Großrollertest mit 1000ccm
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Das Suchergebnis
unseres Online-Magazins nach Rollerberichten fiel ziemlich mager aus.
Ein paar Ankündigungen über Neuheiten, kein einziger Test. Wir mussten
uns schleunigst einen Grossroller besorgen. Am besten gleich zwei. Also
hab ich den Josef Faber kontaktiert. Herr Dolezal vom Rollershop hat uns
zwei Geräte für die folgende Woche reserviert.
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Piaggio X9 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der Nexus musste durch einen
Piaggio X9 getauscht werden, also düste ich am Nachmittag nochmals nach
Wien, diesmal in den 16 Bezirk in die Koppstrasse 21. Wenigstens konnte ich so auch einmal den Nexus fahren. Hab natürlich ordentlich Feuer gegeben. Glaubt man gar nicht, wie schnell man mit so einer grossen Windschutzscheibe vorm Gesicht fahren kann. Beim Faber angekommen wechselte ich sofort den Roller und düste wieder heimwärts. Die Enttäuschung, den Nexus abgegeben zu haben, verflog bald. Ich hatte lediglich einen Ferrari gegen einen Porsche getauscht. Ähnliche Power, viel mehr Luxus. Das Cockpit war voll mit bunten Lichtern, von denen ich die Hälfte immer noch nicht verstanden habe. Der Sitz des Fahrers weckt Chefsessel-Gefühle. |
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Man fühlt sich so, als hätte
man heute den fetten 7-er BMW zu Hause gelassen weil das Wetter so
schön ist.
Am X9 hat man's als Fahrer bequemer, beim Beverley ist das umgekehrt. Da befindet sich die gepolsterte Lehne nämlich ganz hinten am Fahrzeug. Auch beim Parken der Fuhre äussert sich der Komfort-Anspruch des X9. Der Hauptständer kann per Knopfdruck automatisch ausgefahren werden. Einfach nur daneben stehen, Lenker festhalten und den Rest erledigt die Technik. Ein gewöhnlicher Seitenständer ist natürlich auch vorhanden.
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![]() Man muss weit fahren, um schlechte Fotos zu schiessen. Der X9 vor dem Eierautomat. |
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Auch sonst hat
der X9 alles, was man sich vorstellen kann und auch manches, was man
sich nicht vorstellen kann: 3-fach verstellbare Windschutzscheibe,
Multifunktions-Instrumentierung mit Bordcomputer, Dauerabblendlicht,
Sitzbankentriegelung mit Fernbedienung, Kommunikationspaket P.I.C.S. mit
RDS-Radio, Gegensprechanlage, automatische Motorabschaltung bei Sturz,
Anschlussmöglichkeit für Mobiltelefon, 12-Volt-Steckdose und
Leselampe! Nur fahren muss man noch selber.
Das Fahrverhalten der Roller hat mit dem
von Motorrädern wenig zu tun. Durch den niedrigen Schwerpunkt wirkt das
Fahrzeug wie ein Stehaufmännchen. Anfangs nahm ich die Kurven so eng
wie ein S-LKW, was sich aber schnell besserte. Was ich mir vorher nicht gedacht hätte, ist der grosse Aufmerksamkeitsfaktor, den man mit diesen Rollern geniesst. In Wien trifft man sowas zwar öfter an, aber am Land oder in kleineren Städten wie Eisenstadt sind solche Apparate seltener und man sieht regelmässig verwunderte Blicke über den Roller wandern. Ganz besonders stark ist das Interesse, wenn man auf der Autobahn auf der Überholspur vorbeizieht. Aufrecht sitzend, als würde man gerade den 5 Uhr Tee einnnehmen, mit Windschild und/oder 3 Koffern hinten drauf. |
![]() Leuchtet wie ein Christbaum. Das Cockpit vor dem Start. Auf dem blauen Digitalfeld links wird sogar auf das Helmtragen hingewiesen! |
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Da bleibt das
Kiefer bei Autofahrern ständig in der "Auf"-Stellung stecken.
