Harley-Davidson Road Glide Limited CVO Test
Mit dem irren Luxusdampfer durch Kalifornien
Der heilige Gral unter den Traditionsmaschinen aus Milwaukee trägt seit geraumer Zeit das Kürzel CVO im Namen. Anlässlich des 120 jährigen Bestehens von Harley-Davidson bot sich die einzigartige Gelegenheit diese besondere Road Glide zu testen.
120 Jahre Harley sind ein Grund zu feiern
Als am längsten durchgängig produzierender Motorradhersteller der Welt dürfen Geburtstagsgeschenke ruhig etwas größer und extravaganter ausfallen. So feiert Harley-Davidson sein Jubiläum mit den spektakuzlären und limiteriten Jubiläumsmodellen 120th Anniversary. Wem diese in einem patentierten Verfahren durch eigens entwickelte Roboter aufgebrachte Jubiläumslackierung und das Art-Deco Logo am Tank nicht ausreichen, dem bietet Harley noch den absoluten Überhammer an.
Harley-Davidson Road Glide Limited CVO - ein Augenschmaus der besonderen Art
Eine auf 1500 Stück limitierte schwarz-rote Perle mit handgearbeiteten goldenen Linierungen und Chrom soweit das Auge reicht. Die Anniversary Black und Heirloom Red genannten Farbtöne präsentieren sich in einer glitzernden Metallic-Ausführung, die in der Sonne Kaliforniens mit dem glänzenden Chrom am Bike um die Wette strahlt. Betrachtet man die Maschine im Profil, kommt der dynamische Adler, der seine mächtigen Schwingen über die gesamte Flanke - von der wuchtigen Front bis hin zu den seitlichen Stretched Saddlebags ausbreitet, besonders eindrucksvoll zur Geltung. Worte können den Detailgrad und die kunstvolle Durchführung der Arbeiten an dem Grand American Tourer nur unzureichend beschreiben. Selbst die wirklich gelungenen Aufnahmen der Photographen vermitteln nur einen müden Abklatsch des in der Realität wirkenden Eindrucks der Road Glide Limited CVO. Diesen Anblick muss man mit eigenen Augen erleben. Der Besitzerstolz beim Betreten der Garage lässt das Herz sicherlich jedes Mal höher schlagen.
Passend zur außergewöhnlichen Lackierung der High-End Harley hat man sich auch in den anderen Design-Abteilungen des Traditionsherstellers ordentlich ins Zeug gelegt. Das ausladende Gestühl in dem Fahrer und Sozius Platz nehmen zeichnet sich durch feinste Materialien - etwa ein spezielles Outdoor-Alcantara -, abgesteppte rote Nähte und eingestickte CVO-SChriftzüge aus. Die gesamte Amaturenlandschaft mit Ausnahme der Knöpfe ist entweder lackiert oder verchromt. So blitzt und glänzt es auch aus der Fahrerperspektive im Sattel der Maschine, dass es eine wahre Freude ist.
Produkttipps
Wenn die Verkleidung vorlegt, kann der Motor nicht zurückbleiben
Apropos wahre Freude: Während sich die reguläre Road Glide mit der kleineren AUsbaustufe begnügen muss, greift man beim CVO Modell ganz oben ins Regal. Der legendäre 117 cubic inch V2 mit 1923 Kubikzentimetern Hubraum und 166 Nm maximalem Drehmoment lässt wohl das Herz jedes Fahrers höher schlagen. Im direkten Vergleich zu seinem 114er Pendant spürt man die zusätzlich zur Verfügung stehende Kraft des Aggregats deutlicher, als es die nackten Daten vermuten lassen. Da wir beim Test beide Varianten der Road Glide bewegen dürfen, drängt sich ein Kräftemessen direkt auf, der 117er entscheidet das Duell mit Leichtigkeit für sich. Ebenfalls deutlich überlegen ist der große Twin beim Thema Sound. Bereits das kleinere Triebwerk vermittelt das typische unaufgeregte kernige V2-Bollern, das oft kopiert und nie erreicht wird. Steigt man dann aber auf die CVO um, bietet sich ein deutlich frecheres fordernderes Klangbild - dieser Motor will und kann. Der Serienklang der zweiflutigen Anlage lässt den Bedarf an Nachrüstsystemen gegen Null tendieren, zumindest bei mir.
All das ist wenig verwunderlich, deutet Harley-Davidson doch bei diesem Triebwerk durch massiven Einsatz von Chrom und der in kräftigem Rot strahlenden Lackierung der Zylinderkopf-Abdeckungen an, dass es bei der CVO ans Eingemachte geht. Ein Detail, das andere Modelle mit dem 117er Powerhouse ziert, hat man bei der Road Glide weggelassen: Der heavy-breather genannte, exponiert an der rechten Motorseite angebrachte, Schnorchel, der den Luftfilter beherbergt, entfällt zu Gunsten der erhöhten Bewegungsfreiheit des Unterschenkels, gut so.

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Ausstattung Harley-Davidson Road Glide Limited CVO
Die Auflistung aller Features würde den Rahmen dieses Fahrberichts eindeutig sprengen. In aller Kürze darf ich dem werten Leser daher versichern, dass die Road Glide Limited CVO mit allem ausgerüstet ist, was das Leben und Reisen auf zwei Rädern erleichtert. Von Griff- und Sitzheizung (und optional -kühlung!) über Tempomat bis hin zum Navi samt Touchscreen ist die Ausstattung wirklich üppig. Was sucht man vergeblich? Quickshifter, Radarsystem, verstellbares Windschild.
