Kushitani Racingleder

Heiliges Tuch für Rennfahrerkörper, Kushitani für Rennstrecken-Samurai. 1000ps testet.

Kushitani Racingleder

Das "Hattori Hanzo" unter den Ledern

Reißverschlußsache. Metall und Knieschleifer sind die einzigen Teile am Kushitani-Leder, die ein relevantes Gewicht haben. Du fährst auf dem Motorrad und glaubst, nackt zu sein.

 
"Die haben vergessen, die Kombi in die Kiste zu packen!" Auf jahrelange Sehnsucht und monatelanges Warten würde nun eine riesengroße Enttäuschung folgen. Die Box, die ich in Händen hielt, war viel zu leicht, als daß sie irgendetwas Anderes als Holzwolle, Luftpolsterfolie oder Styroporflocken enthalten hätte können. Als ich sie vor Enttäuschung in die Luft warf, kam sie fast nicht wieder runter, so leicht war sie. Um mich wenigstens am Verpackungsmaterial abzureagieren, öffnete ich sie trotzdem und plötzlich war die Lebensfreude wieder in mich zurückgekehrt. Ich hob das heilige Tuch behutsam mit zwei Fingern aus dem Karton und hielt sie ehrfürchtig vor mich hin wie der Bischof die Monstranz. Mein Körper war zwar unwürdig, mein Geist aber willig. Und so stieg ich hinein...

Ich könnte nur Vermutungen anstellen, wenn ich einen Vergleich ziehen müßte. Vielleicht kommt es jenem Moment am nächsten, wenn Astronauten der NASA nach einem strengen Auswahlverfahren und knochenharter Ausbildung zum ersten Mal in ihren 10 Millionen Dollar Anzug steigen. Es ist das Wissen um die Exklusivität dieser künstlichen Körperhülle und um die Profis, die sie in sorgfältiger Handarbeit in vielen Arbeitsstunden hergestellt haben. Vor allem aber ist es das Wissen um die Exklusivität.

Besonders in einem Lebensbereich wie dem Motorradfahren, in dem es (auch) um das Streben nach Freiheit und dem Ausleben der Individualität geht, will man etwas haben, das sonst keiner hat. Nicht im selben Dorf, nicht in der selben Stadt und nicht im selben Land. Am besten nicht auf diesem Planeten. Weshalb ich mir vor einigen Jahren bei RG Leder die kot-Kombi schneidern ließ. Doch die Zeiten wurden schneller und ich reif für etwas Neues.

Seit ich mich mit dem Thema Motorrad beruflich wie privat auseinandersetze und ich die erste Motorradzeitschrift durchblätterte, ließ mich ein Name nicht mehr los: Kushitani! Was klingt, wie "Halt die Klappe" auf japanisch, ist der traditionsreichste Rennleder-Hersteller der Welt. In älteren Heften war Bekleidung aus Hamamatsu ständig auf Fotos zu sehen (Christian "Zwedi" Zwedorn erinnert sich: "Es war DAS Leder der Achtziger und Neunziger. Das Beste."), doch verschwand sie mit der Jahrtausendwende zunehmend von den Bildflächen. Sollte dem traditionsreichsten Rennkombi-Hersteller der Welt ein ähnlich trauriges und unwürdiges Ende beschert worden sein, wie einst den tapferen Ninja-Kämpfern? (Die dann in noch unwürdigerer Weise durch die Ninja-Turtles ersetzt wurden.) Zum Glück nicht. Auch wenn es Kushitani derzeit in Österreich nicht zu kaufen gibt, ist ein baldiger Wiedereintritt der Marke in unseren Markt durch die Firma Motoport wahrscheinlich.
 

