Stardesign Slovakia

Wetterbericht vom Slovakiaring. 14 Grad Luft, 16 Grad Asphalt. Eiskalte Leidenschaft.

Was vom Tage übrig blieb: Nichts, außer ein paar Transportschäden.

 

Rain-Men-Racing am Slovakiaring

Manchmal schei...regnet's uns eine. Ein Spitzenpreis, eine brandneue Strecke und ein schwer motiviertes Starterfeld konnten den Regen nicht davon abhalten, einen wunderschönen Tag am Ring zu ruinieren.

 
Nach Bekanntgabe des Sensationspreises von Euro 59,90 für die Pirelli und Metzeler Reifentesttage am Slovakiaring bei Stardesign und Brand-Racing konnte ich mich das erste Mal in das nicht vorhandene Kleinhirn einer kaufwütigen Powershopperin hinein versetzen. Man braucht den String Tanga zwar nicht (weil sie/man(n) ihn eh gleich wieder auszieht), aber man muss bei diesem Schnäppchen adabei sein.

Nach der prompten Anmeldung und dem ersten Videostudium des Slovakiarings mit der Start-Ziel Geraden und den 4 Geländekuppen wollte ich kurzfristig bei Stardesign wegen einer plötzlich auftretenden Mumpserkrankung absagen und eine Gutschrift einfordern. Eine Anfrage beim bremsenden Notar wegen einer Teilnahme ergab, dass er sich vorsorglich sämtliche Termine seiner Chefs und seiner Sekretärinnen und der Putzkleschen in den Terminkalender für den 26.07.2010 eingetragen hatte, da die chronische Panikattacken vor der Hochgeschwindigkeitsstrecke dann doch zu groß waren. Im Detail zu den Teilnehmern:

 
Rabu vom Gösser Team:

Hauptaktionär der Gösser Bier Holding AG und Träger sämtlicher Ehrenabzeichen von Beertender, wenn nicht gerade mit dem Versiegeln seines aufgepimpten Audi S6 (geht unfassbar) beschäftigt, ausschließlich auf der Hausstrecken zwischen Stotzing und Hof zu finden, wo er sich mit der Rennleitung tägliche Fights wegen angeblich absichtlicher Geschwindigkeitsüberschreitungen liefert; eine nicht zu überholende Macht auf der Strasse, weil breiter als jeder burgenländische Mähdrescher; unterwegs auf einer ausgewetzten Pan European, die nach Demontage des Reisezubehörs ausschaute wie Mob der Zackenbarsch.

KOT 1000ps:

Nachdem es ihm endlich gelungen ist , seine Angetraute von den Vorteilen einer Verlobung, die nur er kennt, zu überzeugen, das erste Mal auf der Rennstrecke nicht ganztätig grantig, obwohl er trotz Navigationssystem bei strömendem Regen nicht ins Hotel fand und anstatt dessen irrtümlich (offenbar, um noch einmal im Leben etwas zu erleben) im zweiten in der Nähe des Slowakiarings befindlichen Schwulenhotel BONBON einchecken wollte.

Mother in Law:

Nachdem der Asphalt 3 Tage vor dem Ringevent wegen der sengenden Hitze der geliebten Honda SP-1 bei einer trivialen Autobahnabfahrt nicht standgehalten hat, wieder im Stress auf der Suche nach Kupplungshebel, Auspuff etc.; am besten Weg die Nachfolge von Harry Geier dem Sturzpiloten anzutreten, mit 3 Zielsetzungen für den Ringtag unterwegs : eine respektable Zeit zu erfahren, den V2 auf der Geraden unter Vollast auszudrehen und nicht Letzter beim Sternchen Rennen zu werden. Soviel kann man jetzt schon sagen: Nichts wurde erreicht.


Die Anreise gestaltete sich bei 15 Grad und strömendem Regen äußerst einladend, nur die am Strassengraben auf Kundenfang stehenden, komplett durchnässten Blasroboter taten uns (außer KOT) mehr Leid als wir uns selbst. Das Legend Hotel (www.legendhotel.sk) ein absoluter Geheimtipp: Riesige neue Zimmer, unglaubliche Rump Steaks und ein Wellnessbereich (wer ihn für seine weichen Eier braucht) um 35 Euro pro Mann/Frau und Nase.

Geheimtipp:
Beim Abendessen dem Kellner einen großzügigeren Tip geben, dies stellt sicher, dass man am nächsten Tag sein Arbeitsgerät in ganzen Teilen am Parkplatz wieder vorfindet. Nachdem es mir unter Zuführung von 5 Heineken und diversen Spirituosen gelungen war, zumindest 4 Stunden zu schlafen, die nächste Überraschung. Ein ausgedehntes Tief hatte sich über Nacht über den Slovakiaring gelegt, 16 Grad, dazu beißender Wind und wie in Tom Hanks Forrest Gump abwechselnd Sprüh- und Platzregen waagrecht, senkrecht als auch von unten nach oben.

