Onkel4ever testet D208RR
Onkel4ever testet Dunlop D208 RR | |
Eines schönen Tages erreichte mich ein Mail vom Ing. Markus Baumgartner ( für die Unwissenden unter uns - das ist der Produkt Manager für Motorradreifen der Fa. Dunlop Österreich ) in dem er mir mitteilte, daß in der Bike City ein Satz Reifen für mich bereit liegt, mit dem ich Probe fahren durfte. Also quasi zum Testen bereit liegen. Wenn bei Dunlop ein neuer Reifen auf den Markt kommt, dann ist es der Firma immer besonders wichtig ein verlässliches Feedback über das Produkt zu bekommen, wobei ich gleich darauf hinweisen möchte, daß es dem Hr. Ing. Baumgartner ausdrücklich nicht darum ging, welche Statements ich auf 1000PS abgebe, sondern er einfach nur einen Erfahrungsbericht von meiner Seite über den Reifen wollte. | ![]() |
Im konkreten Fall erhielt ich
also zu meiner großen Freude und Überraschung einen Satz Hypersport
Reifen Dunlop D208 RR, der eine Kombination zwischen Straßenreifen und
dem Supersport Rennreifen GPA sein soll. Mein Interesse war
dementsprechend geweckt. Also hieß es auf in die Bike City Reifen
ausfassen. Montage, Wuchten, Ein- und Ausbau waren in dem Angebot
inbegriffen. So was freut den Motorradfahrer gleich noch mehr und so
ging es nach der Montage gleich mal zu meinem ersten persönlichen Test.
TEST 1 : ORTSGEBIET
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TEST 2 : ÜBERLAND Wie immer treibt es uns sofort aus der Stadt raus in die südliche Gegend von Wien. Ich habe heute den Hele 63 mitgenommen, um ein möglichst objektives Urteil abgeben zu können und nicht in die Versuchung zu kommen unobjektiv zu wirken, da ich ja bekennender Dunlop Fahrer bin, wie einige aus dem Forum sicherlich wissen. Unsere Tour gestalten wir so, dass wir die uns bekannten Strecken testen, da wir dort sehr genau wissen, wo ein Reifen eher rutscht, wo Grip vorhanden ist und wo nicht. Die gefahrene Strecke beläuft sich auf insgesamt knappe 500 km und für die neugierigen hier eine stichwortartige Zusammenstellung: |
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Alland, Mayerling über Weissenbach, nach Pernitz, Hals, Gutenstein, Rohrer Sattel, Höllental, Preiner Gschaid, Niederalpl, Gusswerk, Am Gschaid, Wastl im Wald, Türnitz, Annaberg, Am Gschaid,Oxsattel, Kalte Kuchl, Rohrer Sattel, Gutenstein, Hals, Pernitz, Mayerling, Alland und dort auf die Autobahn und die restlichen 20 km heim nach Wien. Bei Mödling in den Weinbergen lassen wir beide die Motorräder das erste Mal ein wenig laufen und auch heute fällt mir sofort wieder auf, daß beim D208 RR das Handlingverhalten eindeutig besser ist wie beim eigentlich schon sehr guten" normalen" D208. Spielerisch fressen wir die ersten Kurven und das erste Mal an diesem Tag macht sich so etwas wie ein breites Grinsen unter dem Helm bemerkbar. Weiter geht es über die bereits vorher beschriebene Strecke im Waldstück von Weissenbach, wo es manchmal schon verdammt rutschig sein kann. Keinerlei bemerkbare Probleme, wobei man anmerken muss, dass es dort nicht immer rutschig ist. Woran das liegt, haben wir leider nie in Erfahrung bringen können. Erste große Bewährungsprobe dann über den Hals, den wir eigentlich, um es vornehm auszudrücken, eigentlich immer recht flott hinter uns lassen. Da der Grip dort sowieso einmalig ist belassen wir es bei einer einmaligen Überfahrt und reiten weiter Richtung Kalte Küche. Einige Ortsgebiete nach dem Hals lass ich den Reifen dann wieder auf Normaltemperatur abkühlen, ehe er vor mir auftaucht, der Rohrer Sattel, einer meiner persönlichen Leidenschaften. Hier geht es heute das erste Mal wirklich ans Eingemachte, da wir beide hier jede Kurve auswendig kennen. Da das Wetter auch mitspielt können wir hier das erste Mal richtig Feuer geben. In der langen Linken beim Parkplatz, dort wo kein Grip herrscht, wo man mit dem normalen 208er beim andrücken ins leicht kontrollierbare Rutschen kommt, tut sich heute bei mir rein gar nichts. "Sehr fein" denke ich und wir forcieren wieder das Tempo. | |
Hier gibt es eigentlich so jeden Kurvenbereich der Spaß macht. Enge und weite, sowie schnelle und langsame Passagen. Ohne jegliche Probleme wird der Berg hinter uns gebracht. In Rohr im Gebirge bleibe ich stehen; Lagebesprechung steht an. Der normale 208er vom Hele begann wie immer hinten leicht wegzugehen, bei mir war nicht mal ein Ansatz zu merken. So beschließen wir, Motorräder zu tauschen und das ganze nochmals zu fahren, damit ich auch eine objektive Meinung vom Hele habe. Tatsächlich merkt man in der einen oder anderen Passage, daß der Asphalt hier nicht mehr der beste ist. Danach wieder Lagebesprechung in Rohr im Gebirge und Hele schließt sich meiner Meinung an. Der 208RR hat eindeutig mehr Grip. Von einem Abbauen des Grips kann bei der bisher gefahrenen Geschwindigkeit noch gar keine Rede sein und das obwohl wir alles andere als langsam unterwegs waren. |
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Die weitere Streckenführung
führt uns durchs bekannte Höllental. Diesmal fahren wir extra nicht zu
schnell, sondern versuchen so rund wie möglich und soviel Schräglage wie
möglich zu fahren. Die Kurvenkombinationen dort sowie die vorgeschriebene
Geschwindigkeitsbegrenzung drängen uns das fast auf.