Yin und Yang am Pan. (Foto Pan-Photo)

Obwohl Kushitani keine Kängurus auszieht, um Motorradfahrer damit anzuziehen, sondern Rindviecher, verfügt das Modell K-0045XX über einen unvergleichlichen Tragekomfort, ein äußert geringes Gewicht und die höchstmögliche Reiß- und Abriebfestigkeit. Jedem Hobby-Gourmet dürften die Begriffe "Kobe-Rinder" und "Holstein-Schnitzel" nicht fremd sein. Ersteres sind jene glücklichen heiligen Kühe, die ihr kurzes Leben lang in einem riesigen Garten Eden verweilen dürfen, während sie täglich vom Bauern mit Schnaps eingerieben und massiert werden. Das fein marmorierte Fleisch, das die Tiere in Ruhe und Entspannung aufbauen, zählt neben dem australischen Wagyu zum besten Anti-Gemüse weltweit. Beim Holstein Schnitzel handelt es sich dagegen um eine etwas abartige Schnitzelvariation. Ein Kalbsschnitzel wird mit Spiegelei, geröstetem Weißbrot und wahlweise Sardinen, Sardellen oder anderem stinkenden Fisch belegt. Yummy.

Nur damit keine Verwechslungen entstehen: Beides hat nichts mit dem Leder von Kushitani zu tun. Die Rinder sind zwar ähnlich exklusiv, ihr Fleisch für den Motorradfahrer aber uninteressant. Das Leder nennt sich "Holstein", riecht aber weder nach Fisch noch ist es voller Brotbrösel. Und die Eier muß man selber mitbringen. Und hier sind wir auch schon beim einzigen Manko japanischer Kleidungsstücke. Sie sind in erster Linie für Japaner gemacht. Es kann also schon mal eng werden im Schritt, wenn man eher europäisch oder gar afrikanisch gebaut ist. Da der knappe (Be)Schnitt aber der Grund dafür ist, daß sich der Einteiler beim Geschwindigkeitsabbau auf Asphalt, Schotter und Wiese möglichst wenig am Körper bewegt, nimmt man den Druck auf die Körpermitte mit einem verkrampften Lächeln zur Kenntnis und trägt es wie ein Mann - der man hoffentlich auch bleibt.

Was kot zusammenführt,
soll der Mensch nicht trennen.

Schlüsselanhänger und Sticker statt Knieschleifer. Standard-Slider kosten 33.-, die Racingteile 59,95.-

   
Neben dem exklusiven Leder verarbeitet Kushitani bei seinen Topmodellen ein Material namens Zylon. Dieses Hightech Produkt ist elastisch und dabei 5x widerstandfähiger als Karbonfaser und 7x stärker als Kevlar. Wenn die Rede von edlen Rindern war - vergesst die Rinder, die hochmodernen Textilien sind es, die einen Rennanzug wirklich teuer machen. Und so steht das Modell L-0045 XX mit € 1.895.- in der Liste, wer Knieschleifer dazu haben will, legt nochmal 30 bzw. 60 Euro drauf. Anpassungen der Maße kosten ebenfalls extra. Ohne Aufpreis bleibt hingegen die Möglichkeit der individuellen Farbwahl mit dem Online-Kombi-Creator.

Ich trage mit einem Körpergewicht von 75 Kilo bei 1.80m übrigens die Größe LL, die europäischen 52 entspricht und das Leder sitzt so gut, daß ich es noch etwas eintragen muß. Auf das Schnitzel in der Mittagspause werde ich jedenfalls in nächster Zeit verzichten.

   

Label verpflichtet, mit dem Vulkan im Zenit. 
Proto-Core Leder für den Hardcore-Einsatz.

Auf der Rennstrecke braucht man keinen Führerschein, eine Innentasche darf trotzdem nicht fehlen. Das angenehme Innenfutter ist herausnehm- und waschbar.

An den Arm- und Beinabschlüssen wird offenkantig verarbeitet. Dies verhindert Druckstellen, macht das An- und Ausziehen leichter und ist mitverantwortlich für den hohen Tragekomfort.

 
Eigenschaften:
+ Ausgestattet mit K-Foam-Protektoren für optimalen Schutz
+ KUSHITANI Rennkombis mit Proto-Core werden aus HOLSTEIN-Leder von ausgesuchten Tieren gefertigt
+ Eingearbeitetes ZYLON ist extrem stark und widersteht größten Temperaturbelastungen
+ 5x widerstandsfähiger als Karbonfasern und 7x stärker als Kevlar

   
Interessante Links:

Text: kot
Fotos: Pan-Photo, Kushitani, kot

Autor

Bericht vom 04.06.2009 | 7.498 Aufrufe

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