Leider gibt's immer wieder welche,
die sich denken: "Sicher nicht von einem Roller!" und dann
sinnlose Überholmanöver starten. Die Scheibenbremsen verzögern bei entsprechender Bedienung einwandfrei. Ich war von den Rollern unheimlich positiv überrascht. Mit dieser Motorisierung spielt es keine Roller, ob man direkt in der Stadt oder am Land wohnt, weil man ja genauso schnell wie mit einem Motorrad fahren kann. Dabei geniesst man einen ungleich höheren Komfort und ein sehr entspanntes Fahren. |
![]() Die Brembos verzögern den Roller tadellos. |
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Rollerfahren
zum Badesee Man sollte diese Fuhren nicht unterschätzen (so wie der Harley Fahrer am Wiener Gürtel) und sich immer motorradmässig kleiden. Natürlich läuft man Gefahr, gleich die Badesachen anzuziehen und so die Fahrt zum See, oder ins Freibad, anzutreten. Ist aber keine gute Idee. Besonders nicht, wenn man überland fährt und höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Denn mit 2 Quadratmeter Schürfwunden auf der Haut wirkt Chlorwasser ungleich unangenehmer. Zu leichte Bekleidung birgt noch andere Gefahren in sich. Eine gemeine Wespe (einige Milligramm) kollidierte mit der Beifahrerin der doppelt besetzten Vespa (insg. 340 Kilo) und hatte keine Chance. Trotzdem konnte sie noch kurz vor ihrem Ableben den Giftstachel aus ihrem Anus direkt in den Oberarm meiner Freundin stecken, die jetzt mit einem ungewöhnlich grossen Bizeps ausgestattet ist. Und zu guter letzt sind da die unzähligen Kieselsteine, die von den Reifen auf Füsse und Schienbeine geschleudert werden. Also das Mindeste sind lange Hose und lange Ärmel.
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Da
endlich mal ein geeignetes Gefährt verfügbar war, liess ich damit auch
meinen Papa fahren, der seine Vespa vor Jahren verscherbelt hatte. Hier
seine Fahreindrücke mit dem Piaggio Beverley 500 |
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Ich war heuer 67 und meine Erfahrungen mit Einspurigen beschränken sich auf Roller und die Probefahrten für den A-Führerschein, den ich vor etwa 50 Jahren machte, mit einer 400er Kawasaki. Das hat mich allerdings bewogen, mir einige Male ein Motorrad auszuborgen, um dieses Feeling wieder zu geniessen. Ich kam auch auf die Idee, mir so ein Gerät anzuschaffen, aber der sanfte Druck meiner Gatttin (wenn du dir eine Maschine kaufst, lass ich mich scheiden) liess mich davon Abstand nehmen. Die Ablehnung meiner Angetrauten war insofern verständlich, als unsere drei Söhne gerade im Glühalter waren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
In der Zwischenzeit bringt
mein Mittlerer fast jede Woche ein heisses Eisen zu Testzwecken nach
Hause und will mich immer wieder zum Fahren animieren, aber bei diesen
Öfen fehlt mir einfach der Mut. Zwecks Rollertest hat er dieses
Wochenende eine Piaggio Beverley 500 ausgeborgt und diesmal
konnte ich nicht wiederstehen. Mein letztes Gerät war die PX 200, die
ich schon vor einigen Jahren verkauft habe.
