Freitag:
Ankunft in Newchurch. Faszinierende hunderte Triumphen alte, neue, große,
kleine, dicke, dünne, aus unterschiedlichsten Ländern. Jede Menge Deutsche,
Italiener, Franzosen, Dänen, Österreicher und natürlich auch echte Briten. Vor
dem Infocenter steht ein silberner alter englischer Stockautobus für Rundfahrten
bereit, bewacht von den Guards. Überall Triumph Banner und der Union Jack. 2
überlange Bobbies regeln den Verkehr.
Sogar die Geschäfte sind umbenannt der ADEG ist mit Grocery Store beschriftet
S.Oliver nennt sich Sir Oliver. Unmengen von Menschen bevölkern das Zentrum von
Newchurch, die vielen Lokale sind allesamt überfüllt. Dazwischen immer wieder
neue Ankömmlinge mit offenen Mündern.
Ausgelassene Stimmung, angeregte Benzingespräche nur wenn wieder einer der
wildesten Triumph-Umbauten durch die Massen flanieren wirds kurz ruhig und alle
schauen hin. Leise sind die wenigsten bei dem Sound wärs auch schade. Die
erste geführte Tour geht zu den Krimmler Wasserfällen. Wir sind dabei. In 10er
Gruppen wird mit einem Giude gestartet.
Gleich nach dem Start wird klar, daß das nichts für Wiener Bürohengste ist. Sehr
nette Landschaft (soviel ich mitbekommen habe) sehr geile Kurven und die
Polizei hat für die 3 Tage freibekommen.
Am Abend dann wieder großes Treffen in Newchurch Downtown. Beim Livekonzert von
Good Vibrations am Hauptplatz wird alles durchgekostet von Fish and Chips bis
Guinnes.
Je länger es gedauert hat desto mehr Guinnes sind im Körper verschwunden und der
hat es nach der ganzen Anreise- und Tour-Hektik gerne genommen. In der Burnout
Bar werden gemütlich einige Hinterreifen verheizt und so mancher Begrenzer wird
auf Herz und Nieren geprüft. Ein junger deutscher Speed Triple Kollege lässt
besonders sympathischen Zuschauern durch seinen zerrissenen Hinterreifen auf die
Innenseite der Felge greifen. Das Beste aber ist das es keinerlei Aggression
gibt und sich das ganze Fest überhaupt auf sehr hohem Niveau befindet.
Samstag:
Das Wetter ist bewölkt, manchmal Sonne aber es ist trocken aber nicht sehr warm.
Zeitig in der Früh zu zeitig für manche gehts, wieder in mehreren Gruppen,
ab auf den Glockner. Die Zurückgebliebenen trudeln nach und nach am Hauptplatz
ein. Zu sehn gibts vieles. Reifenhändler, Teilehändler, Triumph-Megastore und
die roten Augen der wiedererwachten Guinnes-Vernichter. An jeder Ecke gibts
wertvolle Informationen von den freundlichen Ausstellern. Ahhh ... da bahnt sich
eine extrageile Rocket den Weg durch die staunende Menge, bei dem Anblick werden
sogar die abgebrühtesten Triumphisten wieder zu kleinen Buben die, in der einen
Hand das Kaffeehäferl in der Andren das neu erworbene Triumph T-Shirt, ihren
Mund nicht mehr zubringen.
Manche pflegen ihren Magen mit einem
kleinen Guinnes zum späten Frühstück. Wie auch immer - es herrscht eine wirklich
gute Stimmung in Newchurch, es ist wie ein großes Familientreffen. Vom unteren
Ende der Hauptstraße erschüttert der Start einer Endtopflosen Speedy das ganze
Tal. Kevin Carmichel zeigt uns warum er Stuntweltmeister ist und was er (als Tom
Cruise und Co.) in den Mission Impossible Filmen so alles mit den Triumphen
machen musste. Der Schotte ist tatsächlich mit den Motorrädern verwachsen und
macht damit Sachen die eigentlich unmöglich sind. Das Schlimmste ist aber, daß
er das mit der selben Leichtigkeit tut wie unsereins z.B. winken. Nach der
Viertelstunde erkennt dann jeder was wirkliches Motorradfahren ist. Sogar der
vorbeikommende Seniorenwanderverein bleibt stehen und schaut dem Spektakel
begeistert zu.
Zu Mittag haben wir uns nun doch
entschlossen auch den Glockner zu bezwingen und sind, von Carmichel motiviert
aufgebrochen. Demotiviert wurden wir nach wenigen Kilometern als uns die erste
Gruppe der morgendlichen Glocknerrunde entgegenkommt. Sie sind alle waschelnaß
und sie zittern. Wir fahren aber trotzdem weiter im Sonnenschein in Richting
Glocknerhochalpenstraße. Der Glockner ist immer wieder ein Erlebnis. Nicht nur
die großartige Landschaft mit den angezuckerten Gipfeln sondern auch die anderen
Verkehrsteilnehmer bringen immer wieder neue Eindrücke. So war z.B. ein
Smart-Treffen am Glockner und im endlosen Gezirkle sind unendlich viele bunte
Smarts unterwegs. Teilweise siehts hier aus wie zu Ostern wenn die Kinder noch
nicht zur Ostereiersuche aufgebrochen sind und die bunten Eier noch unberührt im
Gras liegen.
