45 Yamaha Niken bei der Tour de Suisse 2022
Sicherheitsdienst der Schweizer Radrundfahrt vertraut auf Yamaha
Die Partnerschaft zwischen Yamaha und der Tour de Suisse hat sich bereits seit mehr als 30 Jahren bewährt. Und auch dieses Jahr wurde der Sicherheitsdienst mit 45 Yamaha Niken bzw. Niken GT ausgestattet, um den reibungslosen Ablauf des UCI World Tour-Radrennens sowie die Sicherheit der Sportler zu gewährleisten.

Zur besseren Einordnung des Stellenwerts des Sicherheitsdienstes und des logistischen Kraftakts dahinter folgen ein paar Hintergrundinformationen zur Tour de Suisse 2022. Denn die 85. Ausgabe der Schweizer Landesrundfahrt ist nicht einfach nur eine sportliche Großveranstaltung, bei der 23 Teams mit 161 Fahrern in acht Etappen insgesamt 1.340 Rennkilometer mit mehr als 21.000 Höhenmetern zurücklegen; vielmehr handelt es sich dabei um ein großes Volksfest mit rund 850.000 Zuschauern am Straßenrand und um ein echtes TV-Highlight für Radsportfans in aller Welt.
Straßenrennen sind schlecht planbar und riskant
Nun ist es aber gar nicht so einfach, dass die Rennradfahrer am Wettkampftag die komplette Strecke hindernisfrei befahren können, denn das Teilnehmerfeld erstreckt sich oft über mehrere Kilometer und das tatsächlich gefahrene Tempo hängt von vielen Faktoren ab, die sich schlecht im Voraus planen lassen. Denn Straßenrennen sind sehr dynamisch, sprich: taktisch schwer auszurechnen, und es gibt je nach Rennverlauf Solofluchten oder Fluchtgruppen, das Hauptfeld, taktische Überraschungen, strategische Fehler, konditionelle Einbrüche oder die gefürchteten Stürze. Zu allem Überfluss spielt sich das Schauspiel bei hohen Geschwindigkeiten auf teils schlecht asphaltierten, gar gepflasterten Straßen oder engen Ortsdurchfahrten ab.
Durchschnittsgeschwindigkeiten von 50 km/h beim Einzelzeitfahren oder Höchstgeschwindigkeiten von über 100 km/h in den Abfahrten sind bei einem so hochkarätigen Rennen keine Seltenheit, denn die Rennradfahrer sind hart im Nehmen und riskieren bei wirklich bei jedem Wind und Wetter Kopf und Kragen.
Viel Verkehr auf und abseits der Strecke
Um das spannende Renngeschehen und die großartige Stimmung auf der Strecke wiederzugeben, sind bei der Tour de Suisse sieben fest installierte Kameras im Zielgelände sowie zwei stabilisierte Helikopterkameras und vier mobile Motorradkameras im Einsatz, bei denen jeweils ein Fahrer und ein dahinter sitzender Kameramann mit waghalsigen Manövern versuchen, die besten Livebilder einfangen. Die Aufnahmen der Motorradkameras und der beiden Helikopter gelangen in Echtzeit über ein Flugzeug, das auf etwa 8.000 Meter Höhe kreist, zum Übertragungswagen am Etappenziel, um anschließend zu Fernsehstationen auf der ganzen Welt übertragen zu werden.

Zu allem Überfluss gesellen sich zu diesem TV-Aufgebot 23 Teamautos, die Fahrzeuge der Rennleitung, die Rettung und viele weitere Begleitfahrzeuge, welche allesamt - wie auch die Rennradfahrer - mit zahlreichen Herausforderungen zu kämpfen haben: den schmalen Straßen, Serpentinen, engen Kurven, hohen Geschwindigkeiten, unterschiedlichsten Untergründen, Nässe, Kanaldeckel, Bitumenstreifen, wechselhaften Temperaturen, dem dichten Verkehr und dem Spalier von mit Transparenten, Kuhglocken, Plastiksackerl und Smartphones bis an die Zähne bewaffneten Zuschauern am Straßenrand.
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45 Yamaha Niken begleiten die Tour de Suisse
Um trotz allem einen reibungslosen Ablauf zu garantieren, sorgt der Sicherheitsdienst mit seinen 45 Motorrädern dafür, dass die Rennfahrer am Wettkampftag die Strecke hindernisfrei befahren können. Jeweils zehn Minuten bevor die Athleten eine Passage erreichen, wird der Gegenverkehr gesperrt, Verkehrsinseln, Kreisverkehre und Hindernisse werden mit Sicherheitsleuten besetzt und andere sicherheitsrelevante Vorkehrungen getroffen. Die Totalsperre der Straße erfolgt dann fünf Minuten vor der Durchfahrt. Und nachdem das letzte Fahrzeug passiert hat, werden die Sicherheitsleute wieder eingesammelt und zu ihrer nächsten Station gebracht.
