Yamaha R1
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Die Elektronik Gurus von Yamaha haben Überstunden geschoben. Geballtes digitales Know-How schlummert in der neuen R1. Doch kann der Dirigent im Sattel mit den Bits und Bytes die Stoppuhr überzeugen? Die Rennstrecke in Qatar sorgte für Klarheit! |
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Yamaha R1 Test in Qatar - Das Video |
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Die R1 in Fahrt |
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Der Yamaha Testpilot führte die Herde sicher und wohlbehütet durch die erste Runde auf der Rennstrecke in Qatar. Die Mittagspause war vorüber und Pirelli Supercorsa Racingreifen waren frisch montiert. Auf Position 2 hinter dem Testpilot fuhr artig der britische Journalist Naill McKenzie. Racingfans ist er möglicherweise noch von seinen vergangenen Grand Prix Einsätzen ein Begriff. Respektlose Franzosen Die französischen Kollegen kannten in scheinbar nicht und husteten auch auf die vorgeschlagene Linie des Testpiloten. Der Beginn der zweiten Runde wurde mit einem wilden Bremsduell in die erste Kurve eingeläutet. Ich verlor auf diesen Metern nur unwesentlich an Boden und viel von Rang 3 auf Rang 8 zurück. Doch dann hatte ich den Logenplatz für das folgende Schauspiel. McKenzie führte die R1 mit wenigen aber gewaltigen Schachzügen wieder blitzartig zurück an die Spitze. Die jungen Frechdachse aus Frankreich standen wie Pylonen in den folgenden 3 Kurven auf der Strecke. Ich spulte im Geiste das soeben visuell wahrgenommene aber in dieser Zeit unmöglich zu realisierende noch einmal ab. Die innerste Innenlinie Die gewählte Linie darf als innere Variante der Innenlinie bezeichnet werden. Denn Franzose Nummer 1 war gerade dabei von Franzose Nummer 2 innen überholt zu werden, als McKenzie beide Franzosen gleichzeitig noch weiter innen überholte. Ganz leicht aber scheinbar essentiell für diese Situation wurde das Heck der R1 in die Kurve gestellt. Danach folgte ein kurzer aber beeindruckender Moment mit maximalster Schräglage und einen Wimpernschlag später wurden die Zylinder mit Brennstoff geflutet. Mit dem Heck wurde der verbleibende Rest des Radius noch überwunden und die R1 stand schon in Angriffsposition für die nächste Gerade, als die Franzosen noch mit Kurvenfahren beschäftigt waren. Gewaltig anzusehen wie viel Traktion die R1 gemeinsam mit dem Pirelli Pneu aufbaut und wie vehement diese in Vortrieb umgewandelt wurde. Bedenkenlos einnieten! Schmerzhafte Bremsen Früh wie nie ans Gas - Trotz Highsider Furcht Die serienmäßigen Diablos für die Strasse zeigten doch ein klares Aufstellmoment bei kräftigem Druck auf der Bremse. Doch in der neuen Kombination erlaubt sich die R1 nun keine Schwäche mehr. Der Scheitelpunkt wird nicht verpasst und ich befahl mir selbst den Blick endlich wieder nach vorne zu lenken. Denn in der Beschleunigungsphase fühlte ich mich auf der R1 besonders wohl. Das Vertrauen in das Heck war schier grenzenlos und die saubere Motorabstimmung gekoppelt mit der elektronisch verfeinerten Gasannahme ließen mich hier wirklich gut aussehen. Normalerweise liegt meine Stärke am Kurveneingang und ich zögere vehement am Kurvenausgang. Liegt vermutlich auch daran, dass die Angst vor einem Highsider wesentlich größer ist, als übers Vorderrad abzusteigen. Doch auf der R1 war ich trotz der 180 Pferde im Stall zu erstaunlich mutigen Beschleunigungsmanövern aus den Kurven im Stande. Traktionswunder Die Ursache für gute Traktion beim Rausbeschleunigen in einzelnen technischen Features zu suchen ist schwierig. Klar hilft das Motorkonzept mit den beiden elektronischen YCC Helfern mit, das Drehmoment am Hinterrad fein wie nie zuvor an einer R1 zu dosieren. Doch der Yamaha Techniker erwähnte bei der Präsentation am Vorabend auch etwas total skurriles. Die Steifigkeit der Schwinge