Je weiter wir uns den Berg
heraufschrauben desto nebeliger und kälter wird es. Auf der Edelweis-Spitze ist
die Sicht dann gleich Null und es nieselt. Bei 5 Grad wenigstens über null
und keiner Sicht tut dann trotzdem jeder so als ob er ins Tal schaut, weils
ganz einfach dazugehört und weil man auf der Edelweis-Spitze soundso nichts
anderes tun kann. Bei der Franz-Josef-Höhe lichtet sich der Nebel und man kann
die nächstgelegenen Gipfel erkennen. Den Rückweg nach Newchurch fahren wir dann
fast zur Gänze im Sonnenschein. Am Hauptplatz trifft sich dann wieder die
Triumph Familie und tauscht Erlebnisse und Erfahrungen mit den andern aus.
Unterbrochen werden die vielen Berichte
und Geschichten wieder nur von den vorbeifahrenden heftig getunten Triumphen
aber auch wenn der Ossi zufällig mit Trenchcoat und Braincap bekleidet auf
seinem Speed-Roller vorbeizischt. Am Abend nach einem kurzen Regenguss spielt in
der Steiff-Arena dann Ten Years After auf. Die Triumph-Familie hat sich ins
beste Leder geworfen und hat sich mehr oder weniger geschlossen in der Arena
versammelt um den alten Herrn zu lauschen. Die zahlreichen älteren Teilnehmer
haben vor dem Konzert die zahlreichen jüngeren Teilnehmer noch schnell
aufgeklärt wer denn Ten Years After sind und wann die so ihre Höhepunkte
hatten. Schnell sind dann auch Gerüchte von Rollstühlen und Sauerstoffzelten
aufgetaucht, aber die Burschen wissen 37 Jahre nach Woodstock noch ganz genau
wie man fest aufgeigt und die Gitarre richtig würgt. Spätestens nach dem
mindestens 10 Minuten dauernden Schlagzeugsolo waren dann fast alle begeistert
von der guten alten Hardrock-Partie.
Wie üblich in einem typisch britischen
Ort wird danach bei einem oder mehreren Guinnes ganz genau diskutiert wie gut
denn das Konzert wirklich war, ob die Glocknertour die härteste jemals gefahrene
Tour war und wie denn die Welt überhaupt so funktioniert und vor allem wie man
sie verbessern kann. Einige nützen noch zwischen dem letzten Bier und dem Sprung
in die Hapfe die Burnout Bar und lassen dort im Vorbeigehen noch einen Reifen
platzen.
Sonntag:
Wir werden von den vorbeifahrenden Test-Piloten sanft aus unserem Schlaf
geweckt. Unser Hotel liegt genau an der Testride-Strecke. Das nennt sich
fröhliches Erwachen mit Triumph und ist Teil des Tridays-Wellnessprogramms.
Nach der morgendlichen Messe segnet der
Pfarrer Mag. Friembichler einige Motorräder. Newchurch wirkt eigentlich ein
wenig leer an diesem Vormittag. Die Erklärung dafür ist das Buffet im
Aussichtsrestaurant am Wildkogel. Mit der Seilbahn gehts für die meisten locker
nach oben. Eine Hand voll Abenteurer jedoch hat den steilen Aufstieg auf den
Wildkogel mit ihren Tigers oder Scramblers unternommen. Im gut geheizten
Restaurant wird das Buffet gestürmt und bei Schweinsbraten, Grillhendel und
Sparerrips die letzten Tage ein letztes Mal aufgearbeitet.
Uli Brée der Erfinder der Tridays hat
schon massive Schulterschmerzen bekommen weil ihm jeder Gast mit einem zarten
Klaps zu dem gelungenen Event gratuliert hat. Wieder im Tal besorge ich mir noch
schnell einen frischen Hinterreifen, mein Alter hat während der drei Tage sein
Profil verloren. Den Aus- und Einbau des Rades besorgt mir das Testride-Team bei
dem ich mich hier noch einmal gaaanz besonders bedanken will. Der nette Herr von
Triumph hat nicht nur die Montage erledigt sondern auch gleich meine geliebte
Engländerin durchgecheckt, die Kette gespannt die Bremsen kontrolliert und die
Achsen geprüft. Dazu gab es noch einige gute Tipps mit auf den Weg. Rundherum
glückliche Gesichter. Neukirchen war tatsächlich drei Tage lang eine britische
Enklave ganz im Zeichen von Triumph.
Bericht, Podcast und Photos: Richi
Reichhart (Triumph fahrender Bürohengst) |