Um diese anspruchsvollen Aufgaben entsprechend wahrzunehmen, benötigt der Sicherheitsdienst optimal funktionierende Fahrzeuge. Hier schließt sich der Kreis zur Yamaha Niken, denn welches Motorrad könnte sich für diese Aufgabe besser eignen als ein Sporttourer, der das Maximum an Langstreckentauglichkeit, Komfort für Fahrer und Beifahrer und Sicherheit bei Kurvenfahrten miteinander vereint?
1000PS Testfahrt auf der zweiten Etappe der Tour de Suisse 2022
Neben den 45 Niken-Fahrern vom Sicherheitsdienst erhielt auch 1000PS eine Niken GT, mit der NoPain die zweite Etappe über 199 Kilometer von Küsnacht nach Aesch absolvieren durfte. Selbstverständlich nicht mitten im Getümmel, sondern vorne weg - ganz ohne Rennstress. Wir wollten ja niemanden gefährden.
Relativ schnell kristallisierte sich heraus, dass die Yamaha Niken (fast) genauso wie ein herkömmlicher Sporttourer fuhr. Dabei lief sie selbst auf den engsten Bergstraßen sprichwörtlich wie auf Schienen, blieb aber stets agil genug, um in schnelleren Radien nicht übermäßig träge zu wirken. Selbstverständlich gibt es aber überall da, wo viel Licht ist, auch Schatten, und so ist Yamaha mit ihrer sogenannten "Leaning Multi Wheel"-Neigetechnologie auch nicht die Quadratur des Kreises gelungen. Verglichen mit einer fahrbereiten Yamaha Tracer GT (220 kg) ist die Niken GT (267 kg) aufgrund ihrer komplexen Technik um 47 kg schwerer, was sich natürlich bei der Beschleunigung und generell in der Fahrdynamik niederschlägt. Zwar besitzt der hochgelobte Cross-Plane-Dreizylinder aus der MT-09 mit seinen 115 PS und 87.5 Nm bei 8,500 U/min genügend Schmalz und wurde mit etwas mehr Schwungmasse und einer anderen Endübersetzung perfekt an das Einsatzgebiet der Niken angepasst, konnte aber beim Rausbeschleunigen nicht über die deutlich höhere Masse hinwegtäuschen. Darüber hinaus ließen sich die beiden Vorderräder mit ihrem mächtigen Grip etwas temperamentloser steuern als ein sportliches Motorrad, das nur über ein Vorderrad verfügt.
Konzeptvergleich: Dreirad vs. Zweirad
Zeit für ein kurzes Zwischenrésumé von NoPain nach seinem ersten Fahrtag: "Die Yamaha Niken ist eine echte Ausnahmeerscheinung und bietet kontrollierten Fahrspaß wie kein anderes Motorrad, kann aber auch keine Wunder vollbringen. Wie bei jedem Zweirad kann man mit ihr stürzen, beim Anhalten muss der Fuß abgestellt werden und zum Parken braucht es den Seitenständer. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein und derselbe versierte Fahrer auf einer MT-09 bei guten Wetter- und Asphaltbedingungen schnellere Rundenzeiten in den Asphalt brennen würde. Aber je schlechter und schwieriger die Witterungsbedingungen - ganz besonders bei weniger versierten bzw. müden/erschöpften Piloten umso mehr schlägt die Stunde der Niken. Aus diesem Grund ist die Yamaha Niken gerade für extreme Herausforderungen, wie bei der Tour de Suisse, von allen Tourenmotorrädern, die es derzeit am Markt gibt, wohl die beste Wahl."
Mit der Yamaha Niken in der Stadt
Nach seiner Proberunde war sich NoPain relativ sicher, dass die Niken - auch ohne Rennstress - sowohl Überland als auch in der Stadt eine gute Figur abgeben würde, wenngleich sie zum Vormogeln an der Ampel etwas breit daherkommt und unter dem Sitz, wie jedes gewöhnliche Motorrad, keinerlei Stauraum für Helm & Co. bereitstellt. An dieser Stelle möchten wir euch noch ein paar Informationen geben, die für Commuter und Citybiker interessant sein könnten: Mit ihrer Spurbreite von 410 mm, ist die Yamaha Niken in unseren Breitengraden als "Zweirad" typisiert. D.h. man braucht zum Fahren den Motorrad-Führerschein. Auch beim Kauf einer österreichischen Autobahnvignette gilt das dreirädrige Fahrzeug seit 2020 als "einspurig", sprich: als Motorrad. Davor war die teurere PKW-Vignette erforderlich. Allerdings gilt die Niken beim Abstellen in der österreichischen Kurzparkzone, unabhängig von der Typisierung, wegen ihrer drei Räder als mehrspurig und ist nicht, wie einspurige Motorräder, von der Parkdauer und -gebühr ausgenommen.
Zusammenfassung der technischen Highlights
Allzu tief möchten wir in diesem Bericht nicht in das Technikthema eintauchen, da es auf 1000PS bereits einige Testberichte von Mex, Nils, Vauli und McGregor gibt, in welchen sie sehr detailliert auf die technischen Besonderheiten eingehen. Aber für alle unter euch, die sich bis dato noch gar nicht mit der Niken beschäftigt haben, folgt eine knackige Zusammenfassung.
