und Ratschläge für jeden Fahrer. Tauche ein in die Welt des Motorradfahrens mit 1000PS!

Bericht vom 11.06.2024 | 15.688 Aufrufe

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