Auch hier keinerlei Probleme ausfindig zu machen und ich bemerke zum ersten Mal, daß ich eigentlich schon schräger fahre, als ich das normalerweise sowieso tue. Aber was gibt es Schöneres, als Schräglage zu fahren für einen Motorradfahrer. Nach der Durchfahrt durchs Höllental wieder Lagebesprechung und zum ersten Mal heute staune ich. Da ist ja immer noch ein Angststreifen am Hinterrad. Normalerweise befindet sich nach einer Durchfahrt durchs Höllental kein Nopperl mehr am Reifen - heute ist das anders. Wir überlegen lange hin und her und sind uns dann eigentlich einig. Kann nur an der neuen Bauart des Reifens liegen, denn wir sind gefahren wie immer. Zwar langsamer, dafür aber mehr Schräglage das kann nur eines bedeuten. Der neue Reifen hat noch mehr Schräglagenfreiheit als der alte und ich muss sagen, gefällt mir sehr gut. Denn mehr Platz am Reifen bedeutet für mich auch mehr Sicherheitsreserven in Schräglage. Danach befällt mich aber auch die Angst, daß ich den Reifen wohl nie auf die Kante fahren werde, das aber quasi das Ziel fast jedes Supersportreibers ist. Schließlich will man sich ja nicht das Gelächter in der kalten Küche anhören müssen wenn der Angstrand am Hinterreifen breiter ist wie bei anderen der ganze Vorderreifen ;-)) "Daran werden wir noch arbeiten müssen", denke ich mir und nach einer Zigarette geht's auch schon wieder weiter. Am Niederalpl, das wir ebenfalls sehr gut kennen, geht's dann wieder richtig zur Sache. Da kein Verkehr herrschte konnten wir unsere beiden Tausender mal richtig laufen lassen, was wir auch taten. "Wahnsinn, was dieser Reifen an Schräglage und Speed verträgt!" dachte ich noch während der Fahrt die von Kurve zu Kurve mehr Spaß machte. Da gab es rein gar nichts zu beanstanden. Die R1 lag in den Kurven so ruhig, daß man fast denken konnte, sie wäre zu einem Schienenfahrzeug mutiert. Hier in den schnellen Passagen und mit dieser Bereifung, da fühlte sie und auch ich mich pudelwohl. Das lässt einem das Herz höher schlagen. Unten angelangt, wie immer Lagebesprechung bei einer Zigarette. ( ja diese verdammte Sucht, ich weiß *g*) Diesmal gab's auch keine Rutscher beim normalen 208er, also alles im grünen Bereich :-) Ein Blick nach hinten auf den Reifen, der das erste Mal aufgeschuppt ist, sagt mir: Da ist ja immer noch ein Restrand, verstehe ich nicht. Ich gehe nach vorne schauen, wo ich mir zum ersten Mal denke: "Ja bitte wie geht denn, daß vorne kein Rand, hinten schon noch, wo es doch normalerweise genau umgekehrt ist." Die Sache macht mich ein wenig unrund, denn ein rutschendes Hinterrad ist bekanntlich leichter einzufangen wie ein Vorderrad. Also erstmal vorsichtig weiter fahren und weitergrübeln. Mittagspause ist angesagt. Bei den Gesprächen zwischen mir und Hele wegen dem Reifenbild kommt nicht wirklich was raus, so beschließe ich, den Steveman zu kontaktieren, einen sehr bekannten Reifen und Ölguru aus dem Forum, der mich darauf hinweist, daß das sehr wohl an der Bauart des Reifens liegen kann und ich mich deswegen nicht beunruhigen soll. So etwas kenne er aus seiner Ringkarriere und das sei nicht wirklich außergewöhnlich. "Also gut" , denke ich ,"wenn es wer weiß, dann der Steveman, einer der jahrelang am Ring herumglühte." und wir begeben uns wieder on Tour. Schon nach wenigen hundert Metern hat der Reifen seine Betriebstemperatur erreicht und wir begeben uns wieder in den zügigeren Modus. Fast knieschleifend geht's über den Annaberg. Wieder ist dem RR keine Unruhe herauszulocken. Obwohl wir schon mächtig andrücken hält der Gummi mehr als genial, normalerweise haben wir in diesem Modus Minimum drei leichte Rutscher. Nicht so mit dem RR. Der hält, daß man es fast nicht glauben kann. Mag