Der erste Turn mit dem Instruktor, den angesichts der Wasserfontänen auf der Strecke und der Unkenntnis von der Strecke jeder Erst-Teilnehmer bitter notwendig hatte, gestaltete sich wie ein Gänsemarsch bei der Toy Run. Hinter mir brüllte eine ambitionierte, mit einem Moto GP Exhaust bestückte Benelli, was aber angesichts der Straßenverhältnisse vollkommen lächerlich war. Die ersten zwei Turns absolvierte Rabu vom Gösser Team mit seinem Strassen-Elefanten ohne Ohren als Einziger auf herkömmlichen, abgefahrenen Straßenreifen, währenddem Kot und ich mit den Hypersportreifen angefressen in Vollmontur auf der Tribüne fröstelten.

Im dritten Turn wagte ich mich dann doch auf die Strecke, die ersten Eindrücke waren überwältigend: Man kommt sich am Slovakiaring bei der Entjungferung vor wie Winnetou mit seinem Pferd Iltschi in der weiten Prärie: links und rechts unendlich viel Platz und keine Ahnung wo es lang geht. Für Leute, die IQ mäßig knapp vor der Besachwalterung stehen, ist die Strecke ungeeignet, da man sich das Kurvengewinde nach den ersten drei Kurven keinesfalls merken kann. Sehr ungewohnt sind generell die recht asymmetrischen Kurven, die teilweise urplötzlich zumachen, sodass man sich überall vorfindet nur nicht auf der Ideallinie. Guter leicht gesagter Tipp vom Instruktor: immer in der Mitte bleiben (und damit unweigerlich den anderen im Zick-Zackkurs im Weg umherstehen).

Nach den ersten zwei Runden begab ich mich mit meinen, 3 Grad über Speiseeis warmen Pirellis, auf eine für meine Verhältnisse zügige Durchfahrt, was mein Hinterradl wie mit Gleitgel eingeschmiert zweimal ohne Vorwarnung mit einem Rutscher quittierte, Die Start-Ziel Gerade ist dermaßen lang, dass man sich einsam vorkommt wie bei einem Urlaub am Bauernhof, sodass ich ob meiner bleiernen Müdigkeit und angesichts der trüben Sichtverhältnisse wie bei Tod in Venedig auf der Geraden zweimal kurz einnickte.

Wie schön, eine zweite SP-1. Schuhe anziehen war an diesem Tag nicht notwendig.

Bei den Kuppen (zumindest bei einer) gibt es drei Varianten zum Überqueren: Eine vorherige Bremsung weil man keine Ahnung hat, wie's weitergeht und somit die Reaktionszeit der hinteren Fahrer überprüfen, oder vorher Gas wegnehmen und genüsslich drüber cruisen, oder voll draufbleiben und einen Abheber riskieren.
Als Richtmaß gilt: Man sollte schon das Gefühl haben, dass der Magen etwas ausgehoben wird, andernfalls sollte man sich eine Anmeldung bei einem Sockenstrick- und Heimwerkerkurs überlegen.

Nach dem Turn offenbarte der Blick auf den Monitor, dass ich nur Fünftletzter beim Sternchen Race Qualifying wurde, von einer respektablen Zeit war ich aber Lichtjahre entfernt. Nach einem weiteren Regenguss um 13 Uhr war zumindest für uns die Regenparty zu Ende.

Der 1000PS-Fan ist immer und überall.

 

Trost war auf jeden Fall, dass weitaus schnellere Fahrer aus Deutschland angereist waren und mit den Slicks wieder unverrichteter Dinge die Heimreise antraten und mir Kot (offenbar absichtlich) beim Einpacken noch ein großes Cut am Kotflügel meiner SP-1 zufügte, was wahrscheinlich in einem Rechtsvergleich in einem zivilgerichtlichen Verfahren ausarten wird, nachdem er Vorsatz und Fahrlässigkeit an Ort und Stelle abgestritten hat. (Zeugen dringend gesucht!!!)

Fazit:
Trotz der Wetterkapriolen bleibt der Slovakiaring eine interessante als auch die Angststreifen sehr herausfordernde Alternative zum Pannoniaring, die Perfomance in der Hose als auch am Gasgriff erfordert. Vielleicht war es auch gut so, dass es beim ex ante Petting der Strecke blieb, so bleibt die ganze Angst über die Schweiz Motorradtour hinaus bis zum nächsten Mal bei trockenen Verhältnissen zur Gänze konserviert.


 

Interessante Links:

Text: MotherInLaw
Fotos: Mother, Kawamaus

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Bericht vom 05.08.2010 | 4.044 Aufrufe

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