wurde in der Längsachse verringert, die Torsionssteifigkeit jedoch erhöht. Insgesamt soll diese gewollte Flexibilität zu mehr Traktion führen. Ein gute Paket - Reifen & Motorrad Nicht umsonst wird Yamaha mit der R1 als japanischer Hersteller mit Pirelli auf eine italienische Reifenmarke setzen. Scheinbar harmoniert das neue Bike besonders gut mit den Supercorsas. Verwöhnt von Anti-Hopping Auch beim Anbremsen der nächsten Kurve dachte ich an den unendlich langen Vortrag des Japaners am Vorabend. Die Anti-Hopping-Kupplung ist bereits serienmäßig montiert und die Vorderbremse arbeitet nun mit 6 Kolben auf jeder Seite der Felge. Der Durchmesser und damit das Gewicht der Bremsscheiben konnte so auf 310 mm reduziert werden, ohne die wirkende Fläche der Bremsbeläge zu verringern. Ich bin mittlerweile vermutlich überhaupt nicht mehr in der Lage mit Motorrädern ohne Anti-Hopping-Kupplung zu fahren. Die Hinterbremse sowie den Gasgriff rühre ich bei Bremsmanövern schon seit Jahren nicht mehr an. Die Anti-Hopping-Kupplung funktioniert an der R1 so unauffällig und unspektakulär, dass ich ganz vergessen habe, dass so etwas wie Unruhe im Heck, Motorbremswirkung oder stempelndes Hinterrad überhaupt existieren kann. Für diese Angelegenheit braucht man nicht ein einziges Prozent seiner Konzentration an der R1 verschwenden. Gute Rundenzeiten werden nicht gratis serviert Die neue R1 beherbergt zwar viele Helferlein, welche Dir das Leben auf der Strasse und der Rennstrecke leichter machen, trotzdem muss man auf dem Motorrad arbeiten. Der Sattel lässt viele verschiedene Sitzpositionen zu und in Phasen der Beschleunigung oder der Verzögerung muss man auf der R1 auf die Körperhaltung achten. Tut man dies nicht, wird man noch schneller als sonst mit schreienden Muskeln bestraft. Gratis bekommt man die guten Rundenzeiten also auch auf der neuen R1 nicht serviert. Zu viel Technik? Peinliche Rollphasen Lenkungsdämpfer bändigt sofort Geiler Nervenkitzel und fahrtechnische Herausforderung zugleich sind wie bei allen 1000ern die Beschleunigungsphasen aus den engen Kehren. Sitzt man konzentriert und fest im Sattel ohne ängstlich an den Lenkerenden zu klammern, kann man vor Freude in den Helm brüllen während die R1 herrlich aus der Ecke wheelt. Andernfalls schlägt die R1 kurz zurück, rüttelt wach wird aber sofort vom serienmäßigen Lenkungsdämpfer wieder gebändigt. Stabil oder agil? Der Kompromiss zwischen Stabilität und Agilität ist vermutlich eine der heikelsten Aufgaben für Motorradingenieure. Die neue R1 wurde sehr dicht an die Grenze der Stabilität gestellt. Das Motorrad wird im gesamten Test zwar niemals nervös, man spürt aber mit den feinen Sensoren der Finger dieses leichte Kribbeln in der Front. Sie will ausbrechen aus der Geraden und blitzartig in die nächste Kurve stechen. Das Motorrad ist so wie es ist also haarscharf und präzise konstruiert, Tuningmaßnahmen am Chassis mit dem Holzhammer werden aber vermutlich fürchterlich bestraft. Albtraum für Motorradfreaks Greift zum vollen Liter! |
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Munition für den Stammtisch |
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Yamaha R1 Berichte auf 1000PS: |
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Fazit: Yamaha R1 2006
Die neue R1 ist ein Motorrad voller High-Tech und Innovation. Die gebotene Performance auf der Rennstrecke ist beeindruckend. Denn die technischen Spielereien lassen sich in Fahrspaß und Rundenzeiten umsetzen. Trotzdem verlangt das Motorrad nach einem aktiven Fahrer um nicht anstrengend zu werden.- Bedenkloses Einnieten
- starke Bremsanlage
- leistungsfähiger Motor
- Traktionswunder
- Anti-Hopping Kupplung
- Lenkungsdämpfer
- präzise.
- sehr suboptimale Sitzposition - unangenhme Körperhaltung
- starker Körpereinsatz bei Wechselkurven nötig
Bericht vom 15.11.2006 | 22.465 Aufrufe