Es war für Strecken bis maximal 50 km gut geeignet, vergnüglich zu fahren und konnte dank einer äusserst gifitgen Kupplung und eines kurzen Radstandes so etwas Ähnliches wie wheelisieren. |
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Meine Liebe war
allerdings zu Ende, als ich auf der Autobahn ohne Vorwarnung bei Tempo
hundert einen Kolbenreiber hatte und bis heute nicht weiss, wie ich ohne
Sturz zum Stehen kam. Von da an tankte ich auf Grund eines guten Rates
eines Bekannten doppelt fett, was einen weitern Kolbenreiber, diesmal
mit der Hand auf der Kupplung, nicht verhindern konnte. Ich verkaufte
meine Mopetten und nahm mir vor: Nie mehr Zweitakter. Endergebnis war,
dass ich bis heute überhaupt ohne Zweiradler blieb (siehe auch Oben). |
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Das erste, was ich mir dachte
als ich nun neben dem grossen Roller stand: Was ist denn das für ein
Riesentrumm! Das hing wahrscheinlich auch damit zusammen, dass sie mit
drei Koffern bestückt war. Ich absolvierte den komplizierten
Startmechanismus und gab leise Gas. Das Gefährt setzte sich sachte in
Bewegung und das erste, was mir gewöhnungsbedürftig schien, war die
Trägheit in den ersten Kurven.
Na klar, das Gerät ist schwerer als die PX 200 und der Radstand ist obendrein deutlich länger. Da musst du schon deinen Körper einsetzen. Ein bisschen unsicher fuhr ich in die Bundestrasse ein. |
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Die ersten Kreisverkehre schlich ich um die Ecken und dann hatte ich endlich offene Strasse. Bei Tempo hundert hatte ich die Hose voll, rechts der Gegenverkehr links der Strassengraben, ich war halt zu lange nicht Zweirad gefahren. Schön langsam aber kam das Feeling für die Kurven und das Tempo kam mir auch nicht mehr so hoch vor. Nach 20 km hatte ich mich mit meinem Untersatz schon ein wenig angefreundet und ich habe das Gefühl, dass diese Freundschaft durchaus ausbaufähig wäre. Leider muss das Fahrzeug morgen wieder zurück. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Einige Dinge, die
mir in der kurzen Zeit auffielen: Da ist einmal dieses schon oben
beschriebene Gefühl der Kurventrägheit, welches aber offenbar bald
verschwunden sein dürfte. Weiters ist das stufenlose Getriebe eine
Supersache für einen Pensionisten (sicher auch für Frauen, wenn ihnen
die Mopetten nicht zu gross ist) aber im langsamen Bereich gurgelt der
Viertakter so niedrigtourig, dass man das Gefühl hat, er müsste gleich
ersticken. Und schliesslich würde ich nach einem eventuellen Kauf als
erstes das lächerliche Windschild gegen ein grösseres tauschen. Für
ein Fahrzeug, das 150 km/h auf den Tacho bringt und von gemütlichen
Leuten gefahren wird, kommt es auf 10 km/h weniger wirklich nicht an. Ansonsten glaub ich, dass der Roller für solidere Menschen durchaus Motorradfeeling bringt und daher ein Ankauf eine Überlegung wert ist. Weitere Info finden Ihr unter: www.faber.at Vielen Dank Herr Dolezal. Extrem leiwand! |
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Fazit: Piaggio X9 500 2004
Auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt scheint, der Roller könnte durchaus für solidere Menschen ein Motorradfeeling bringen und dementsprechend ist der Ankauf gewiss einer Überlegung wert.- Äußerst geräumige Staukoffer
- stufenloses Getriebe
- angenehmes Fahrgefühl
- recht schnell unterwegs
- viel Ausstattung
- Komplizierter Startmechanismus
- spürbare Trägheit
- suboptimales Windschild.
Fazit: Piaggio Beverly 500 2004
Ich war von den Rollern unheimlich positiv überrascht. Mit dieser Motorisierung spielt es keine Roller, ob man direkt in der Stadt oder am Land wohnt, weil man ja genauso schnell wie mit einem Motorrad fahren kann. Dabei genießt man einen ungleich höheren Komfort und ein sehr entspanntes Fahren.- Sehr schnell unterwegs
- angenehmer Sitz
- ausgestattetes Cockpit
- Komfort
- 3-fach verstellbare Windschutzscheibe
- integrierte Elektronik
- angenehmes Fahrverhalten.
- relativ hohes Gewicht, träge in den Kurven
Bericht vom 18.08.2004 | 56.863 Aufrufe