vielleicht auch daran liegen, daß wir eben doch nur Eierbären sind ;-)) Am Gscheid wird dann noch für die Heimfahrt getankt und auf geht's weiter Richtung Kalte Küche. Bevor wir aber dort ankommenm, haben wir noch meinen Lieblingsberg vor mir - Den OX Sattel, der einem, im schnelleren Tempo gefahren, wirklich alles abverlangen kann. Die Uhren sind gestellt und es geht im Knocking on Heavens Door Modus über den Ox. Schon während der Fahrt denke ich mir, daß ich heute schnell bin. Wahrscheinlich auch ein wenig motiviert durch die positiven Erfahrungen, die ich bisher mit dem neuen Gummi gemacht habe, drücke ich an, ohne Rücksicht auf Verluste. Der Verkehr spielt noch dazu auch mit und so erreiche ich in neuer Bestzeit die Kalte Kuchl. Am Ende stehen minus 6 Sekunden auf der Uhr, bei einer Fahrtdauer von etwas über 6 Minuten eine beachtliche Leistung, die ich ganz alleine dem Gummi zuschreibe. Manchmal neigt man mit dem Reifen dazu, übermütig zu werden, da man denkt, man könnte sogar die physikalischen Gesetze aufheben. Das kann man aber nicht dem Gummi in die Schuhe schieben, jeder muss selber wissen, wie weit er gehen kann und will. Egal mit welchem Material er unterwegs ist. Nach einem Einser Menü in der Kalten Küche, nämlich einem Häferlkaffee und einem Topfinger, geht's wieder über die schon beschriebene Strecke nach Hause. Den ganzen Tag keinen Rutscher oder ähnliches. Für mich steht nach diesem Tag bereits fest, ich habe meinen neuen Gummi gefunden, zumindest im Hochsommer. |
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TEST 3 : PANNONIA RING |
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Zwar nicht das, was ich mir
vorgestellt habe aber es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Nach der Pause geht's wieder los. Der Ronny zeigt mir noch eine Linie und
ich fahre noch einige Zeit hinterher bevor es ins freie Fahren übergeht.
Da es mir bis dahin relativ gut geht, von Rutschern oder dergleichen weit
und breit nichts zu bemerken, schmeiße ich die meisten Bedenken über
Bord und versuche mal richtig anzudrücken, was mir auch relativ gut
gelingt.
Nach einer kurzen Rückschau im Rennturm haben sich die Rundenzeiten bereits um einiges gebessert und zwar um ganze 7 Sekunden auf der Uhr stehen nun schon 2:28. Also die 2:30er Marke wäre einmal gefallen. Danach wieder Pause, Zeit den Reifen zu begutachten, der meiner Meinung nach schon schwer hergenommen aussieht, zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick erkennt man aber, daß er eigentlich ganz ok ist und schlimmer aussieht, als er in Wirklichkeit ist. Das Profil ist voll in Ordnung, keinerlei Blasenbildung und auch kein Aufstellen der Profilkanten, wie manche immer wieder behaupten. Racingtime ist angesagt. Deppat wie ich bin bilde ich mir natürlich ein, wenn schon denn schon. Wennst schon einmal hier bist, dann machst beim Rennen auch gleich mit. Pfeif drauf, ob sie dich herbirnen oder nicht. Also auf zum Qualifizieren. Dazu hat man genau eine halbe Stunde Zeit und sollte laut Veranstalter schon konstant 28er Zeiten fahren da es ansonsten keinen Sinn hat. "Also raus mit uns", denke ich. Nach einer Runde werfe ich alle Bedenken über Bord und gebe, was ich kann. Am Ende reicht es zwar nur für den 6 letzen Startplatz aber was soll's. Schließlich bin ich das erste Mal hier und habe 5 Starter hinter mir. Eine neuerliche Reifenkontrolle treibt mir Schaudern über den Rücken. Der Angsstreifen ist weg, vorne und hinten. Und dort, wo vor zwei Stunden noch ein 3mm Angstrand war hängen jetzt die Fetzen weg. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, daß mir das Motorrad zu rutschen hätte beginnen können. Meiner Meinung nach fuhr ich noch nicht an meinem persönlichen Limit. Nachdem die 600er Klasse und die Ladys ihr Rennen absolviert hatten waren wir an der Reihe. Mit Pulsschlag 200 und dem Herzklopfen bis zum Hals ging es in die Einführungsrunde. Danach Startaufstellung und los ging es. Während dem Rennen vergisst man sowieso alles rund herum. Jeder, der schon einmal eines gefahren ist, weiß das und so kam es, daß ich nicht mal mehr Zeit hatte meine Sicherheitsbedenken einzusetzen. Von Anfang an gab es nur eines: volle Kanne so gut ich es halt konnte. Überholt wurde ich nur einmal und es gelang mir sogar einige Fahrer vor mir zu überholen, sodaß am Ende ein Platz im hinteren Mittelfeld für mich herauskam. Überrundet wurde ich auch nur von zwei Fahrern ;-) Wie immer der Blick auf die Reifen. Die sahen nicht wirklich anders als vorher aus und die Uhr zeigte mir eine 2:25er Zeit an. Also noch einmal eine Zeitsteigerung im Rennen. So etwas ähnliches wie Stolz überkam mich und ich hatte noch lange nicht genug. Nach kurzer Rast begab ich mich wieder raus zum freien Fahren. Der Psychoharry aus dem Forum (den ich dort ebenfalls getroffen habe - man sieht wieder mal wie groß die 1000PS Gemeinde schon geworden ist) erklärte sich bereit, mit mir ein paar Runden zu drehen. Ich sollte vorfahren und bat ihn, mir eventuelle Fehler nachher zu sagen. Ausgemacht waren gemütliche 2:30er Zeiten. Doch wie fährt man eine vorgegebene Zeit, wenn man zum ersten Mal dort ist *grübel* Und so kam es, daß ich witzigerweise im freien Fahren meine absolut schnellste Runde an diesem Tag gedreht habe: Eine 2:21:384 An dieser Stelle danke Harry, daß Du mich so gehetzt hast *fg* Zufrieden ging es nach Hause mit dem Bike (an dieser Stelle sei gleich mal erwähnt bis auf die weghängenden Gummiwutzel an den Reifen waren diese noch immer voll in Ordnung.) Ich hätte dem Gummi das ehrlich gesagt nicht zugetraut, denn mittlerweile haben sie immerhin 2200 Kilometer Strasse und 300 Kilometer Ring auf dem Buckel, und der Profiltiefe nach zu urteilen hält der Gummi mindestens noch 1200-1500 km. Also nach ersten Berechnungen nach nicht weniger als der normale 208er bei deutlich besserem Grip, also eine echte Bereicherung auf dem Reifensektor, meiner Meinung nach. Wenn das so weiter geht, werden wir bald gar nicht mehr annähernd an die Grenzen eines Reifens bei normaler Fahrweise kommen, wobei ich anmerken möchte: Für den normalen Verbraucher ergeben sich dadurch immer mehr Sicherheitsreserven in allen Belangen. Es könnte also kaum besser laufen im "Reifenkrieg" für den Endverbraucher. TEST 4 : REGENTEST Im strömenden Regen geht es erstmal auf die Autobahn Richtung Mayerling in Alland. Der Reifen hält eigentlich auch bei nasser Fahrbahn ganz gut und wird, man höre und staune, auch warm. Nachdem ein Stück Autobahn aber noch lange nichts aussagt, ging es weiter Richtung Kalte Küche über den eh schon bekannten Hals. Trotz nasser Fahrbahn galt es den inneren Schweinehund zu überwinden und ein wenig anzudrücken bzw. zu probieren Schräglage zu fahren. Und wieder erstaunte mich der Reifen. Selbst im Nassen kannte der Reifen keine Kompromisse - er hielt einfach genial für die heutigen Streckenverhältnisse und mir wurde sofort wieder klar: Ich habe mit ziemlicher Sicherheit den Reifen der Zukunft für mich gefunden, denn so etwas hatte ich noch nie aufgezogen. Ohne übertreiben zu wollen war das mit großem Abstand der beste Gummi, den ich jemals aufgezogen hatte. Die einzigen Fragen die für mich offen bleiben sind:
Ansonsten gibt es absolut nichts, was mich
daran hindern könnte den Reifen zu kaufen. Gruß an alle 1000PS User euer Onkel4ever |
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Bericht vom 25.08.2004 | 4.637 Aufrufe