Harley-Davidson Road Glide Limited CVO - Fahreindrücke
Bevor ich auf die Erlebnisse im Sattel der Spitzen-Harley eingehe, muss ich ein Geständnis ablegen: Obwohl ich schon mehrere Tourer aus Milwaukee bewegen durfte, habe ich das Thema Grand American Touring bisher nicht verstanden. Die engen und teilweise verkehrsreichen Straßen Österreichs, auf denen ich im Sattel von Street Glide und Co. schon unterwegs war, ließen mich an diesem Motorradkonzept zweifeln. Auf menschenleeren US-amerikanischen High- und Freeways, die sich in weiten Bögen am Pazifik entlang oder in die hügeligen Weingegenden Kaliforniens ziehen, kommt mir die Erleuchtung. Auch so kann Motorradfahren und Motorradreisen Freude bereiten. Die Traumstrecken ab Santa Barbara habe ich euch natürlich auf Calimoto mitgetrackt.
Man setze den Tempomaten auf 70 MPH, klappe die Highway-Fußrasten, die links und rechts and er Verkleidung angebracht sind aus und lehne sich im Komfort-Sattel zurück. Die Beschallung erfolgt wahlweise durch die serienmäßigen Rockford-Fosgate Surround Soundanlage oder aus den chromglänzenden Endrohren der CVO. Bestens vor Wind und Wetter geschützt, lassen sich lange Etappen stilgerecht mit Jethelm und Sonnenbrille genießen. So entspannt lässt man den Blick dann über die sanften Hügel des kalifornischen Hinterlandes oder über die schroffen Formationen des Küstengebirges entlang des Big Sur schweifen. Noch schöner ist diese Erfahrung in der Gruppe. Das Bollern mehrerer V2-Aggergate die in Formation über einen Highway ziehen verbindet auf eine Art, die man erlebt haben muss, um sie zu verstehen.
Am Nachmittag werden die Routen enger und die Formation löst sich auf. Die engen Pfade, die sich oberhalb von Santa Barbara durch die Santa Ynez Mountains ziehen nötigen mir im Sattel des 437 Kilogramm schweren Schlachtschiffes durchaus Respekt ab. Doch bereits nach wenigen Kilometern gelingt mir auch das Durchfahren kleinster Rechtskehren bergauf problemlos. Unglaublich, wie gut die Harley Davidson Road Glide ausbalanciert ist. Das gute Einlenkverhalten hätte ich dem Vorderrad in den Dimensionen 130/60/19 nicht zugetraut. Der steile Lenkkopfwinkel von 26 Grad hilft, die Maschine mit einem Radstand von immerhin 1625mm agil zu halten.
Hat man sich auf diese Art von Motorradfahren eingelassen, stört es nicht, dass weder Bremsen noch Fahrwerk der CVO auf Spitzenniveau arbeiten. Wer im Sattel der Road Glide die Hausstrecke auf Bestzeitenjagd in Angriff nehmen will, hat das Motorrad ohnedies nicht verstanden. Trittbretterschleifen zeugt eher von mangelndem Respekt vor diesem Kunstwerk, als von hoher Fahrzeugbeherrschung, zumal diese bereits bei überschaubaren Kurvengeschwindigkeiten aufsetzen. Das bedeutet nicht, dass man im Sattel der Harley-Davidson niemals flott unterwegs sein kann. Die hohe Kunst besteht darin, den Dampfer so zu bewegen, dass die Trittbretter einen Millimeter über dem Boden schweben. Kenne deine Grenzen - und die des Motorrads.
Preis und Verfügbarkeit Harley-Davidson Road Glide Limited CVO 2023
Zu diesem Thema verweise ich auf den Vorstellungsbericht der Touring-Maschine. Entgegen der gängigen Praxis verweise ich hier nicht auf den 1000PS Marktplatz. Noch gibt es zwar vereinzelt Exemplare der auf 1500 Stück limitierten Road Glide CVO, will man sich eine in die Garage stellen, sollte man allerdings schnell sein. Ein Großteil der Einheiten wurde blind unmittelbar nach der Präsentation von Sammlern rund um den Globus erworben. Also Bausparer kündigen und beim Harley-Davidson Händler eures Vertrauens ein Bittgesuch einreichen. Die für Harley-Davison typische Wertstabilität dürfte auch bei diesem unglaublichen Sondermodell gegeben sein.
Fazit: Harley-Davidson CVO Road Glide Limited Anniversary 2023
Die Harley-Davidson Road Glide CVO ist ein absolutes Traummotorrad. Für viele (mich eingeschlossen) wird es auch immer ein Traum bleiben, eine zu besitzen. Dennoch ist es nicht möglich, die Ausbildung zum Motorrad-Allrounder, ohne einmal eine Harley-Davidson artgerecht bewegt zu haben, erfolgreich abzuschließen. Mein Tipp: Probefahrt vereinbaren und den US-amerikanischen Spirit des luftgekühlten V2 in einem Reise-Chassis auf sich wirken lassen. Es ist einfach unvergleichlich!- mächtiger 117er Motor
- Absoluter Hingucker
- Ergonomie großartig
- Grand American Touring in Reinkultur
- kunstvolles Design
- guter Werterhalt
- fantastisches Reisemotorrad
- Preis schließt viele Interessenten aus
- Fahrwerk nur durchschnittlich
- Aufpreis verglichen zum Standardmodell heftig
- Windschild nicht höhenverstellbar
Bericht vom 10.04.2023 | 17.804 Aufrufe