Unübersehbar besitzt die Yamaha Niken zwei Vorderräder mit je einer doppelten Upside-down Gabel; sie schöpft ihre Kraft aus den drei Zylindern des von der MT-09 bekannten CP3-Motors und bietet ein unerwartet sportliches Fahrverhalten mit nahezu grenzenlosem Grip. Für das angesprochene Kurvenfahrten-Erlebnis zeichnen sich vor allem die beiden 15-Zoll-Vorderräder mit den speziell dafür entwickelten 120er Pneus von Bridgestone verantwortlich - denn doppelt hält bekanntlich besser. Diese doppelte Vorderradführung mit Neigetechnik bietet aber nicht nur ein besonders hohes Sicherheitsgefühl bei Kurvenfahrten, sie erlaubt auch sportliche Schräglagen von bis zu 45 Grad und schluckt Schlaglöcher und Fahrbahnunebenheiten wie kein anderes bekanntes Fahrwerkskonzept.
Die Niken überraschte mit ihrem sportlich straffen Fahrwerk
Die doppelte Upside-Down-Gabel an der Front verrichtet dabei straff ihren Dienst. Das vordere Standrohr misst 41 mm, das hintere, welches hauptsächlich die Dämpfungsarbeit übernimmt, 43 mm. Zudem sind jeweils Druck- und Zugstufe einstellbar. Am Heck arbeitet ein gleichermaßen sportlich abgestimmtes und voll einstellbares Kayaba Federbein. Mittels hydraulischem Handrad lässt sich hier zudem die Vorspannung mit wenigen Handgriffen einstellen. Zusammen mit der straff gepolsterten Sitzbank vermittelt die Niken ein direktes und transparentes Feeling. Im sportlichen Fahrbetrieb ist dann schlussendlich der 190er Hinterreifen der limitierende Faktor. Aber er gibt gutes Feedback und kündigt die Haftungsgrenze rechtzeitig an - den Rest erledigt die dreistufige Traktionskontrolle.
Darüber hinaus hat die Niken die wichtigsten Assistenzsysteme an Bord: ABS, Tempomat, Anti-Hopping-Kupplung sowie einen Quickshifter zum Hochschalten. Leider funktioniert der Schaltassistent bei niedrigen Drehzahlen relativ rau und besitzt keine Blipperfunktion zum komfortablen Runterschalten.
Ergonomie top, Rangieren am Stand flop
Umso gelungener fällt die Ergonomie aus. Die Sitzposition ist eher aufrecht und tourentauglich, die Sitzhöhe von 820 mm im liegt im normalen Nakedbike-Bereich, der Kniewinkel ist relativ entspannt und die Beine finden eine bequeme Position an Tank und Verkleidung. Gefällig ist auch der breite Lenker, der ein spielerisches Dirigieren durchs Kurvengeschlängel erlaubt und der Windschutz des hohen Windschilds der GT-Variante, sofern man es schafft, sich tief genug zu ducken. Ein 18 Liter Alu-Tank, gut sichtbare und großen Spiegel mit integrierten Blinkern, kräftige LED Scheinwerfer sowie das gut ablesbare TFT-Display runden die Tourenfreundlichkeit ab.
Auch die Bremsleistung geht trotz des hohen Gewichts in Ordnung, ist aber bei weitem nicht so bissig wie an der MT-09. Vorne verzögern links und rechts jeweils eine 4-Kolben Bremszange mit einer 298er Scheibe, am Heck sorgt eine Scheibe mit 282 mm gemeinsam mit der ausgewogenen Gewichtsverteilung des Fahrzeugs für ordentliche Verzögerung.
Einzig das Rangieren am Stand fiel uns wegen des hohen Gewichts, der breiten Sitzbank und der exponierten Fußrasten gar nicht so leicht.
Die speziellen Features der Niken GT
Die hier vorgestellte GT Version besitzt serienmäßig ein umfangreiches Zubehörpaket, das die Langstreckentauglichkeit bei jedem Wetter und für jede Jahreszeit deutlich erhöht. Dazu gehören das hohe Windschild, die Komfortsitzbank, Heizgriffe, halbfeste aber nicht wasserfeste 25-Liter-ABS-Seitenkoffer, ein Heckgepäckträger mit Beifahrer-Haltegriffen, der Hauptständer und eine zweite 12V-Steckdose. Diese Teile und viele mehr findet ihr auch einzeln im umfangreichen Yamaha Zubehörprogramm für die Niken.
Egal, ob einem das Design gefällt oder nicht: die Niken polarisiert und brachte ein völlig neuartiges Fahrerlebnis in die Motorradwelt, das - wie auch ihr futuristischer Auftritt - bis zum heutigen Tag nichts an seinem Reiz verloren hat. Auf jeden Fall empfehlen wir eine ausgedehnte Probefahrt, damit ihr euch ein eigenes Bild von Yamahas Kurvenwunder machen könnt.
Bericht vom 23.06.2022 | 11.599 Aufrufe